#2
Jackson
Der sonderbare kleine Feldwebel mit den übergroßen Gummistiefeln nimmt meine dargebotene Hand, drückt sie und weicht im nächsten Moment meinem Blick aus. „Möchten Sie einen Keks?“
Bitte?
Nur mit Mühe kann ich ein Lachen unterdrücken.
Kaum hat sie die Frage ausgesprochen, lässt sie meine Finger los als hätte sie sich verbrannt, und geht zu dem merkwürdig aussehenden Karren, um den Deckel aufzuklappen.
„Unsere hausgemachten Cookies sind sehr beliebt. Mögen … mögen Sie dunkle Schokolade?“
Ich weiß nicht recht, was ich von dem Gestammel halten soll. Die Frau, die sich, anders als ich, nicht vorgestellt hat, ist gerade mal halb so alt wie ich. Zumindest wirkt sie mit ihrem ungeschminkten Gesicht und den dunklen Haaren, die nur locker zu einem unordentlichen Pferdeschwanz gebunden sind, so. Die Mehlspur in ihrem Gesicht, verleiht ihr zusätzlich etwas Mädchenhaftes. Hat sie mit einer Schar Kinder gebacken, bevor sie mit ihrem Wägelchen und den zu großen Gummistiefeln losgestapft ist? Am Eingang habe ich auf einem Plakat gelesen, dass auf Wunsch Kindergeburtstage im Zoo gefeiert werden können. Allzu weit hergeholt ist meine Vermutung also nicht. Unter Umständen kommt sie gerade von einer solchen Geburtstagsparty.
„Möchten Sie?“ Ein brauner Schokoladenkeks, der wie ein deformiertes Nashorn mit Stirnfalte aussieht, taucht vor meinen Augen auf. Unverzüglich weiche ich so weit zurück, wie die Rückenlehne der Bank es zulässt. Zugegeben, er riecht nicht schlecht, aber …
„Nein, danke.“ Zur Sicherheit hebe ich die Hand und schüttele den Kopf.
Die Frau scheint enttäuscht. „Möchten Sie lieber einen Cake-Pop? Die sind kleiner und nicht so mächtig. Für den kleinen Hunger ideal.“
Das merkwürdige Nashorn verschwindet und ein weißer Minikuchen am Stil taucht auf. Intensiver Mandelgeruch vermischt mit einem Hauch Zitrone steigt mir in die Nase.
„Nein, danke“, wiederhole ich deutlicher. „Leere Kalorien sind nichts für mich.“ Ich klinge unhöflicher als beabsichtigt. „Entschuldigen Sie“, fahre ich freundlicher fort. „Mein Hunger ist nicht sonderlich groß, außerdem würde ich lieber ihren Namen erfahren, als mit Zucker bestochen zu werden.“ Ein herausforderndes Zwinkern kann ich nicht zurückhalten.
Die eben noch herrische Zooangestellte schnappt nach Luft. „Warum wollen Sie meinen Namen wissen?“ Der Kuchen am Stil verschwindet dahin, wo er hergekommen ist.
Täusche ich mich oder wird sie plötzlich blass um die Nase herum? Hat sie Angst, dass ich mich über sie bei der Leitung des Zoos beschweren könnte? „Sie kennen meinen Namen, deshalb möchte ich wissen, wer vor mir steht. Ist das so schwer zu verstehen?“ Wo ist nur die allseits bekannte Höflichkeit geblieben? Für junge Leute