DONNERSTAG
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Der nächste Morgen begann mit energischem Weckerklingeln. Völlig übermüdet schleppte sich Mark in den Flur, wo er von Felix bereits erwartet wurde. Sie wussten beide, was nun anstand: Ihre tägliche frühmorgendliche Joggingrunde. Nach über einem Jahr war ihnen diese gemeinsame Routine längst in Fleisch und Blut übergegangen. Daher schlüpfte Mark auch heute rasch in Hosen, T-Shirt und Turnschuhe, bevor es mit dem Hovawart in den angrenzenden Stadtpark ging. Um die Zeitungskästen am Bürgersteig machten sie absichtlich einen großen Bogen. Mark wollte gar nicht wissen, was für reißerische Schlagzeilen sich die Blätter für den gestrigen Vorfall ausgedacht hatten. Bestimmt war es eine comicartige Überschrift wieDer Nachträcher schlägt zu oderIm Visier des Nachträchers. Gern benutzt wurden dabei auch Adjektive wie blutig, fies und brutal. Da konzentrierte sich Mark lieber ganz auf seinen Morgensport und freute sich auf die anschließende heiße Dusche.
Als Felix und er um kurz nach halb neun im Präsidium eintrafen, hielt sich lediglich Kollege Jan Schuster im Großraumbüro auf. Dass Dominik auf sich warten lassen würde, wunderte Mark kein bisschen. Die wenigen Male, die sein Partner vor ihm eingetroffen war, ließen sich an einer Hand abzählen. Bei seiner Ankunft einige Zeit darauf trug Dominik zumindest einen neuen Anzug, obgleich der ebenso schlecht saß wie der gestrige. Ein stacheliger Dreitagebart zierte sein Kinn und seine Wangen. Außerdem hielt sich seine gute Laune vor dem ersten Kaffee noch stark in Grenzen.
Aus Erfahrung wusste Mark, dass es besser war, ihn erst einmal in Ruhe ankommen zu lassen. Daher kümmerte er sich weiter um die E-Mail an Arne Brenneisens Mobilfunkanbieter, um die Verbindungsnachweise und die Funkzellenortung anzufordern. Um die Verständigung von Brenneisens Angehörigen brauchten sie sich nicht zu kümmern. Das übernahmen die Kollegen in Hamburg, wo die Eltern und Geschwister des Ermordeten lebten. Sollten sich dabei ermittlungsrelevante Informationen ergeben, würden sie die vermutlich noch an diesem Vormittag weitergeleitet bekommen. Mark ging nicht davon aus, dass wirklich etwas kommen würde. In den wenigsten Fällen besaß die Familie große Einblicke in das Leben eines Verstorbenen, wenn sie zu Lebzeiten mehrere Hundert Kilometer voneinander entfernt gewohnt hatten.
Er wollte gerade im Posteingang nachschauen, ob die vorläufigen Berichte der Rechtsmedizin und der Spurensicherung bereits vorlagen, als Felix plötzlich aufsprang und an ihm vorbei durch das Büro flitzte. Das tat er in der Regel bloß, wenn entweder jemand Vertrautes oder komplett Unbekanntes den Raum betrat. Letzteres ging in der Regel mit einem warnenden Bellen einher. Da dies ausblieb, konnte es sich bloß um jemanden handeln, den sie kannten. Und wirklich: Ihre Kollegin Nicole Rösler von der Spurensicherung kam mit einem amüsierten Lächeln auf sie zu. Das hieß: Sie probierte es. Der aufgeregt um sie herumspringende Vierbeiner machte ihr das nicht gerade leicht.
„Unten freut sich der Hund“, ermahnte Nicole die Fellnase und spazierte zwischen seinen ständigen Hochspringversuchen zum Doppelschreibtisch der Kommissare. Kaum waren sie angekommen, schmiss sich Felix auf den Boden, drehte sich auf den Rücken und streckte sämtliche Gli