Kapitel 1
SAVANNAH
Mittwochmorgen schleiche ich nur mit einem Handtuch bekleidet über den Flur, schlüpfe in mein Zimmer und schließe vorsichtig die Tür, bevor ich endlich ausatme. Hoffentlich habe ich Liam nicht geweckt.
Sich geräuschlos fertig zu machen ist schwieriger, als Grandma Dori beim Dart-Abend aus Lucky’s Tavern zu schleifen. Die letzten Tage habe ich es geschafft, Liam aus dem Weg zu gehen, indem ich immer das Haus verlassen habe, bevor er aufgewacht ist. Und ich habe nicht vor, ihm heute zu begegnen.
Langsam schiebe ich die Kleiderbügel über die Metallstange und suche das weiteste Outfit aus, das mein Schrank hergibt. Nach Austins Hochzeit letzten Samstag – dem heißesten Tag seit drei Jahren – bin ich immer noch total vollgefressen. Nachdem ich mich angezogen habe, bürste ich mein langes blondes Haar und hoffe, es trocknet schnell genug, damit ich mir irgendeine Art von Dutt machen kann, bevor ich gehe.
Ich mache das Bett, hänge das nasse Handtuch an den Haken an der Tür, schnappe mir ein passendes Paar High Heels und schließe den Schrank. Ich will gerade gehen, mache aber noch mal kehrt, um eine Falte auf der Bettdecke glattzustreichen.
Langsam drehe ich den Türknauf, halte aber abrupt inne, als ich aus dem Flur Geräusche höre. Jemand seufzt laut und benutzt bei geöffneter Tür die Toilette am Ende des Korridors. Meine Schultern sacken vor Erleichterung zusammen.Denver.
Ich werfe einen Blick durch den Türspalt und beobachte, wie er gähnend und noch halb schlafend aus dem Badezimmer kommt und sich im Schritt kratzt.
Etwas, das jede Schwester unbedingt sehen will.
Er geht zurück in sein Zimmer und schließt die Tür.
Ich schlüpfe aus meinem Zimmer, schleiche so schnell wie möglich mit den High Heels in der Hand über den Flur, steige die Treppe hinunter und gelange in die Küche. Ich stelle meine Schuhe zusammen mit meiner Handtasche und meiner Laptoptasche auf den Konsolentisch beim Eingang, lege vorsichtig die Schlüssel daneben und schnappe mir schnell etwas zu essen, bevor ich endlich abhauen kann.
Ich will mir gerade einen Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen, als ich höre, wie sich die Haustür öffnet und schließt. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinab. Er ist schon wach und schläft nicht in seinem Zimmer, wie ich gehofft hatte. Ich schließe den Kühlschrank und drehe mich um.
»Aaaahhhh!« Vor Schreck mache ich einen Satz rückwärts, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass sich der große Kerl bereits gegen den Tresen lehnt, die Arme vor der Brust verschränkt.
Verdammt.
»Guten Morgen, Savannah«, sagt Liam arrogant grinsend.
»Lass das.« Ich ziehe den Joghurtdeckel ab und beäuge die Besteckschublade, die er gerade blockiert.
Genau aus diesem Grund habe ich