„Man verstehet dadurch todte menschliche Körper,
welche aus Gräbern hervor spatzieren,
den Lebendigen das Blut aussaugen,
und sie dadurch umbringen sollen.“
ZEDLERS UNIVERSALLEXIKON, 1745
„… das ist der Name von angeblichen Dämonen,
die nachts lebendigen Körpern
das Blut entziehen und es Leichen übertragen,
denen es offenbar aus Mund, Nase und Ohren fließt.“
ENCYCLOPÉDIE OU DICTIONNAIRE RAISONNÉ, 1765
Bei der Definition des Vampirismus kreuzen sich bis heute Missverständnisse der Aufklärung mit Fehldeutungen der Romantik. Im Endeffekt werden dadurch stets aufs Neue negative Stereotype über das östliche Europa produziert. Woher kommt das?
In den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts revoltierten zuerst die Serben und dann die Griechen gegen die Herrschaft der Osmanen auf der Balkanhalbinsel. Von den nationalromantisch gesinnten Intellektuellen im übrigen Europa wurde diese Entwicklung mit Interesse und Sympathie verfolgt. Debatten über die mächtepolitische Konstellation gingen dabei einher mit der Stereotypisierung des exotischen Lokalkolorits. Im Begriff „Orientalische Frage“ fand dieser Diskurs einen symbolträchtigen Ausdruck. Weil aber seit der vergeblichen Belagerung Wiens im Jahre 1689 von einer „Türkengefahr“ nicht mehr ernstlich die Rede sein konnte, avanciert