2. Kapitel
Und so zog der Herbst ins Land. Ich vergaß John nicht, meine Gefühle änderten sich jedoch. Es tat nachts nicht mehr so weh, dass ich es fast nicht aushalten konnte. Durch den zeitlichen Abstand milderte sich meine Verzweiflung, vor allen Dingen natürlich auch durch die viele Arbeit, mit der mich meine Großmutter noch immer eindeckte. Tagsüber dachte ich manchmal schon kaum noch an ihn. Höchstens, wenn ich an Orten vorbeikam, an denen ich mit ihm zu tun hatte. Aber sonst rückte er ein wenig in den Hintergrund. Nachts war das jedoch anders. In meinen Träumen blickten mich seine braunen Augen liebevoll an, und er streichelte mich zärtlich, wie er es an jenem Sommertag getan hatte. Immer wieder flüsterte er „Emma“, und wenn ich dann aufwachte, merkte ich, dass mir Tränen über das Gesicht liefen.
Auch für meine Großmutter schien er langsam aber sicher in Vergessenheit zu geraten. Hatte sie mich anfangs noch lange mit ihrem besorgten Blick angesehen, so verschwand mit dem Aufziehen des Herbstes auch diese Sorge um ihre Enkeltochter. Jedenfalls glaubte ich das. Manchmal sagte sie gedankenverloren zwar ab und zu „Wenn doch John noch hier wäre“, wenn irgendetwas Handwerkliches erledigt werden musste, aber sie suchte dann schnell eine andere Lösung, pragmatisch wie sie nun einmal war.
Ich mag den Herbst noch heute nicht, denn er läutet einerseits den langsamen Tod des Sommers ein und ist andererseits der Verkünder des Winters, der selbst in Cornwall manchmal hart und kalt sein konnte. Zwar sahen wir hier nur selten Schnee, aber die eiskalten Winde und der viele Regen taten ihr Übriges, um mich in tiefe Traurigkeit zu stürzen.
Meine Großmutter wusste davon und versuchte, mir zu helfen, indem sie mir fast alle Erledigungen im Dorf überließ. Und so kam es, dass ich oft dick verpackt in Mantel, Mütze, Muff und meinem Regenschirm auf dem Weg ins Dorf war.
Die Besuche im Herrenhaus mochte ich am liebsten. Zwar gab mir die Hausdame Mrs Sayer immer das Gefühl, ein Gossenmädchen zu sein, das ihr vornehmes Haus mit seiner Anwesenheit beschmutzte, aber das ignorierte ich einfach. Es gab dort so vieles zu sehen, wenn ich in der Halle wartete. Und manchmal ließ mich die alte Gräfin sogar zu sich rufen, denn sie kannte meine Großmutter bereits ihr ganzes Leben lang, die ihr viele Male hatte helfen können. Sie bot mir dann immer eine Tasse Tee an und bat mich, ihr von Großmutter zu erzählen und richtete dann jedes Mal herzliche Grüße an sie aus.
An solchen Tagen fühlte ich mich fast wie eine Prinzessin, wenn ich zurück ins Moor ging.
Und eines Tages, der Wind peitschte besonders stark durch das Dorf und ich war von oben bis unten nass geworden, hatte ich meine erste Begegnung mit Cecil. Wie fast immer wartete ich in der Halle auf Mrs Sayer, die das Geld für die Arznei meiner Großmutter von der Gräfin holte. Ich weiß noch genau, dass mir das Haar nass am Kopf klebte, und ich bestimmt kein attraktiver Anblick war.
Plötzlich stürzte ein junger Mann, er musste so ungefähr in meinem Alter sein, die Treppe herunter und landete fast vor meinen Füßen auf dem Boden. Entsetzt verfolgte ich diesen Anblick, denn ich sah uns schon beide du