Prolog
Ein Jahr vorher auf Ekaterinas Geburtstagsparty
Luca
„Die Party ist scheiße!“ Ich knalle Giulio meine Karten vor die Nase. Sein geliebter Aston Martin gehört jetzt mir.
„Es gibt Alkohol in rauen Mengen, und ich bin mir sicher, dass Niall mehr Drogen dabeihat, als wir alle an einem Wochenende konsumieren können. Was ist also dein verdammtes Problem?“ Er schiebt widerwillig die Autoschlüssel rüber, die ich sofort in meiner Hosentasche verstaue.
„Du meinst, Niall hat mehr Drogen dabei, als man konsumierensollte – das ist ein Unterschied.“ Giulio nimmt ja nie was. Das bisschen Gras, oder mal eine kleine Nase, zähle ich gar nicht. Also habe ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht, die Partys für ihn mitzufeiern. Einer muss es ja tun. „Und was hier fehlt, sind eindeutig fickbare Muschis.“
„Das hier ist ein achtzehnter Geburtstag, Luca. Der achtzehnte Geburtstag meiner Verlobten. Da muss es keinefickbaren Muschis geben, und du wirst es wohl ein verdammtes Wochenende schaffen, deinen Schwanz in der Hose zu lassen.“
Wie er das immer sagt.Meine Verlobte – als wäre er ein aufgeblasener Gockel, weil er nach all den Jahren seinen Schwanz in die eine Muschi stecken kann, die ihm vorher immer verwehrt war und nach der er die ganze Schulzeit geschmachtet hat. Als wäre das eine Leistung, auf die man stolz sein kann. Als wäre es das Einzige, was noch von Belang ist. Er tut seit der Verlobung so, als würde uns ein ganzes Jahrzehnt trennen.
„Ich will hier keine Nutten und keine Bitches – kannst du das in deinem zugedröhnten Hirn nicht verarbeiten? Ich will einfach ein ruhiges Wochenende. So ruhig das eben mit euch Cretinos möglich ist.“
„Ja, ja. Schon verstanden. Keine Nutten. Tutto bene.“
„Gut.“ Er steht auf. „Es ist spät.“
Ich verdrehe die Augen. War doch klar, dass er das Wochenende nutzt, um seiner russischen Verräter-Nonne zwischen die Beine zu greifen, oder sich zumindest einen von ihr blasen zu lassen. Die Obernutte Mariella hat er seit Wochen nicht mehr angefasst, worüber ich wirklich dankbar bin, und Giulio ist einfach nicht der Typ, der regelmäßig Professionelle fickt. Dadurch, dass er das andere Russenopfer Natascha Iwanow aus ihrer Einzelhaft hergeholt hat und sie als die ultimative Geburtstagsüberraschung für Ekat missbraucht, stehen ihm heute Nacht vermutlich alle Türen bei ihr offen. Nur, dass er sie nicht ficken darf, weil sonst Giovanni Rizzo und unser Daddy alles daransetzen, die Verlobung zu lösen. „Viel Spaß beim Nichtficken.“ Er zieht ein säuerliches Gesicht, was mich zugegeben ein bisschen schadenfroh grinsen lässt. Sein Pech. Aber wenn ich hier schon nicht vögeln kann, braucht Giulio, dieser ewige Saubermann, es auch nicht zu tun.
Es ist schon ziemlich spät – oder früh –, je nachdem, wie man es sehen will, und die Party hat sich bereits nach und nach aufgelöst. Die Frauen liegen längst in ihren Betten, und nur der harte Kern ist noch versammelt und pokert. Da ich meinen höchsten Gewinn für diesen Abend aber bereits abgegriffen habe und auch ein bisschen hinüber bin, beschließe ich, ins Bett zu gehen.
Mein Zimmer ist eines der wenigen, das den Balkon nicht zum Pool und Meer, sondern nach vorne zum Grundstück ausgerichtet hat. Mich interessiert der Ausblick herzlich wenig. Ich trete in die laue Nachtluft, die hier draußen am Meer deutlich besser ist als in Manhattan. Ich atme tief durch, bis ich von irgendwo Zigarettenqualm in meine Nase bekomme. Ich rauche zwar und komme gerade von einer Party, auf der ich streckenmäßig wirklich ganz schön viel geraucht habe, aber genau jetzt will ich so ziemlich alles, nur eben keinen Rauch. Ich lehne mich über die Brüstung, schaue auf den Balkon unter mir und entdecke prompt die Quelle des Übels, deren lange rötlich-braune Haare mystisch im Mondlicht schimmern. Es gibt hier nur eine Familie, die solche Haare hat, und davon ist nur eine kein Pimmelträger.
Der kleine Callaghan-Kobold hat also das Zimmer u