3 Dumme Verwechslung
Einige Stunden später ist mein Ärger noch nicht verraucht, als ich mich mit dem Bus auf den Weg in den schmucken Vorort im Nordwesten der Stadt mache, in dem Edies Familie lebt. Warum hat sich heute alles und jeder gegen mich verschworen? Selbst die Fahrgäste scheinen mich zu meiden. Der Platz neben mir bleibt leer, was mich zunächst nicht sonderlich kratzt. Persönlich nehme ich es erst, als ein wirklich süßer Typ mich mit seinem Blick streift, aber dann dem Rentner vor mir den Vorzug gibt.
Nachdem ich ausgestiegen bin und der Bus schnaubend anfährt, muss ich mich erst einmal sammeln. Und orientieren. Nur ein einziges Mal habe ich Edie zuvor in ihr Elternhaus begleitet, um einige ihrer Habseligkeiten in unsere Wohnung zu übersiedeln.
Die grobe Richtung stimmt schon einmal. An das hier kann ich mich erinnern: Beiderseits der Straße säumen schier endlose Hecken die Grundstücke, teilweise schirmen dichte Blätterkronen die Sicht auf die vornehmen Häuser ab. Beinahe komme ich mir vor wie in einem Labyrinth und langsam fühle ich mich darin verloren. Jetzt nur nicht falsch abbiegen, sonst lande ich am Ende noch in Hogwarts oder so.
Lieber vertraue ich mich einer höheren, allwissenden Macht an: Google hat mich schließlich noch nie im Stich gelassen, wenn ich vom Weg abgekommen bin. Und auch diesmal lotst mich der Routenplaner zuverlässig zum gewünschten Ziel. Ich finde das Schlupfloch im Kirschlorbeer und folge der schmalen Gasse, die kaum genug Platz für einen Kleinwagen bietet, bis zu einem breiten, schmiedeeisernen Tor, dessen prunkvolle Verzierungen einen kleinen Vorgeschmack auf das dahinter liegende Anwesen bieten.
Auf der Zufahrt parkt ein Firmenbus mit der AufschriftLet's get Murry!, darunter prangt das Foto eines Reinigungstrupps, welches Männer und Frauen in gespielt sinnlichen Posen zeigt. Einer davon presst sich einen nassen Schwamm an die Brust. Ein anderer pustet über das Rohr eines Laubbläsers und sieht mit den verirrten Blättern in seinem Haar äußerst verwegen aus. Dass es sich dabei um eine Parodie auf Christina AguilerasDirrty handelt, ist mir nur deshalb bewusst, weil ich den dazugehörigen Clip und Firmensong kenne.
„Das ist ja so was von peinlich!“, hat Edie damals vor dem Laptop gejammert und dabei den Kopf in den Händen vergraben. „So was kann auch nur meinem Dad einfallen! Hör dir den Text an! Den hat meine Mum beigesteuert. Ich muss adoptiert sein. Ganz sicher stamme ich nicht von diesen Verrückten ab.“
Obwohl ich durchaus Mitleid mit meiner Freundin hatte, fand ich es einfach nur köstlich – wie viele andere auch.
„Sieh mal, der Beitrag hat schon fünfhundert Likes. Der geht durch die Decke, das sag ich dir!“, wies ich Edie tags darauf hin.
Der Song war ein Ohrwurm. Er ging mir nicht aus dem Kopf und so konnte ich auch nicht verhindern, dass mir der einprägsame Refrain immer wieder über die Lippen kam. Wie ein Zwang, de