- 22. April 1565, Ostern
Meine Fahrenszeit als Seemann begann bald nach meinem vierzehnten Geburtstag, nur wenige Tage nach dem Osterfest. Traditionell wurde seit Menschengedenken dieser wichtige Einschnitt im Lebenslauf eines Jungen in allen Warnemünder Familien mit großem Aufwand gefeiert. Besser als an die Feier erinnere ich mich jedoch an die vorausgegangenen langen und heftigen Streitereien, weil früher im Zusammenhang mit der Firmung der Beginn unseres Lebens als Erwachsene gefeiert wurde. Die in der alten katholischen Kirche übliche Firmung war aber nach den neuen Regeln des Herrn Doktor Martin Luther aus Wittenberg abgeschafft worden, und niemand wusste so recht, was anstelle dessen in unserer lutherischen Kirche mit den Mädchen und Jungen geschehen sollte.
Die Firmung war immer in einer besonderen Messe am Sonntag nach Ostern erfolgt. Der neue Warnemünder Pastor bestand aber darauf, dass es das Sakrament der Firmung nach der lutherischen Ordnung nicht mehr gäbe und schüttelte immer nur mit dem Kopf, wenn man ihn auf so etwas ansprach. Unsere Warnemünder Ältesten waren aber überzeugt, ohne einen ganz besonderen kirchlichen Segen sollten die jungen Menschen nicht in das selbständige Leben eintreten und schon gar nicht auf die großen und stets auch gefahrvollen Seereisen geschickt werden.
Die Lösung des Problems wusste schließlich ein gelehrter Herr von der Rostocker Universität. Er hatte erfahren, dass in anderen deutschen Landen eine evangelische Konfirmation gefeiert wurde, die nicht den Lehren des Doktor Martin Luther widersprach. Dazu mussten wir eine Zeitlang in der christlichen Heilslehre unterwiesen werden, und nach den Wochen des Unterrichts wurde geprüft, ob wir auch alles noch richtig wussten. Ich glaube, ich war bei dieser Prüfung einer der Besten, obwohl auch ich höchstens ein Viertel von all den vielen kirchlichen und biblischen Einzelheiten behalten hatte. Trotzdem haben alle bestanden, denn am Ende genügte es, wenn wir auf die Frage, ob wir an den Herrn Jesus Christus als unseren Erlöser von allem Bösen glaubten, mit einem kräftigen „Ja“ antworteten. Dann wurde uns im Gottesdienst am Sonntag vor Ostern, am Palmsonntag, als Segen und zur Vergebung unserer Sünden vom Pastor die Hand aufgelegt, und wir erhielten zum ersten Mal Brot und auch Wein des heiligen Abendmahles.
Groß feiern durften wir am Palmsonntag selbstverständlich noch nicht, denn es war doch der Beginn der stillen Karwoche. So gab es die große Konfirmationsfeier erst nach dem Gottesdienst des Osterfestes. Und dagegen, dass dann genauso gefeiert wurde wie früher bei der Firmung, dagegen hatte der Herr Doktor Luther schließlich nichts gehabt. Alle Verwandten und guten Freunde der Familie waren zur Feier eingeladen – das waren bei uns schon fast vierzig Personen.
Damit tauchte aber schon das nächste Problem auf, denn wir waren in unserem Jahrgang in Warnemünde neunzehn Konfirmanden, acht Mädchen und elf Jungen. In manchen Familien gab es etwas weniger, in anderen aber auch noch mehr Gäste als bei uns, so dass an diesem Tag fast alle Warnemünder irgendwo eine Konfirmation feierten. Manche waren auch bei zwei, drei oder sogar vier Familien eingeladen. Die mussten ihre Beteiligungen dann sorgfältig auf die verschiedenen Mahlzeiten in den unterschiedlichen Häusern verteilen, denn so eine Einladung konnte man selbstverständlich nicht ausschlagen. Das wäre als sehr unf