: Horst Dietrich Schulz
: Gespensterwald Phantastische Geschichten aus Mecklenburg-Vorpommern
: Spica Verlag
: 9783985030934
: 1
: CHF 19.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 426
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Land mit einer Geschichte, die aus den Sagen einer grauen Vorzeit bis zu uns reicht. in den Erzählungen dieses Buches werden wirkliche und phantastische Gestalten wieder lebendig: Götter und Menschen der Hügelgräber, Slawen und Sachsen beim Kampf der alten Götter gegen das Christentum, der Teufel, der lieber Luzifer genannt werden möchte, und auch der Nöck, seine Nixen sowie Geister des Wassers, des Waldes und der Luft. Immer wieder wird von der anderen, der besseren Welt berichtet, wo der Greif, das Einhorn und auch wunderschöne Elfen leben...

Horst D. Schulz wurde 1942 in Warnemünde geboren und verlebte hier seine Kindheit, bis ihn im Sommer 1954 die Republikflucht der Familie in den Westen Deutschlands führte. Stuttgart, Aachen, Berlin, Kiel, Bremen waren nun die Stationen seines Lebens. Von 1986 bis zu seiner Pensionierung 2007 leitete er als Professor das Fachgebiet Geochemie und Hydrogeologie an der Universität Bremen. Als Meeresforscher war er bei vielen Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor im Südatlantik unterwegs. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in einer Vielzahl wissenschaftlicher Beiträge in Fachzeitschriften und im Lehrbuch »Marine Geochemistry« (Springer-Verlag). Bereits 2004 zog es ihn jedoch in die alte Heimat, und er lebt heute nach fünfzig Jahren arbeitsreichen Exils seit fünfzehn Jahren als schreibender Pensionär mit historischem Engagement wieder in Warnemünde.
  1. Gespensterwald

Gespenster, Elfen und Zwerge

An zwei oder drei Stellen gibt es in Mecklenburg dunkle Wälder, über die in Märchen und Sagen als Aufenthaltsort der unterschiedlichsten Gespenstern berichtet wird, und meist rechnet man dabei die Elfen und die Zwerge ebenfalls zu den Gespenstern. Der bekannteste Gespensterwald ist der an der Ostseeküste nur wenig westlich der kleinen Ortschaft Nienhagen. Tagsüber ist das ein fast normaler Buchenwald an der Steilküste, und bei schönem Wetter freuen sich viele Spaziergänger an den vom Seewind oft seltsam geformten Bäumen. Gespensterwald, so sagt man, werde dieser Wald eben wegen seiner so besonders gewachsenen Bäume genannt.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn merkwürdig gewachsene Bäume gibt es in fast allen Wäldern, aber Gespenster eben nicht. So werden aus dem Gespensterwald auch schon seit langer Zeit allerlei äußerst merkwürdige Ereignisse berichtet, in denen Zwerge und Elfen von verschiedenen und durchaus vertrauenswürdigen Zeugen beobachtet wurden. In ganz unterschiedlichen Fällen aus verschiedenen Zeiten wurden dabei von Menschen, die nichts voneinander wissen konnten, jeweils unabhängig Elfen und Zwerge ganz ähnlich beschrieben.

Auch tauchen immer wieder Berichte auf, in denen jemand in einem solchen Wald plötzlich einem Menschen begegnete, der schon seit langer Zeit verschollen und vermutlich auf See geblieben war. Oft erschien der Verschollene dann nach mehreren Jahrzehnten jung geblieben und in genau demselben Alter, in dem er damals verschwunden war. Da sich diese Begegnungen meist bei Nacht und Nebel ereigneten, wurden solche Wiedergänger als Gespenster immer gefürchtet und auch gehasst.

Besonders oft wird von Begegnungen mit Zwergen berichtet, wobei diese Wesen nicht nur als kleine Menschen, sondern stets mit gedrungenem Körperbau, charakteristischer Kleidung und ganz bestimmten Verhaltensweisen beschrieben werden. Häufig sind sie wortkarg und mürrisch, manchmal jedoch auch freundlich und hilfsbereit. Immer haben sie die Fähigkeit, sich mit Hilfe einer besonderen Kopfbedeckung unsichtbar zu manchen, und in machen Fällen nutzten sie die Unsichtbarkeit wohl auch für Streiche und kleinere Diebereien. Grundsätzlich sind sie jedoch nicht boshaft, sondern sie reagieren nur verärgert und streitbar, wenn man sie belauert oder ihnen gar nachstellt.

Ein besonders gewitzter Bauernsohn hatte einmal zufällig im Wald beobachtet, wie sich Zwerge aus ihrer Wohnhöhle die unsichtbar machenden Kappen heraus zuwerfen ließen. Schnell ging er hin und erhielt so auch eine Tarnkappe der Zwerge. Als er die aufsetzte, da wurde er nicht nur selber unsichtbar, sondern er konnte nun auch die unsichtbaren Zwerge sehen und ihnen deshalb ganz einfach folgen und sie ausspionieren. Nach einiger Zeit merkten dies die Zwerge aber trotzdem, nahmen ihm die Mütze wieder weg und verpassten ihm derartige Prügel, dass er einige Tage das Bett hüten musste und sich nie wieder in den Gespensterwald traute.

Deutlich seltener wird von Begegnungen mit Elfen berichtet. Alle Menschen, die einmal einer Elfe begegneten, beschreiben sie als besonders zarte Frauengestalt von überirdischer Schönheit, die von schwachem und unwirklichem Licht umgeben mehr durch den Wald schwebt als geht. Immer wenn jemand versuchte eine Elfe anzusprechen, dann wandte sie sich langsam dem Betreffenden zu, sah ihn lange ernst aus tiefblauen Augen an, wurde dann erst durchscheinend, bevor sie ganz verschwand.

Dennoch hat es Menschen gegeben, die längere Zeit mit Elfen und Zwergen in engem Kontakt standen, ja sogar über viele Jahre mit ihnen zusammenlebten. In jüngerer Zeit ist hier die äußerst merkwürdige Geschichte von Klaus Stolten beka