: Horst D. Schulz
: Die Könige von Mecklenburg 1. Band: Die Obotriten , ein historischer Roman aus der Zeit 750-840
: Spica Verlag
: 9783985030941
: 1
: CHF 17.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 472
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Etwas ist von Mecklenburgs Königen bis heute erhalten geblieben: Der Stierkopf im Wappen des Landesträgt immer noch stolz seine Königskrone, obwohl die wendischen Herrscher vom Volk der Obotriten ihren Rang als Könige schon vor mehr als 800Jahren verloren haben. In drei Teilen mit den Untertiteln 1. Obotriten, 2. Mikelenburg und 3. Wendenkreuzzug wird das Leben der Könige von Mecklenburg ganz eng an den bekannten Fakten in einer spannenden Handlung erzählt. Dieser erste Band des historischen Romans mit dem Untertitel Obotriten befasst sich mit den vier herrschern Witzan, Drasco, Sclaomir und Ceadrag im Zeitraum zwischen 750 und 840 nach Chr.

Horst D. Schulz wurde 1942 in Warnemünde geboren und verlebte hier seine Kindheit, bis ihn im Sommer 1954 die Republikflucht der Familie in den Westen Deutschlands führte. Stuttgart, Aachen, Berlin, Kiel, Bremen waren nun die Stationen seines Lebens. Von 1986 bis zu seiner Pensionierung 2007 leitete er als Professor das Fachgebiet Geochemie und Hydrogeologie an der Universität Bremen. Als Meeresforscher war er bei vielen Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor im Südatlantik unterwegs. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in einer Vielzahl wissenschaftlicher Beiträge in Fachzeitschriften und im Lehrbuch »Marine Geochemistry« (Springer-Verlag). Bereits 2004 zog es ihn jedoch in die alte Heimat, und er lebt heute nach fünfzig Jahren arbeitsreichen Exils seit fünfzehn Jahren als schreibender Pensionär mit historischem Engagement wieder in Warnemünde.

„Die Wilzen! Die Wilzen kommen!“

Laut und aufgeregt rufend lief der Wächter durch die kleine, nur aus etwa einem Dutzend niedriger Holzhäuser bestehende Ansiedlung. Alle, die ihn hörten, wussten sofort, was das bedeutete. Hier im Grenzgebiet zum kriegerischen Volk der Wilzen war dieser Ruf immer die Ankündigung höchster Gefahr, er verlangte sofortiges Handeln, und jeder wusste, was als Nötigstes zu tun war. Die wehrfähigen Männer ergriffen ihre Waffen, die Frauen und alten Leute sorgten dafür, dass alle Kinder beisammen waren und man sich gemeinsam so schnell wie möglich in der kleinen, unmittelbar neben der Siedlung gebauten Fluchtburg in Sicherheit brachte. Das war oft geübt worden, denn hier im Grenzgebiet zu den Wilzen musste man in den Siedlungen der Obotriten immer mit einem Überfall rechnen.

Die Burg befand sich auf einer kleinen Halbinsel im See und war daher nur landseitig durch einen etwa zwölf Fuß hohen und halbrunden Erdwall mit vorgelagertem Graben geschützt. Wie die meisten Burgen in diesem Land lag sie unauffällig im flachen Land an einem Gewässer und gut versteckt im dichten Urwald. Oben auf dem Erdwall stand eine noch einmal zwölf Fuß hohe Palisade, die nach innen durch eine bis etwa zur halben Höhe reichende und mit Pfosten gesicherte Erdaufschüttung befestigt war. Darauf stehend konnten die Verteidiger, selber gut geschützt, mit ihren Pfeilen jeden Angreifer erreichen. Zur weniger gefährdeten Wasserseite war nur eine nicht ganz so hohe Palisade mit einem Laufweg und Schießscharten für die Verteidiger angelegt. In der Burg stand das Wohnhaus des Burgherren Ritter Swatoslaw und seiner Familie, zwei Vorratshäuser mit Waffen und reichlich eingelagerten Nahrungsmitteln, ein paar Stallungen für kleineres Vieh, sowie vier weitere Häuser, in denen für die begrenzte Zeit einer Belagerung alle Bewohner der kleinen Siedlung unterkommen konnten.

Durch das geöffnete schmale Tor, das Wall und Graben etwa in der Mitte unterbrach und von zwei mächtigen Holztürmen flankiert war, hasteten gerade die letzten Flüchtenden herein. Das Tor wurde geschlossen, und jetzt galt es erst einmal herauszufinden, wie viele Feinde es denn überhaupt waren und wann ein Angriff zu erwarten war. Ritter Swatoslaw, ein kräftiger Graubart, dem man den erfahrenen Kämpfer ansah, stand auf einem der Türme neben dem Tor. Bei ihm befanden sich zwei Bogenschützen und der als Letzter durch das Tor hereingelaufene Wächter. Alle anderen wehrfähigen Männer hatten ihre vorher festgelegten Plätze hinter den Palisaden eingenommen. Swatoslaw wollte von dem Wächter gerne mehr über die Angreifer erfahren.

„Von hier oben kann man niemanden erkennen. Bist du sicher, dass du dich nicht geirrt hast? Wo hast du sie denn gesehen?“

„Ich war ja in meinem Versteck dort drüben im Wald, von wo aus ich alle Wege hierher gut übersehen kann. Sie kamen auf dem nördlichen Waldweg, und die ersten waren schon fast dort, wo der nördliche Weg mit dem südlichen sich zum Weg durch unseren Wald vereinigt. Sie werden meine lauten Rufe gehört haben und sich erst einmal dort hinter dem Waldrand versteckt halten.“

„Und wie viele sind es, was meinst du?“

„Mindestens hundert habe ich gesehen, aber es können auch leicht doppelt so viele sein. Ich habe dann nicht weiter gezählt und bin nur sofort gelaufen, so wie es mir ja befohlen ist.“

„Ja, ja, du hast alles richtig gemacht. Bin gespannt, was sie vorhaben. Dass sie uns nicht mehr überraschen können, das werden sie ja wohl gemerkt haben. Bleibt jetzt hier oben und haltet weiter gut Ausschau, ich will inzwischen nachsehen, ob in der Burg alles so ist, wie wir es geübt haben.“

Bei seinem kurzen Rundgang stellte Swatoslaw fest, dass inzwischen die notwendigen Vor*bereitungen zur Verteidigung der Burg getroffen und alle Posten besetzt waren. Er ging daher auch in die Häuser