: Horst D. Schulz
: Die Könige von Mecklenburg 3. Band: Wendenkreuzzug, ein historischer Roman aus der Zeit 1035-1178
: Spica Verlag
: 9783985030965
: Die Könige von Mecklenburg / Obotriten
: 1
: CHF 17.50
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: Erzählende Literatur
: German
: 476
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Etwas ist von Mecklenburgs Königen bis heute erhalten geblieben: der mächtige Stierkopf im Wappen des Landes trägt immer noch stolz die goldene Königskrone, obwohl die wendischen Herrscher vom alten Volk der Obotriten ihren Rang als Könige schon vor mehr als achthundert Jahren verloren haben. In drei einzelnen Teilen mit den Untertiteln 1. Obotriten, 2. Miklenburg und 3.Wendenkreuzzug wird das Leben der Könige von Mecklenburg ganz eng an den wenigen überlieferten Fakten in einer spannenden Handlung erzählt. Dieser dritte Band des historischen Romans mit dem Untertitel Wendenkreuzzug befasst sich mit den letzten Herrschern Kruto, Heinrichvon Alt-Lübeck, Niklot und Pribislaw im Zeitraum 1035 und 1178.

Horst D. Schulz wurde 1942 in Warnemünde geboren und verlebte hier seine Kindheit, bis ihn im Sommer 1954 die Republikflucht der Familie in den Westen Deutschlands führte. Stuttgart, Aachen, Berlin, Kiel, Bremen waren nun die Stationen seines Lebens. Von 1986 bis zu seiner Pensionierung 2007 leitete er als Professor das Fachgebiet Geochemie und Hydrogeologie an der Universität Bremen. Als Meeresforscher war er bei vielen Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor im Südatlantik unterwegs. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in einer Vielzahl wissenschaftlicher Beiträge in Fachzeitschriften und im Lehrbuch »Marine Geochemistry« (Springer-Verlag). Bereits 2004 zog es ihn jedoch in die alte Heimat, und er lebt heute nach fünfzig Jahren arbeitsreichen Exils seit fünfzehn Jahren als schreibender Pensionär mit historischem Engagement wieder in Warnemünde.
  1. Heinrich von Alt-Lübeck

(König der Obotriten. Geboren etwa 1060, gestorben 1127)

Lag es an der von Heinrich in die Runde gebrüllten Mitteilung, oder hatten Krutos Ritter doch gehörigen Respekt vor der Kraft, dem Geschick und der Erfahrung der Huscarls? Jedenfalls griff niemand zum Schwert, es trat sofort gespannte Ruhe ein, alle Augen richteten sich auf Vlad, und die Anwesenden warteten auf seine Aussage. Aber Vlad fühlte sich in dieser Situation äußerst unwohl und blickte nur stumm und betreten nach unten. Da er nichts sagen wollte, kam die entsprechende Bestätigung wenige Sekunden später von Slavina.

„Ja, Vater, gib es nur zu, was Kruto gemeinsam mit dir geplant hatte. Ist es etwa nicht wahr, dass ihr den beiden Wikingern Thorolf und Thorstein aus der Stadt Julin viel, viel Silber versprochen habt für den Mord an Heinrich? Ihr wart dabei aber zum Glück nicht vorsichtig genug und habt diese Pläne ganz in meiner Nähe besprochen. Ich konnte und wollte auf keinen Fall diesen hinterhältigen Vertragsbruch und feigen Mordanschlag dulden und ließ Heinrich eine entsprechende Nachricht zukommen. Als Folge erhieltet ihr die beiden Köpfe der gedungenen Mörder zugeschickt.“

Bereits nach dem ersten Satz hatte Vlad seine Tochter entsetzt angesehen.

„Du hast uns beide, deinen Ehemann, den König und mich, deinen Vater verraten! Ich werde…“

Vlad sprach nicht weiter. Hatte er gemerkt, dass er mit seinen Worten Heinrichs Aussage bestätigt hatte? Vielleicht war ihm auch deutlich geworden, dass er hier nicht in der Position war, irgendetwas anzudrohen. Oder er war beeindruckt von dem ganz ungewohnten Bild, das seine „kleine“ Tochter hier bot, denn sie stand wie eine leibhaftige Kriegsgöttin neben ihrem toten Gemahl. Ihre Wangen waren in der Aufregung gerötet, und ihren Vater blitzte sie aus ihren hellblauen Augen zornig an. Die ihrem toten Ehemann zugewandte Seite ihres festlichen hellen Gewands war über und über mit Blut bespritzt, und der Anblick des neben ihr sitzenden toten Kruto verstärkte noch die Wirkung. Er war nämlich im prächtigen Stuhl mit hoher Lehne einfach nur wie schlafend zurückgesunken. Die blutige Skeggox war aus dem tief gespaltenen Schädel in seinen Schoß gefallen, und Kruto starrte mit weit offenen blicklosen Augen zur Decke des hohen Raumes.

Auch Heinrich wandte sich nun direkt an Vlad.

„Mit dem, was du Verrat nennst, hat mir deine Tochter das Leben gerettet. Jedoch nicht aus Dankbarkeit, sondern weil ich diese wunderbare bezaubernde Königin aus tiefstem Herzen liebe, werde ich sie schon sehr bald heiraten. Aber du, Vlad, du solltest ihr ebenfalls dankbar sein, denn selbstverständlich muss mein zukünftiger Schwiegervater keine Rache für seine Beteiligung am Mordanschlag gegen mich befürchten.“

Vlad sagte jetzt nichts mehr. Er hatte begriffen, dass jedes nicht ganz angemessene Wort von seiner Seite in der sehr angespannten Lage schlimme Folgen haben könnte. Auch alle anderen Ritter aus Krutos Begleitung zogen es vor, sich in der gegebenen Situation still zurückzuhalten. So wandte sich Heinrich nach einer Weile an alle obotritischen Ritter mit einem guten Angebot.

„Ihr habt eurem bisherigen König Kruto treu gedient. Das respektiere ich, und ich weiß, ihr wart weder am Vertragsbruch noch am Mordanschlag gegen mich beteiligt. Aber euer König Kruto ist tot, und ihr seid damit vom Treueid entbunden, den ihr ihm geleistet habt. Ich bin jetzt euer rechtmäßiger König, und ich gebe euch die Möglichkeit, mir morgen den Treueid zu leisten. Heute soll nichts mehr geschehen, außer dass wir gemeinsam den alten König Kruto zu Grabe tragen.“

Slavina war über dieses Vorhaben etwas überrascht.

„Du willst, dass wir ihn ehrenvoll zu Grabe tragen?“

„Ja, Königin Slavina, denn ich führe Krieg nur gegen Lebende nicht gegen Tote. Über die guten oder bösen Taten des toten Königs Kruto sollen der Herr Jesus Christus und Gottvater im Himmel urteile