Leonie hing nur noch mit den Fingerspitzen an der Felswand und drohte jeden Moment abzustürzen. Panik machte sich in ihrem Gesicht breit, Schweißperlen liefen ihr an den Schläfen entlang.
Sie schaute zu mir hoch und rief mit verzweifelter Stimme:
„Aaaalfons, Hiiilffe! Ich stürze ab!“
Ich war fast da. Der Abgrund machte mir keine Angst! Mir doch nicht. Mit all meiner Kraft, die mir mein blau-goldener Superheldenanzug gab, zog ich Leonie mit beiden Händen nach oben. Fast mühelos.
Sie strahlte mich an: „O Alfons! Du hast mich gerettet! Ich werde dir ewig dankbar sein!“
„Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“, erklärte ich ihr stolz.
Auf einmal rief Leonie erneut: „ALFONS!“
Aber warte mal? Was war das? Wieso klang sie auf einmal so komisch? Das war doch nicht Leonie, die da brüllte.
„AAAAALFOOOONS!“
Mit einem Ruck saß ich senkrecht in meinem Bett. Vor mir stand mein Stiefvater Jack.
„Hast du deinen Wecker nicht gestellt?“, fragte er mich verärgert und machte sich sofort an meinem Rollo zu schaffen. Die Morgensonne erhellte mein Zimmer.
„Was?“, stammelte ich verschlafen. „Doch … natürlich …“
Ich griff nach meinem Handy, das auf dem Nachttisch lag. Doch es war mausetot. Ein weiterer Blick auf das herumbaumelnde Ladekabel machte mir auch sofort klar, warum.
„O Mist! Die Klassenfahrt!“
Mit einem Mal war ich hellwach und sprang aus dem Bett.
Da kam auch noch meine Mutter Louise hektisch ins Zimmer gerannt:
„Alfons! Jack! Los! Wir müssen los! Die Klassenfahrt! Unser Urlaub!“
Jack versuchte, sie zu beruhigen: „Wir schaffen es! Hurry up, my son!“
In Gedanken war ich noch für einen kurzen Moment in meinem Traum. Meine Träume sind heute ganz anders als früher, das ist echt krass. Vor langer Zeit, als ich noch ein Kind war, also vor ungefähr zwei Jahren, träumte ich jede Nacht davon, als Astronaut im Weltall zu arbeiten. Leider hatte ich dabei auch nicht weniger Pech als sonst im Leben. Wie damals, als ich so ziemlich alle Fahrräder, die ordentlich vor der Schule in einer