: Eve McDonnell
: Die Brücke nach Morgen Eine magische Zeitreise in das London des 19. Jahrhunderts ab 10 Jahren
: KARIBU
: 9783961292585
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 352
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es ist der 6. Januar 1928, der Tag vor der historischen großen Flut von Indington. Während ein heftiges Unwetter die Stadt fest im Griff hat, steht der Fluss kurz davor, über die Ufer zu treten und alles zu überfluten. Glory, eine 11-jährige Waise arbeitet in der angesehenen Juwelierwerkstatt und fertigt mit ihrer geheimen Assistentin Krähe, genannt Elster, atemberaubende Schmuckstücke an. Genau in diesem Szenario begegnet Glory dem Jungen Needle, der scheinbar aus einer anderen Zeit über die Stadtbrücke hierher gelangt ist. Er will versuchen, zusammen mit seiner Krähe die Stadtbewohner zu warnen und das Leben vierzehn unschuldiger Menschen zu retten - darunter Glory! Wird es den beiden gelingen, das Unglück zu verhindern, Needles Vater zu finden und die Geschichte neu zu schreiben? 

Eve McDonnell, wuchs in Dublin, Irland auf, bevor sie zusammen mit ihrer Familie in die wunderschöne Landschaft von Wexford zog. Sie arbeitete als Künstlerin, Grafikdesignerin und im Marketing, bevor nach dem Besuch bei einer Wahrsagerin, die ihr sagte sie solle 'Schreiben! Schreiben! Schreiben!' begann, Kinderbücher zu schreiben. Wenn sie sich nicht gerade eine neue Geschichte ausdenkt, gibt sie kreative Schreib- und Bastelworkshops und malt alles, was ihr in den Sinn kommt.

Kapitel 2


Needle leerte den Inhalt des Stoffbeutels auf eine Werkbank. Mit einer Pinzette schob er die heißen Metallteile hin und her, bis die scharfen Kanten sich zusammenfügten und ein unvollständiges Rechteck Form annahm.

»Du bist eins von diesen besonderen Schildern –Gedenktafel nennt man dich wohl«, sagte Needle. »Bloß dass dir unten ’ne Ecke fehlt.« Er nahm eine alte Haarnadel, die schon vor langer Zeit angespült worden war und keine besondere Geschichte zu erzählen hatte, und kratzte die letzten Schlammreste von den Buchstaben auf der Tafel.

»Wo bleibst du so lange?«, fragte er, als kurz darauf Elster durch ihre eigene kleine Mauerlücke geflogen kam. »Ich glaub, die Schatzgötter haben’s heute gut mit uns gemeint, Elster.«

Der Vogel sah ihn reglos an.

»Woran soll’s denn sonst gelegen haben? Das is’ die einzige Erklärung für diesen heißen Schatz, und für all die anderen feinen Schätze in unserer Kammer«, sagte Needle und schwenkte die Hand über Blechdosen und Holzkästchen voller Metallstücke, verzierter Knöpfe und handbemalter Porzellanscherben. Er deutete mit dem Kopf auf Gläser, die mit Überresten alten Schmucks, funkelndem Meerglas und anderen geheimnisvollen Gegenständen gefüllt waren, denen er erst noch Namen geben musste.

Natürlich waren das nicht alles Needles Funde – sein Vater hatte den Raum hergerichtet, damit siebeide ihre Schätze darin lagern konnten. Er hatte die leere Kammer über dem zweiten Brückenbogen in eine Werkstatt verwandelt, ausgestattet mit Regalen, einer Werkbank und einem Nest für Elster: einem dicken Regalbrett mit eingeschnitzter Kuhle, die mit angespülter Angelschnur und Zweigen gefüllt war. In dieser Kammer hatte er Needle beigebracht, wie man die Geschichten der Schätze hörte, und hier verwandelten sie gemeinsam längst vergessene Dinge in kleine Kostbarkeiten, um sie auf dem Markt zu verkaufen.

Elster ließ einen Scone aus dem Schnabel fallen und tschilpte wie ein junger Spatz.

»Bist du in der Bäckerei gewesen? Haben sie etwa Steine geworfen?« Besorgt ließ Needle die Haarnadel fallen, untersuchte die Flügel der Krähe auf Unversehrtheit und zählte ihre Krallen. Als Elster anfing zu schnurren, bekam er plötzlich Hunger und griff nach dem Scone. »Danke.« Seltsamerweise war er noch ganz warm, wie frisch aus dem Ofen, doch sicherheitshalber suchte Needle ihn nach grünem Schimmel ab. Erst als nirgends welcher zu sehen war, biss er hinein. Kaum sanken seine Zähne in die mürb-goldene Kruste, offenbarte sich seine fluffig-süße Köstlichkeit.

Als Needle aufgegessen hatte, sah er Elster fragend an. »Woher hast du den?« Einer von den Bäckerburschen hatte ihn wohl kaum gebacken.

Elster breitete die Flügel aus und fächelte ihm warme Luft zu.

Ohne sie weiter zu beachten, pustete Needle ein paar Krümel von den bronzenen Bruchstücken. »Was meinst du, was da steht, Elster?«, fragte er und spürte ein zunehmendes Schaudern. »Wo man den Königsschatz findet? Oder es ist vielleicht eins von diesen Zaubertrankrezepten?«

Elster krächzte.

»Vielleicht sagen die Buchstaben auch, dass du die beste Krähe der ganzen Stadt bist.« Er legte Elster sanft die Flügel an und nahm sie in die Hände. »Ich