: Thomas Fitzner
: Mallorca, vorläufig für immer
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154295
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 318
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Oskar hat alles: Mit einer Traumfrau lebt er im Ferienparadies Mallorca. Doch bald bröckelt die Idylle: Das 'romantische Landleben' erweist sich als Sackgasse, der wohlhabende Ex der Gefährtin entdeckt eine mittelalterliche Wunderwaffe gegen seinen Widersacher und einige sonderbare Mallorca-Deutsche veranstalten eine Zerreißprobe mit Oskars Nervenkostüm. Unerwartet kommt Beistand von einer kühlen Insulanerin ...

Thomas Fitzner, geb. 1960, ist ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Er lebte in Mexiko, arbeitete als Reporter im Zweiten Golfkrig und war als Offizier für mehrere UN-Missionen in Nahost und Nordafrika tätig. Später arbeitete er hauptsächlich als Werbetexter und Übersetzer. Über viele Jahre hinweg schrieb er auch Artikel und Kolumnen in der Mallorca Zeitung. Sein erster Roman wurde 1998 veröffentlicht. Fitzner ist mit einer Spanierin verheiratet und lebt heute in einem kleinen Dorf auf Mallorca.

1.


Oskar kehrt nach Mallorca zurück und kriegt keinen Kuss


Madeleine Zarfou schrie: „Rechts!“

Oskar Tschann, einundvierzig Jahre alt, international tätiger Fotoreporter, stieg auf die Bremse. Der Geländewagen kam mit einem Ruck zum Stehen. Sie standen mitten in einem Kiefernwald in den Bergen der mallorquinischen Tramuntana. Oskar trommelte aufs Lenkrad des Geländewagens und pfiff durch die Zähne.

„Ich meinte links“, sagte Frau Zarfou und nestelte an ihrem Papier herum. Sie war ungefähr in Oskars Alter, schwieg aber hartnäckig über ihren Jahrgang. Sie trug einen glänzenden grünen Hosenanzug und sah damit aus, als sei sie gerade dem Melassebecken einer Bonbonfabrik entstiegen. An ihren Ohren hingen Seepferdchen und an ihren schlanken Händen klimperten Bernstein-Goldreifen. Ihre Armbanduhr war supermodern und machte alle fünf Minuten dideldidü und Frau Zarfou versuchte sie umzuprogrammieren, doch das einzige, was sich dabei veränderte, war die Dideldidü-Tonhöhe.

„Sie halten den Plan verkehrtrum“, knurrte Oskar.

„Moment mal. Doch rechts.“

Oskar holte tief Luft. „Madeleine ...“

„Fahren wir geradeaus weiter und sehen, wohin’s da geht“, schlug Frau Zarfou vor, faltete das Papier zusammen und blickte erwartungsfroh nach vorne, wo außer ein paar Meter Feldweg aufgrund der Dunkelheit absolut nichts zu sehen war.

„Werfen Sie das nicht weg“, sagte Oskar und deutete auf das Papier. „Damit kann die Polizei später unseren Tod rekonstruieren.“

„Ihre Helene ist keine begnadete Planzeichnerin“, bemerkte Frau Zarfou. „Was ist? Wollen wir weiterfahren?“

„Nein, wollen wir nicht“, maulte Oskar. „Wir warten hier, bis jemand vorbeikommt. Wenn das wirklich der Weg zu Alfred Schnabels Supervilla und Superfiesta ist, dann müssen hier schicke Geländewagen vorbeibrausen. Warten wir auf einen. Ich war noch nie der letzte Gast auf einem Fest.“

„Und wenn keiner vorbeibraust?“

„Dann wissen wir, dass wir uns verfahren haben. Dann müssen wir wieder zurück.“

„Und wo ist zurück?“

Oskar machte eine Handbewegung, die alle Himmelsrichtungen abdeckte. „Na dort irgendwo.“

Stille sank auf die beiden herab. Dann sagte Frau Zarfou: „Jetzt sind Sie wieder mal sauer auf mich. Dabei kann ich nichts dafür, wenn Ihre Lebensgefährtin sich am Tag Ihrer Ankunft aus dem Staub macht, nur weil irgendwo in der Tramuntana eine Party ...“

„Bitte“, flehte Oskar.

Frau Zarfou verstummte.

Das Problem war, dass sie Recht hatte. Oskar musste sich eingestehen, dass sein ganzes Leben an einem Punkt angelangt war, der auf gespenstische Weise diesem Moment entsprach: Er wusste nicht mehr weiter.

Eigentlich sollte Oskar Tschann der glücklichste Mensch der Welt sein. Vor einem Jahr hatte ihn der Zufall nicht nur auf die schönste Insel der Welt verschlagen, sondern ihn auch mit der schönsten Frau der Welt zusammengebracht. Gemeinsam bewohnten sie eine Finca auf dem Lande und lebten genau das Leben, von dem fünf komma neun Milliarden Menschen nur träumen können.

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