: Thomas Fitzner
: Die Mallorca Therapie
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962154271
: 1
: CHF 4.50
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 410
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Niemand ahnt, dass Deutschlands Starpsychologe an Burn-out leidet und eine Scheidung sein Prestige bedroht. Gerade als Jo Fechtmeister deshalb ein Jahr Auszeit nehmen will, wird er zur verrücktesten Therapie seiner Karriere gezwungen: In nur einem Monat soll er in einer Ferienvilla auf Mallorca die Tochter eines Großindustriellen von ihrer Lebenskrise heilen. Bald erkennt Jo, dass die Psyche der jungen Frau das geringste Problem darstellt.

Thomas Fitzner, geb. 1960, ist ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Er lebte in Mexiko, arbeitete als Reporter im Zweiten Golfkrig und war als Offizier für mehrere UN-Missionen in Nahost und Nordafrika tätig. Später arbeitete er hauptsächlich als Werbetexter und Übersetzer. Über viele Jahre hinweg schrieb er auch Artikel und Kolumnen in der Mallorca Zeitung. Sein erster Roman wurde 1998 veröffentlicht. Fitzner ist mit einer Spanierin verheiratet und lebt heute in einem kleinen Dorf auf Mallorca.

2.


Der kurzen Rede langer Sinn


„Ich habe einen Kamm dabei, wenn du vorher noch schnell ...“

Jo warf Pfaff einen vernichtenden Blick zu.

„War nur eine Idee“, beschwichtigte Pfaff und erhob sich. „Dann wollen wir mal.“

Sigmar Brand saß allein an einem Tisch und studierte eine Mappe mit Dokumenten. Vor ihm standen zwei Gläser und eine Flasche Cognac. Er sah erst auf, als Pfaff sich mehrmals und in zunehmender Lautstärke geräuspert hatte.

„Herr Sigmar Brand.“ Pfaff breitete mit einer großartigen Geste die Arme aus. Wie Bill Clinton, dachte Jo, als er Rabin und Arafat zum historischen Händedruck zusammenführte. Aber wir wissen ja, was aus Rabin und Arafat geworden ist. „Darf ich vorstellen: Doktor der Psychologie Johann Arnold Fechtmeister, verantwortlicher Therapeut des Schützenkönigs der Bundesliga, Wladislaus Nemet, und wahrscheinlich einer der größten lebenden Seelenexperten unserer Tage.“

Brand musterte ihn ohne sichtbare Gefühlsregung, wies auf den Stuhl vor ihm und sagte: „Erfreut.“

Pfaff räusperte sich, rieb sich die Hände und bekam erst allmählich mit, dass an Brands Tisch nur ein Stuhl frei war, und dass auf diesem nun Jo Platz nahm.

„Herr Pfaff – Dankeschön“, sagte Brand und schickte den Angesprochenen mit einer Bewegung seines Zeigefingers zurück an den Tisch, an dem der Werkspsychologe des Firmenkonglomerats „Brand Diversity Group“ den zukünftigen Therapeuten der Cheftochter weichgequatscht hatte.

Leibeigener, dachte Jo. Er versuchte, ein ausdrucksloses Gesicht zu bewahren. Brand war ihm auf Anhieb unsympathisch, doch es gelang ihm, den Umstand der Erpressung im Giftstofflager seines Gemüts abzuparken. Nur mal zuhören, sagte sich Jo. Aus der Haut fahren kann ich nachher im stillen Kämmerlein.

Brand wirkte erstaunlich jung für einen Konzernlenker. Er war rundlich und hatte eine zart-rosa Haut und sein Gesicht strahlte die Gutmütigkeit, Gemütlichkeit und selektive Menschenliebe eines Landpfarrers aus. Die perfekte Tarnung für einen der härtesten Geschäftsmänner Deutschlands. Auch seine Stimme klang sanft, doch in dieser Sanftheit klang bereits Gefährlichkeit mit. Die Augen, wenn man Augen lesen konnte, verrieten ihn endgültig: Es waren nicht die seelenwarmen Tümpel eines Geistlichen, sondern die Radargeräte eines Raubvogels. Sein Blick wich nicht aus und lud nicht zum Mauscheln ein, sondern suchte, scannte, prüfte, forderte und dro