: Niklas M. Käfer, Joshua A. Weid
: Van Ruhden und das Vermächtnis des Hasses
: novum pro Verlag
: 9783991313090
: 1
: CHF 13.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 112
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Seilbahn trägt ihn weit hinauf, mit jedem weiteren Höhenmeter nimmt die Kälte zu. Die Äste unter ihm ächzen unter der Schneelast. Der Detektiv Van Ruhden ist auf seinem letzten Weg, um seinen Fall zu klären. Was wird geschehen, wenn er die Skihütte erreicht? Alles hatte für ihn wie ein Rätsel begonnen. Ein anonymer Briefumschlag, ein Foto von ihm und seinen Jugendfreunden, das eigentlich in einer Kiste verborgen sein sollte. Ein spektakulärer Einbruch in der Pinakothek, der eindeutig die Handschrift von Heinz Gübbenau trägt. Aber der kann es aus verständlichen Gründen nicht sein ...

Kapitel 1

München Hauptbahnhof, Mittwoch, der 13. September 1922.

Van Ruhden kam nach seinem zweiwöchigen Urlaub im unterfränkischen Würzburg wieder in seiner geliebten Heimat München an.

Wie üblich wählte Van Ruhden den Weg über die Eisenbahn, da er diese in seinen Augen als das beste Verkehrsmittel betrachtete. Denn sie bot sehr viel Komfort, und man konnte vor allem in Ruhe reisen.

Er kam um exakt 16.20 Uhr auf Gleis 24 im Münchner Hauptbahnhof mit dem Schnellzug mit der Nummer D112 an. Der Zug kam zum Stehen, Van Ruhden stand auf, nahm seine Aktentasche aus der Gepäckablage und seinen Mantel vom Kleiderhaken. Er verließ sein Abteil, ging zur Tür, öffnete diese und stieg aus dem Wagen auf den Bahnsteig hinaus. Er lief den Bahnsteig entlang Richtung Bahnhofshalle, vorbei an Br. 18 056, die den D-Zug gezogen hatte. Es lagen dicke Schwaden in der Luft, es roch nach Rauch, als er an der Dampflokomotive vorbeilief. Diese Sinnlichkeit erinnerte Van Ruhden immer an den Tag, als er das erste Mal eine Dampflokomotive sah. Immer wenn er diesen Anblick vernahm und diesen Geruch roch, brachte es ihn in seiner Kindheit immer zum Staunen: Wie konnte so ein Stück Metall so elegant dahingleiten?

Van Ruhden lief weiter durch die Bahnhofshalle in Richtung Ausgang. Er wollte zum neuen DDZ, was„Deutsches Detektiv Zentrum“bedeutete.

Ende des Jahres 1921 wurde das Büro des „DDZ“ bei einem schrecklichen Brand völlig zerstört. Erst vor Kurzem wurde das neue Bürogebäude mit einer großen und spektakulären Einweihungsfeier eröffnet. Das neue Büro befand sich am Platzl, das in der Nähe des bekannten Hofbräuhauses lag.

Van Ruhden begab sich nun auf den Weg dorthin und verließ die Bahnhofshalle zum Vorplatz. Dort war wie jeden Tag reges Treiben. Hunderte von Menschen drängelten sich durch den Platz. Die Autos hupten sich gegenseitig auf den vollen Straßen an, Straßenbahnen klingelten, und die Geräuschkulisse Münchens hatte sich nicht verändert. Es war alles wie immer. Von dort aus ging er weiter über den Karlsplatz und Marienplatz zum Platzl, wo sich auch das DDZ befindet.

Das „DDZ“ am Platzl 4a in der Münchner Innenstadt

Um ca. 16.40 Uhr betrat Van Ruhden das neue Gebäude. Er wurde freundlich und herzlich von seinen Kollegen und Kolleginnen begrüßt.