: Tomas Sjödin
: Wenn Stille eine Sprache wäre Wie wir die Verbindung mit unserem Schöpfer wiederfinden
: R.Brockhaus
: 9783417270488
: Ruhe und Achtsamkeit
: 1
: CHF 12.60
:
: Christliche Religionen
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Vom Wiederfinden der Stille, die uns mit Gott verbindet! Beten. Für Tomas Sjödin ist das diese verbundene, innere Art, mit Gott durchs Leben zu gehen und die Dinge wahrzunehmen. Und dafür braucht es Orte, wo kein Lärm ist, der stört oder ablenkt. Orte der Stille. Sowohl innere Orte als auch äußere. 'Stille ist mein Freund', sagt er, und lässt Sie teilhaben an dieser Lebensgewohnheit, Gott zu begegnen. So einfach und gleichzeitig so tief. Sie hat mit einem ungeteilten Leben zu tun. Es ist ein Umkehren zu dem, was uns lebendig hält, was uns erfrischt. Stille und Gebet gehen ineinander auf. So wie wir in unserem Gott.

Tomas Sjödin (Jg. 1959) wohnhaft bei Göteborg, ist ein schwedischer Schriftsteller und pensionierter Pastor. Er kommt aus der Pfingstbewegung, ist aber seit vielen Jahren ökumenisch tätig, darunter in vielen Radio- und Fernsehsendungen. Seine Bücher und Zeitungskolumnen sind oft autobiografisch grundiert und humorvoll. Seit der schweren Erkrankung und dem Tod von zweien seiner drei Söhne beschäftigen sie sich aber auch immer wieder mit Leid und Trauer.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

3


In der Denkfabrik der Seele


Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.

Robert Koch, Mikrobiologe und Nobelpreisträger, 1910

Von den Dingen, die ich zum Thema dieses Buchs gelesen habe, hat mich eins am meisten erschüttert und zugleich mit Hoffnung erfüllt:One Square Inch of Silence (»Ein Quadratzoll Schweigen«) von Gordon Hempton. Er ist Akustikökologe (so heißt das tatsächlich) und ist im Laufe von mehr als dreißig Jahren um den Globus gereist, immer in Sachen Klang und Stille. Hempton glaubt übrigens, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen Stille und Stille. Das kann man erkennen, wenn man die verschiedenen Aufnahmen hört, die er gemacht und gespeichert hat.

Gordon Hempton ist ein aufmerksamer Zuhörer, und er ist überzeugt, dass die Stille auf unserer Erde unmittelbar vor ihrer Ausrottung steht. Seine Definition von Stille: wenn man mindestens 50 Minuten lang keinen von Menschen gemachten Laut hören kann. Nichts als die eigenen Laute der Natur oder der Atmosphäre. Wind, der durch Bäume streicht, Wasser, das im Bach murmelt, Vogelgesang. Seiner Ansicht nach gibt es in den USA nur noch zehn Orte, an denen man das erleben kann; viele dieser Orte musste er in den letzten Jahren von seiner Liste streichen. In Europa gibt es seiner Einschätzung nach keinen einzigen solchen völlig stillen Ort mehr.

Was geschieht in einer solchen Welt mit der Seele? Hempton glaubt, dass es zu unseren menschlichen Grundrechten gehört, den Lauten der Natur still und ungestört zuzuhören, sodass das, was wir hören, eine Bedeutung bekommt. Lange bevor der Mensch Laute und Lärm schuf, gab es nur die Laute der Natur. Das menschliche Hören entwickelte sich in perfekter Anpassung an diese Laute. Da ist der Wind, der den Wetterumschlag ankündigt, der erste Vogelgesang, der im Frühjahr die Botschaft bringt, dass die Erde bald wieder grün werden wird, ein sich nähernder Sturm, der das Ende der Trockenperiode verspricht, und die Gezeiten als eine Art himmlisches Ballett – um mir nur einige seiner Beispiele zu leihen.

Hempton nennt unseren Planeten Erde eine »solarzellengetriebene Jukebox«. Wenn man nämlich zum Äquator kommt und auf den Regenwald des Amazonas hört, also auf den Ort mit der meisten Sonne und der meisten Sonnenenergie, dann fällt einem dieses Bild ein, meint Hempton. Die Solarpanele – die Blätter – nehmen Licht und Energie auf und verwenden sie in ihrem bioakustischen System. Die Laute all des Lebens, das dort entsteht, sind so stark, dass der Mensch sie als beinahe zu stark empfindet.

Die Stille, so Hempton, ist ein heiliger Ort für die Seele, einer, der unsere Sinne öffnet und uns lebendig werden lässt: »Stille kann man wie ein Stück glühende Kohle von einem Feuer mitnehmen, man kann auf sie treffen, und sie kann uns treffen, sie kann verloren gehen und wiederhergestellt werden, aber man kann sie sich nicht vorstellen, wie viele glauben. Um das Wunder zu erleben, wie Stille die Seele weitet, muss man sie hören.«

Hier spricht ein Mann etwas Metaphysisches an, der von sich selbst sagt, spirituell aufgeschlossen, aber nicht religiös zu sein. Hempton glaubt, dass es uns nicht weiterbringt, wenn wir uns mit lärmdämmenden Kopfhörern oder durch Lärmschutzgesetze abzuschirmen versuchen. Nur eins bringt uns weiter: wieder Kontakt mit der Natur aufzunehmen, einer Natur, die spricht, die uns leise ruft, mit einem Ruf, den wir nur wahrnehmen, wenn er uns in der Stille erreicht. Sti