: Angela Esser, Kirsten Püttjer, Volker Bleeck, Lutz Kreutzer, Jutta Profijt, Arnold Küsters, Klaus St
: Lutz Kreutzer
: Schaurige Orte am Niederrhein Unheimliche Geschichten
: Gmeiner-Verlag
: 9783839272985
: Schaurige Orte
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 249
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwölf schaurige Geschichten von zwölf Autoren über zwölf reale Orte am Niederrhein, angelehnt an Legenden und Ereignisse von der Römerzeit bis in die Gegenwart: Warum ein paar ausgefuchste Unternehmer in Xanten einen ausgefallenen Tod fanden. Auf welche Weise ein Kirchturm einen Jungen das Gruseln lehrte. Als der Fund eines Tagebuches eine Frau in die dunkelste Zeit zurückführte und wie eine Fremdenführerin auf den höchsten Punkt stieg und dort in größte Gefahr geriet.

Lutz Kreutzer wurde 1959 in Stolberg im Rheinland geboren. Er schreibt Thriller, Kriminalromane sowie Sachbücher und ist Herausgeber von Kurzgeschichtenbänden. Er coacht Autoren auf Buchmessen und Kongressen und richtet den Self-Publishing-Day aus. Der promovierte Naturwissenschaftler gründete am Forschungsministerium in Wien ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit und arbeitete lange als Manager in der Hightech-Industrie. Seine Reisen und alpinen Abenteuer nimmt er zum Anlass, komplexe Sachverhalte in spannende Literatur zu verwandeln. Den Niederrhein kennt er gut, weil er als Geologe dort oft unterwegs war. Sein erster Roman schaffte es auf Platz 1 im Kindle-Shop. Seine Arbeit wurde mit mehreren Stipendien gefördert. Mehr unter: lutzkreutzer.de

Der beste Kaiser


von Lutz Kreutzer


Ich, der Imperator

Was habe ich, Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus, mir damals nur dabei gedacht, als ich aus dem Castra Vetera in Untergermanien eine große Stadt machte? In den Niederungen desRhenus, eine völlig ebene und trostlose Gegend! Es war der Ort weit im Norden, wo die großen Aufmärsche erfolgten, wenn es den Germanen im Osten an den Kragen gehen sollte, also eine stolze Befestigung meiner Legionen. Aber es war auch ein von Mücken durchseuchtes Heerlager.

Ich habe dieses Heerlager in Colonia Ulpia Traiana umgetauft und es zu einer Stadt geformt, die, unserem schillernden Rom ähnlich, Größe und Pracht ausstrahlen sollte. So, wie sie heute den Kalender lesen, muss das ungefähr 100 Jahre, nachdem dieser seltsam friedliebende Jesus von Nazareth in die Welt kam, gewesen sein.

Der beste Kaiser, so nennen die Menschen mich. Ich, Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus, schenkte meinen Untertanen eine überaus glückliche Zeit, sagt man von mir. Sie, liebe Leser, können mich Trajan nennen, das reicht völlig aus. Dort oben aber, in diesen Sümpfen des Rheins, dort wollte ich mir ein Denkmal errichten, das muss man sich einmal vorstellen! Größer als die Hauptstadt der südlicher gelegenen Provinz Obergermanien, Mogontiacum, heute Mainz, mein Mainz, denn dort habe ich zwei Jahre als Statthalter residiert, bevor ich Kaiser wurde.

Heute heißt diese Kolonie dort in den Rheinniederungen Xanten, weil man es lange nach seiner Gründung Xantum nannte. Das hat irgendwas mit diesen christlichen Heiligen zu tun. Aber davon verstehe ich nichts, denn zu meiner Zeit wurden die Christen noch verfolgt und bestraft, wenn sie mich, den Kaiser, nicht ehrten. Dieses Xanten aber wurde zum zweitgrößten Handelszentrum von Untergermanien, nach Colonia Agrippina, dem heutigen Köln.

Wie es auch gewesen sei, eines steht fest: Ich habe dieses Xanten erschaffen, nach dem Vorbild Roms. Erschaffen mit allem, was eine römische Stadt brauchte, mit Häusern, Kolonnaden, Amphitheater, Tempel, Forum, Thermen und Bordellen. Die Bürger von Xanten erhielten sogar das römische Bürgerrecht. Ich bin eben großzügig! Ich, Trajan, Optimus Princeps, der beste »Erste unter Gleichen«  diesen Ehrentitel haben mir damals der Senat und das Volk von Rom verliehen, Senatus Populusque Romanus.

Doch irgendwann, nur ungefähr 170 Jahre später, ist meine Stadt vernichtet worden. Von einer Horde marodierender Barbaren. Stadt mit X, war wohl nix! Und dann, aus Schutt und Asche neu erstanden, Hunderte Jahre später, kam angeblich dieser Siegfried und stahl mir meinen ehrenvollen Platz.

Aufruhr

»Fremdenverkehrsinitiative spaltet Xantens Bürger«, so prangte die Überschrift in der Online-Ausgabe des »Niederrhein Blatt«. »In der Stadt Xanten gibt es eine neue Bewegung. Führende Hoteliers, Wirtschafts- und Tourismusfachleute starten ein Projekt, das einen neuen Siegfried aus der Taufe heben will. Wir möchten, dass unser Siegfried eine Art Hüter wird, der als ewiger Held über Xanten wachen soll. Der Hype um den verstaubten Trajan und um seine Römer hier bei uns ist out. Es lebe der neue Siegfried! «, wurde der Sprecher der Gruppe zitiert. Dazu ein Bild von fünf Initiatoren, die siegesgewiss ihre Daumen in die Höhe reckten. Darunter die Bildunterschrift mit den Namen. Doch, so die Zeitung, es habe sich bereits starker Widerstand gegen di