: Urs Zingg
: Verloren
: Books on Demand
: 9783754388808
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 270
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als kleiner Junge verliert David Bader seine Mutter bei einem Autounfall. Am Steuer sitzt sein angetrunkener Vater Jonathan Bader. Dieser kommt nie über diese Tragödie hinweg. Er ist mit der Erziehung seines Sohnes überfordert, entfremdet sich von ihm und kapselt sich von der Aussenwelt ab. Nach der Schulzeit entflieht David der Enge des Dorfes und der Kälte seines Vaters nach Basel. Im Gymnasium findet er in Tom Burckhardt einen Freund und Seelenverwandten. Sie engagieren sich für den Umweltschutz. In zunehmendem Masse radikalisieren sie sich im Kampf gegen den Autoverkehr. Zu spät erkennt David, welche Abgründe sich bei seinem Freund auftun.

Urs Zingg, Jahrgang 1963, lebt mit seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen in der Umgebung von Bern. Seine berufliche Karriere startete er als Journalist. Heute arbeitet er als Coach mit jungen Menschen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und Unterstützung für den Start in eine Ausbildung benötigen. Ihr Wunsch nach Zuwendung und Geborgenheit sowie ihre menschlichen Abgründe sind ihm vertraut. Diese Geschichte ist sein erster Roman.

Erster Teil


1


David Bader fühlte sich gerädert. Die Nacht hatte sich wie zähflüssiger Karamell in die Länge gezogen. Viertelstündlich hatte David die Glockenschläge gezählt, die der Wind von der Kirchturmuhr aus dem Tal hochtrug. Die Windböen hatten an Dachziegeln, Fensterläden und Türen gerüttelt, waren durch die zahlreichen Ritzen des morschen Fachwerks gedrungen und hatten es stöhnen und erzittern lassen. David zog die Decke über den Kopf. Er hatte keine Lust, aufzustehen. Er konnte Sonntage nicht ausstehen. Sie verhießen wenig Erfreuliches.

In der Küche sah es aus, als ob der nächtliche Sturm eine Schneise der Verwüstung geschlagen hätte. Es roch beißend nach saurer Milch und abgestandenem Zigarettenrauch. Der Aschenbecher war voller Kippen. Der Geschirrberg der letzten zwei Tage stapelte sich in der Spüle. In der Pfanne klebten vertrocknete Nudeln. Aus dem Abfallkübel stieg ein süßlicher Geruch von verwesendem Schinken.

David bezwang sein