Verborgen im Untergrund: Wurzeln
»Alles, was du sehen kannst, hat seine Wurzeln in der Unsichtbaren Welt«, lautet ein Sinnspruch des persischen Dichters Rumi (1207–1273).
DIESER SPRUCH ist nicht nur metaphorisch zu betrachten, er gilt wörtlich auch für Pflanzen – denn wer blickt schon auf das Wachstum im Boden. Aber was sich unterhalb der Erdoberfläche tut, sollte jeden Gärtner interessieren, denn das gesamte Pflanzendasein hängt davon ab.
Wurzeln wachsen stets dem Licht entgegengesetzt, von der Schwerkraft geleitet ins Erdreich hinab. Mit überaus feinfühligen Sensoren spüren sie im Untergrund Wasser und Nährsalzvorräte auf. Sie können dick oder dünn sein, sich in große Tiefen erstrecken oder nahe der Oberfläche bleiben. Jede Pflanzenart entwickelt ein für sie typisches Wurzelwerk, das jedoch entsprechend den Gegebenheiten angepasst wird. So vielgestaltig sich Pflanzen oberirdisch zeigen, so abwechslungsreich sind auch Wurzelgeflechte. Eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch: Wurzeln werden niemals grün, selbst nicht am Licht.
Wer geht mit wem ins Beet?
Dicht nebeneinanderwachsende Pflanzen konkurrieren um Platz im Erdreich, um Wasser und Mineralstoffe. Je üppiger sie ihr Wurzelgeflecht ausbreiten können, umso wuchsstärker sind sie. Um sich nicht gegenseitig zu stören und den Boden bestens ausnutzen zu können, entwickeln sie höchst unterschiedliche Wurzelsysteme.
Was sich in freier Natur von selbst regelt, darauf achtet man im Garten vor allem bei der Mischkultur: Dass tief wurzelnde neben flach wurzelnden Arten stehen, etwa Möhren in Partnerschaft mit Salat. In Mischkultur wachsen Pflanzen viel besser.
1 Feinwurzeln zur Wasseraufnahme
2 Wurzel verdickt als Speicher
3 Hauptwurzel zur Verankerung
4 Wurzelspitze beim Eindringen
Wurzeln durchdringen den Untergrund, verankern im Boden, saugen Wasser und Nährstoffe auf, können speichern.
WICHTIGES WURZELWISSEN
Wurzeln sind elementar für das Pflanzenwachstum. Von ihnen hängt ab, wie viel Wasser und Nährstoffe aufgenommen und fürs Gedeihen über der Erde zur Verfügung gestellt werden können. Durch immer weitere Verzweigungen (Seitenwurzeln, Feinwurzeln) sowie feinste Ausstülpungen (Wurzelhaare) vergrößern Pflanzen die Oberfläche ihrer unterirdischen Organe enorm. Die Wurzeln einer gut entwickelten Roggenpflanze können unglaubliche 10.000 Kilometer lang werden!
Das Wurzelsystem steht in direktem Zusammenhang mit den Ausmaßen von Sprossen und Blättern, also den überirdischen Pflanzenteilen. Das oberirdische Ausmaß einer Pflanze findet sich etwa gleichermaßen gespiegelt nochmals unter der Erde wieder. Wollen Sie in Ihrem Garten rasch kräftig entwickelte Pflanzen, müssen Sie dafür sorgen, dass reichlich Raum für Wurzeln vorhanden ist. Und der sollte natürlich nicht nur leicht durchwurzelbar, sondern auch gut versorgt mit Wasser und Nährsalzen sein – und möglichst nur der erwünschten Pflanze zur Verfügung stehen, Konkurrenz ist auch unter der Erde ein großes Thema.
Häufig nasser Boden
Ein lockerer, feinkrümeliger Boden, ein gut belüftetes Erdreich, eine reich mit Humus durchsetzte Erdkrume, das strebt jeder Gärtner an. Sauerstoff ist im Bodenbereich unerlässlich, denn wie alle Pflanzenorgane müssen auch Wurzeln atmen. Sie benötigen den Sauerstoff, um Kohlenhydrate, die in den Blättern gebildet und mit denen sie über den Spross verso