Kapitel 1In dem meine Kollegin zur Stolperfalle wird, ich kein Croissant esse und Frau Dobbsen eine schlechte Nachricht erhält.
Es war ein Oktobermorgen wie aus der Weichspülerwerbung: duftend, warm und einschläfernd. Ich saß in meinem bescheidenen venezianischen Palästchen auf meinem hellblauen Himmelbett an meiner Reiseschreibmaschine und notierte die Eindrücke der beiden vergangenen Tage. Vorgestern die lange Zugfahrt von Ruckelnsen nach Venedig. Und gestern dann der erste Tag in dieser Stadt voller Brücken, Kanäle, Eiscreme und Touristen.
Ich plante, die ganzen Herbstferien hier in meinem kleinen Palazzo zu verbringen. Das Haus hatte zwölf Zimmer, die hohen Decken waren mit Ornamenten verziert, und die riesigen Fenster gingen direkt auf den wichtigsten Kanal Venedigs hinaus, den Canal Grande. Ein Blick nach draußen zeigte mir, dass dort schon jede Menge los war. Die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser, Gondeln stießen fast zusammen, Wasserbusse hupten, und Motorboote kurvten mit halsbrecherischem Tempo durch das Chaos hindurch.
Ich gähnte.
Ein Klopfen riss mich aus meinen Betrachtungen.
»Ja, bitte?«
Es war mein Butler. Er steckte seinen Kopf zur Tür herein und sagte: »Dös Frühstöck öst im Speisözimmör servört!«
»Danke, Ortlieb, ich komme gleich«, antwortete ich.
Mein Butler nickte und zog sich höflich zurück.
Na gut, na gut, na gut: Das war natürlich nichtmein Butler, sondern Ortlieb, der Butler der Familie meiner Detektiv-Kollegin Trix Dobbsen. Und es war natürlich auch nichtmein Palast, sondern ein historischer venezianischer Palazzo, den Trix’ Vater gerade renovierte und in dem wir deshalb wohnen durften. Das hellblaue Himmelbett war also auch nicht meins.
Aber wenigstens die Reiseschreibmaschine gehörte mir! Sie war ein Geschenk meiner Großmutter. Ich verreise nämlich ungern ohne Schreibmaschine.
Und auch mein Magen gehörte mir selbst, woran er mich jetzt mit einem laut vernehmlichen Knurren erinnerte. Also auf zum Frühstück! Ich stellte die Schreibmaschine beiseite, schlug die Decke zurück, zog meinen Mantel über den Schlafanzug, setzte den Hut auf und machte mich auf den Weg.
Ich kam allerdings nicht weit. Auf dem dicken Teppich vor meiner Zimmertür lag ein Hindernis: meine Kollegin Wiebke.
»Äh, Wiebke?«, sagte ich. »Liegst du gut?«
»Grmpf.« Wiebke rappelte sich auf.
»Hast du vor meiner Tür geschlafen, um mich in der Nacht zu beschützen?«, fragte ich. »Das ist aber lieb von dir!«
Wiebke klopfte sich den Staub von der Hose und lächelte tatsächlich ein bisschen. »Nee, ich habe mich hier gerade eben erst hingelegt. Oder besser gesagt: Ichwurde hingelegt.«
»Mauhauhauhauhaunz!«, kam es von irgendwoher.
Ich kombinierte: »Du bist über Miss Moneypenny 2.0