: James Rollins
: Erddämmerung Roman
: Heyne
: 9783641271817
: Erddämmerung
: 1
: CHF 12.60
:
: Science Fiction
: German
: 848
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die große Zukunftssaga mit zehn Schwarz-Weiß-Illustrationen
Vor Jahrtausenden hat die Erde aufgehört, sich zu drehen. Eine Seite ist nun permanent der Sonne zugewandt, die andere liegt in immerwährender Dunkelheit. Unsere Welt existiert nur noch in Sagen und Mythen - und in wundersamen Gegenständen, Überbleibsel unserer Technologie. Nacht für Nacht wird die blinde Nyx von einer schrecklichen Vision heimgesucht: Der Mond stürzt auf die Erde und vernichtet alles Leben. Doch niemand hört auf ihre Warnung, bis der Gelehrte Frell am Königshof sie durch Beobachtungen bestätigt. Er wird zum Tode verurteilt und kann in letzter Sekunde entkommen. Frell und Nyx machen sich auf die Suche nach einem sagenumwobenen Artefakt, das die Katastrophe verhindern könnte - der Beginn eines Abenteuers, das die beiden an jeden noch so gefährlichen Ort unserer Welt führen wird ...

Neueste Technologiekenntnisse und fundierte wissenschaftliche Fakten, genial verknüpft mit historischen und mythologischen Themen - all das macht die Abenteuerthriller von James Rollins zum einzigartigen Leseerlebnis. Der passionierte Höhlentaucher James Rollins betreibt eine Praxis für Veterinärmedizin in Sacramento, Kalifornien.

Zuvor

SIEGEBIERT in Schlamm und Morast.

Sie hockt sich, dehnt sich unter dem nebelverhangenen Ast eines knorrigen Tupelobaums. Ranken umschlingen den massigen Baum, drücken sein Geäst auf den bemoosten Felsboden hinunter und senken die Blätter in das matschige Wasser eines langsam fließenden Bachs. An ihrer Seite windet sich ein Stamm, so breit wie ein Pferd, unablässig um sich selbst, als versuchte der Baum, diesem ertränkten Land zu entkommen.

Sie schwitzt und keucht und hat die Beine weit gespreizt. Die Hände über ihrem Kopf sind noch immer in eine Ranke gekrallt. Während sie dort hängt, bohren sich Dornen in ihre Handflächen, aber der Schmerz ist nichts im Vergleich zur letzten Wehe, die sie noch weiter aufreißt und das Baby aus ihrem Bauch drückt. Sie unterdrückt einen Schrei, damit die Jäger sie nicht hören.

Aber ein Jammern kann sie doch nicht verhindern; wortlos dringt es aus ihr, da sie keine Zunge hat. Als Lustsklavin von Azantiia war ihr der Luxus des Sprechens nie gewährt worden.

Sie drückt ein letztes Mal und spürt die Befreiung. Das Kind rutscht aus ihr heraus und fällt in den feuchten Schlamm unter ihr. Sie lässt die Ranke los. Die Dornen haben die Haut aufgerissen. Sie sackt in den Schlamm, das Kind liegt zwischen ihren Schenkeln. Noch ist es durch die verdrehte, blutige Nabelschnur mit ihr verbunden.

Sie schluchzt so heftig, dass ihr Körper erzittert, und hebt das Abhäutemesser auf, das in der Nähe des Tupelobaums liegt. Die Jagdklinge gehört ihr nicht, und das Blut, das daran klebt, ist nicht das ihre. Das Messer ist ihr von ihrem Retter in die Hand gedrückt worden – von einem Mann, der einen Eid gebrochen hat, indem er ihr geholfen hat, aus dem Kerker des Schlosses zu entkommen. Nachdem sie gemeinsam unter dem finsteren Auge der Wintersonne durch die Bucht des Versprechens gesegelt waren, verfolgt von der Legion des Königs, waren sie bei der tückischen Küste von Mýr an Land gegangen. Dort ist das Ufer kein festes Land, sondern eher ein Gebiet, in dem sich das blaue Meer mit den schlammigen Wassern eines ertrunkenen Mangrovenwaldes mischt. Sobald das Ruderboot nicht mehr tiefer in den Sumpf eindringen konnte, hatte ihr Retter sie zu Fuß weitergeschickt, während er selbst das Boot fortgestakt hatte, um die Verfolger in eine falsche Richtung zu führen.

Nun ist sie allein. Sie fährt mit der Klinge durch die dicke Nabelschnur und befreit damit das Kind von ihrem Körper und ihrer Vergangenheit. Sie hatte geglaubt, jetzt vollkommen leer zu sein, aber ihr Körper zuckt erneut. Sie keucht, als Blut und Gewebe