: Michael Horeni
: Die Begnadeten Schönheit, Schmerz und Einsamkeit: Fußballgötter und ihre Abstürze - Franz Beckenbauer, George Best, Diego Maradona, Mesut Özil, Michel Platini, Sócrates - Mit zahlreichen Abbildungen
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641288341
: 1
: CHF 4.50
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In den Himmel gehoben und tief gefallen: Aufstieg und Absturz der Fußballlegenden von Beckenbauer und Maradona bis Özil

Sie sind Legenden des Weltfußballs: Franz Beckenbauer, George Best, Diego Maradona, Mesut Özil, Michel Platini und Sócrates. Aber diese Kicker waren auch Künstler, manche Lebenskünstler. Sie verkörperten, jeder auf seine spezielle Weise, die Schönheit des Spiels. Doch ihrer Leichtigkeit auf dem Platz, auf dem sie herrschten und der sie gleichzeitig beschützte, folgten schwere Abstürze im realen Leben. Sie fielen tief und bezahlten teuer: mit ihrer Ehre, ihrer Heimat, ihrem Leben. Bestsellerautor Michael Horeni lässt Glanz und Elend dieser Fußballgötter in seinen Porträts noch einmal unmittelbar lebendig werden.

Mit farbigem Bildteil.

Michael Horeni, Jahrgang 1965, hat Politische Wissenschaften, Geschichte und Philosophie studiert und war langjähriges Sportredaktionsmitglied der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, zuletzt als Fußballkorrespondent Europa. Er veröffentlichte u. a. »Klinsmann« (2005), »Die Brüder Boateng« (2012), in Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Watzke den Bestseller »Echte Liebe« (2019), »Die Begnadeten« (2022) und zuletzt den ersten Band von »Stimmen der Eintracht« (2024). Horeni, der über zwanzig Jahre als Berichterstatter zuständig für die deutsche Nationalelf war und von 16 Welt- und Europameisterschaften im Fußball berichtet hat, wurde ausgezeichnet mit dem deutschen Fair Play Preis.

Vorspiel

Der Fall der Götter

Franz Beckenbauer, George Best, Diego Maradona, Sócrates, Michel Platini, Mesut Özil

Diese unglaublichen Spieler zu erleben bedeutete für viele Millionen Menschen rund um den Globus ein großes Glück. Mit ihrem hinreißenden Spiel verkörperten sie zu ihren besten Zeiten die Essenz des schönen Fußballs, sein Wesen, seine Leichtigkeit. Doch sie alle, die den Fußballhimmel berührten, erlebten und erlitten tiefe Abstürze. Manche wurden zu Höllentrips, denen nur der Tod ein Ende setzen konnte.Maradona (2020),Sócrates (2011) undBest (2005) vernichteten ihre Körper durch Kokain, Alkohol und andere Drogen.Beckenbauer undPlatini kosteten ihre späten Abstürze als Fußballfunktionäre, bei denen es um Millionenzahlungen und Korruption ging, Amt und Ehre. UndÖzil verlor seine Heimat, seine deutsche Heimat.

Das, was sie über die Zeiten und Generationen hinweg verbindet, lässt sich erst erkennen, wenn man diese Begnadeten gemeinsam in den Blick nimmt. Dann werden neben der Genialität, die sie eint, auch andere Parallelen sichtbar, die für ihre Abstürze wichtige Rollen spielten.

Zweifellos waren die Verlockungen für diese Ausnahmeerscheinungen groß, sich auch nach dem Abpfiff weiter als jene Ikonen und Kunstfiguren zu begreifen, zu denen sie sich auf dem Spielfeld selbst gemacht hatten. Oder zu denen sie gemacht wurden. So gehörten alle diese Fußballgötter des letzten halben Jahrhunderts irgendwann nicht mehr sich selbst. Die Wirklichkeit präsentierte ihnen schonungslos die Rechnung. Eine Wirklichkeit allerdings, der sich die Auserwählten schon kaum mehr zugehörig fühlten, gleichgültig, zu welcher Zeit sie lebten. Götter akzeptieren keine Richter, zumindest keine weltlichen. Auch die Fußballgötter taten es nicht.

Der Preis, den sie am Ende bezahlen mussten, lässt sich mit ihren menschlichen Schwächen allein nicht hinreichend erklären. Klar ist: Auch der jeweilige Zeitgeist wurde ihnen irgendwann zum Feind. Ein tückischer, unsichtbarer Feind, der sich den meisten erst im Nachhinein zu erkennen gegeben hat, wenn überhaupt.

In den Abstürzen der Fußballheroen wird auch ihre Einsamkeit spürbar. Obwohl sie stets einer Mannschaft angehörten und in ihrer Genialität immer auch als Teil eines Teams wahrgenommen wurden, standen sie am Ende meist allein da. Zu ihrem Leben im Profigeschäft gehört untrennbar die Erfahrung, dass sich auch innerhalb einer Mannschaft jeder immer selbst der Nächste ist. Und Loyalitäten nur so lange bestehen, wie sie Erfolg versprechen.

Was die Lebenswege vonMaradona,Beckenbauer undPlatini angeht, kommt der dunklen Seite der überbordenden, wilden und maßlosen 80er-Jahre eine zentrale Rolle zu. In dieser exzentrischen, glamourösen und materialistischen Zeit, die immer auch starke zerstörerische und selbstzerstörerische Züge in sich trug und in der es ausgesprochen respekt- und distanzlos zuging, konnten sich Superstars plötzlich alles leisten. Sicher, Geld war schon immer wichtig gewesen, nicht nur in den Achtzigern. Doch erst in dieser Zeit wurden Geld und Äußerlichkeiten zu überragenden gesellschaftlichen Werten, zu ihren Fixpunkten, wie es sie in so hemmungslos ausgelebter Weise seit dem Krieg nicht gegeben hatte. Reichtum entschied nun nicht nur darüber, was man sich kaufen und leisten konnte, sondern auch darüber, was man sich in der Gesellschaft erlauben durfte.

Die WeltstarsMaradona,Beckenbauer undPlatini, deren Mythos nicht zuletzt in jener Zeit entstand und deren Wege sich in den 80er-Jahren immer wieder kreuzten, wurden zu Leitbildern dieser flirrenden Zeit: gut aussehende und millionenschwere Heroen, die begriffen, dass sie sich alles herausnehmen konnten. Und die sich scheinbar für nichts, was sie taten, rechtfertigen mussten. Dieses Spiel jenseits des Rasens ging