: Ruth Kornberger
: Die Symphonie der Sterne Roman
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641283230
: 1
: CHF 6.20
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: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sie musste aus dem Schatten ihres berühmten Bruders treten und gelangte als Astronomin schließlich zu Weltruhm: Die Geschichte der unvergleichlichen Caroline Herschel

England im 18. Jahrhundert: Als Sängerin füllt die Deutsche Caroline Herschel die Opernsäle der Stadt Bath – und doch strebt ihr Herz nach mehr. Nacht für Nacht beobachtet sie an der Seite ihres berühmten Bruders, dem Astronom Wilhelm Herschel, den Sternenhimmel. Aber auch wenn sie ihre Entdeckungen gemeinsam machen, ist es stets Wilhelm, der genannt wird. Bis ihr das Schicksal endlich die Möglichkeit bietet, sich selbst einen Namen zu machen.

Jahrzehnte später ranken sich viele Geschichten um die berühmte Wissenschaftlerin. Als Caroline hochbetagt in ihre Heimatstadt Hannover zurückkehrt, heuert die junge Agnes bei ihr als Dienstmädchen an, um intime Details zu erfahren, die sie an die Zeitungen verkaufen kann. Und tatsächlich kommt sie einem pikanten Geheimnis auf die Spur …

Detailverliebt und kenntnisreich erzählt Ruth Kornberger die Geschichte einer großen Wissenschaftlerin, die mit Charme und Chuzpe noch heute eine große Inspiration ist.

Ruth Kornberger wurde 1980 in Bremen geboren, liebt Schiffe und Geschichten über Abenteurerinnen. Mit ihrer Familie lebt sie in Weinheim. Sie ist Mitglied der Autorenkollektive Junge Literatur Mannheim und Qindie; ihre Kurzgeschichten sind in Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen. Mit ihrem ersten Roman »Frau Merian und die Wunder der Welt« gelang ihr auf Anhieb der Einstieg in die SPIEGEL-Bestsellerliste.

Prolog

Slough, Oktober 1789

Wie ein diamantenbesetzter Baldachin hing der Nachthimmel über dem Land. Caroline stand auf dem flachen Dach der Werkstatt und suchte die Sterne der Schwanenkonstellation. Da war Deneb, der hellste, dort Albireo, Sadr und Gienah. Sogar Azelfafage, der schwache topasblaue mit dem seltsamen Namen, funkelte heute am Übergang zur Eidechse. Die Sicht war bestens, doch statt sich ans Teleskop zu setzen, ließ Caroline ihren Blick über die Gassen und Dächer des Dorfes schweifen.

Sie war nicht mehr allein hier oben, und das machte sie nervös. Zwar hatte Janek seine Vorsicht schon in einer Reihe von Nächten bewiesen, doch Caroline vergewisserte sich lieber selbst, dass die Luft rein war.

Auf einem Handkarren lag eine Katze. Im Garten des Jägers hingen zwei dunkle Umhänge wie riesige Fledermäuse von der Wäscheleine. Um kurz vor Mitternacht schienen die meisten Einwohner von Slough schon zu schlafen, aber hinter dem Fenster des Fassmachers flackerte noch das Licht einer einzelnen Lampe. Konnte der Mann Janek auf seinem Weg zu Caroline bemerkt haben? Gerede brauchte sie wirklich nicht.

Von der Arbeit einer Astronomin hatten die meisten Nachbarn nur eine vage Vorstellung. Erwähnte Caroline, sie verbringe mehr Stunden am Schreibtisch als draußen, waren sie verwundert. Warum konnte man die Objekte des Himmels nicht verzeichnen wie die Flüsse, Meere und Gebirge der Erde? Wozu so viele Berechnungen? Aber auf die Absicht eines nächtlichen Besuchers würden sich alle einen Reim machen. Caroline konnte das Raunen schon hören: »Wilhelm Herschels Schwester soll ja äußerst umtriebig sein, nicht nur auf dem Gebiet der Sterne. Eine bald vierzigjährige Jungfer turtelt im Schutz der Dunkelheit, was sagt man dazu?«

Janek schien Carolines Sorge zu erahnen.

»Ich gehe in Deckung.« Er legte sich auf den Rücken und begann leise zu summen. Nach einer Weile sagte er: »Da ist der Schäfer.«

Caroline schrak zusammen und suchte mit den Augen die Straße ab. Aber Janek meinte wohl etwas am Himmel. Er wies auf eine Stelle nahe des Horizonts.

»Ich sehe das Lämmchen.« Caroline lachte erleichtert auf. »Das soll eine Ziege sein, und aus irgendeinem Grund wird sie vom Fuhrmann getragen. So heißt das Sternbild.«

»Nicht in Polen.«

Caroline drehte sich zu ihm um. »Bestimmt auch da. Schon die Römer nannten es Auriga, Wagenlenker …«

Janek hielt eine Hand ans Ohr. Um nicht lauter sprechen zu müssen, beugte Caroline sich zu ihm hinunter.

»Auriga«, raunte sie. »Und die Babylonier …«

Um seinen Mund bemerkte sie ein Schmunzeln. Er wollte wohl plänkeln. Warum nicht? Nach Kometen zu suchen war ein langwieriges, einsames Geschäft, und Caroline genoss die Unterhaltung. Janek setzte sich auf und klopfte einladend neben sich.

»Mach eine Pause. Du arbeitest doch sicher schon wieder seit Sonnenuntergang.«

Caroline ließ sich neben ihm nieder und schob die Hände unter seine Jacke, um sich an seinem Körper zu wärmen. Seit ihre Abende nicht mehr mit Musik gefüllt waren, ertappte sie sich häufig bei Selbstgesprächen. Sie überlegte dann laut, was am nächsten Tag zu tun war oder woran sie Wilhelm erinnern musste. Mit Janek an ihrer Seite konnte sie einfach schweigen. Selbst das Nichtstun gelang ihr für kurze Zeit.

Aber ich sollte mich nicht an seine Anwesenheit gewöhnen. Janek ist ein Reisender.