Kapitel 1
Gegenwart
»Mein Gott, Arden. Ich hatte ja erwartet, dass es heruntergekommen ist, aber …«
Lisa schauderte entsetzt, als sie durch die Hintertür in die Küche trat und sah, wie Arden in den letzten fünf Monaten gelebt hatte.
Arden folgte ihrer Schwester ins Haus und zog einen Stuhl unter dem Esstisch hervor. Der Tischplatte war nicht anzusehen, dass sie erst vor Kurzem poliert worden war, stellte Arden fest, während sie sich setzte. Vor dem gestrigen Tag hatte sie sich über die vielen Kratzer und Kerben geärgert. Heute konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie irgendwie von Bedeutung sein könnten.
Lisa redete immer noch, und Arden hörte wieder zu.
»Hast du den Ofen auf Gaslecks prüfen lassen? Das könnte sonst gefährlich werden. Gibt es einen funktionierenden Rauch- oder Feuermelder?«
»So etwas nennt man Vorwehen. Als wollte Ihr Körper schon zu üben beginnen. Aber die werden Sie erst in etwa einem Monat spüren. Und auch dann ist das kein Grund zur Aufregung.«
Das hatte ihr die Frauenärztin bei der letzten Vorsorgeuntersuchung erklärt.
Aber das gestern waren keine Vorwehen gewesen. Es war keineswegs nur eine Übung ihres Körpers gewesen, und in der Obstabteilung des Supermarkts hatte helle Aufregung geherrscht.
Angestrengt lenkte sie ihre Gedanken davon weg und auf Lisa, die in der Küchenmitte stand, mit angezogenen Ellbogen, als hätte sie Angst, sie könnte eine kontaminierte Oberfläche berühren.
»Du hast mir erzählt, dass du nur ein paar Zimmer im Erdgeschoss bewohnst. Was ist dadrin?«
Lisa trat an die offene Tür und schaute durch das Speisezimmer in das Wohnzimmer dahinter. Zwei Jahrzehnte zuvor waren alle Möbel daraus entfernt worden, abgesehen von dem Klavier, das immer noch an seinem angestammten Platz stand. Arden war überrascht gewesen, als sie es hier entdeckt hatte, abe