: Annabel Monaghan
: Immer wenn die Sonne aufgeht Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641293321
: 1
: CHF 8.00
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: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sieben Tage: Genügend Zeit, um sich zu verlieben. Genügend Zeit für ein gebrochenes Herz …

Der Moment in den frühen Morgenstunden, in dem ihre Füße die knarzenden Holzbretter ihrer Veranda berühren, in dem sie die ersten Vogelgesänge vernimmt und ihren Garten in voller Pracht und mit Morgentau überzogen bewundern kann, ist für Nora die kostbarste Zeit des Tages. Die Zeit, in der sie Kraft tankt, um ihren zwei Kindern Halt geben zu können und ihre gescheiterte Ehe hinter sich zu lassen.
Doch eines Morgens ist sie nicht allein auf ihrer Veranda. Jemand hat sich über Nacht bei ihr einquartiert. Jemand, der die Nähe zu ihr mehr zu genießen scheint, als ihr recht ist. Jemand, der ihr mit jedem morgendlichen Sonnenstrahl zeigt, dass es noch nicht zu spät ist, die Liebe ins Leben zu lassen.

Ein gefühlvoller und heiterer Roman über zweite Chancen, Familienzusammenhalt und das Glück der großen Liebe!



Annabel Monaghan ist in Los Angeles aufgewachsen und hat an der Duke University das Fach Englisch studiert. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren drei Söhnen lebt sie in einem Vorort von New York, wo sie auch Schreibunterricht gibt. Bisher hat Annabel Monaghan in USA humorvolle Kolumnen in namhaften Zeitungen veröffentlicht. Sie hat ein besonderes Faible für Geschichten um die große Liebe und besitzt immer noch jeden einzelnen Liebesbrief, den sie je bekommen hat. Mit ihrem Erwachsenendebüt »Immer wenn die Sonne aufgeht« kann sie nun ihre romantische Ader ausleben.

KAPITEL 1


Hollywood kommt heute zu mir.

Ich werde mein Haus nicht verlieren.

Diese beiden Gedanken gehen mir in dem Moment durch den Kopf, in dem die Sonne mein Zimmer erhellt. Für mein Drehbuch hat man mich schon bezahlt. Und die Prämie dafür, dass man hier filmen darf, sollte heute Mittag auf meinem Konto sein. Lebt wohl, unbezahlte Grundsteuern. Lebt wohl, Kreditkartenschulden. Kaum zu fassen, dass all das dadurch möglich geworden ist, dass Ben sich von mir und unserer Ehe verabschiedet hat. Ich habe keine Idee, wie dieser Tag noch besser werden könnte. Ich springe förmlich aus dem Bett, schnappe mir meinen dicksten Morgenpullover und gehe die Treppe hinunter. Nachdem ich mir Kaffee eingeschenkt habe, begebe ich mich nach draußen auf die Veranda, um mir den Sonnenaufgang anzusehen.

Wer auch immer mir dieses Haus einmal abkauft, wird es wohl abreißen. Es ist über hundert Jahre alt. Alles daran ist reparaturbedürftig. Wenn der Wind im Januar auf eine bestimmte Weise weht, fegt er direkt in die Küche, und wir müssen eine Decke über den Türrahmen kleben. Die Dielen hängen durch. Es gibt nur zwei Badezimmer, und beide sind oben. Jedes Schlafzimmer verfügt über einen begehbaren Schrank für gerade mal sechs Garnituren, vorzugsweise für ziemlich kleine Personen. Ben hatte eine Beschwerdeliste über das Haus, die er täglich abspulte, und ich wurde nie das Gefühl los, dass er sich in Wirklichkeit über mich beschwerte.

Zugegeben, das Haus ist eine Katastrophe. Aber ich habe mich in es verliebt, als ich zum ersten Mal die lange, gewundene Einfahrt hinabschaute. Die hohen Äste der Magnolienbäume, die zu beiden Seiten des Weges wachsen, berühren sich in der Mitte. Im April fährt man deshalb durch einen Tunnel aus rosa Blüten. Wenn man die Hauptstraße erreicht, hat man das Gefühl, von einer Welt in eine andere überzutreten, wie eine Braut beim Verlassen der Kirche. Man genießt es, Milch zu holen, und man genießt es, danach wieder nach Hause zu kommen.

Gebaut wurde das Haus von einem britischen Arzt namens George Faircloth. Er lebte in Manhattan und verbrachte nur die Sommer in Laurel Ridge. Was erklärt, warum das Haus in keiner Weise winterfest ist. Es wurde gebaut, um sich an einem Tag mit fünfundzwanzig Grad daran zu erfreuen, vor allem draußen. Ich stelle mir vor, wie er das Grundstück meisterlich gestaltete und die Magnolien und Forsythien so arrangierte, dass sie den Frühlingsbeginn verkündeten. Nach einem langen grauen Winter rufen die ersten rosa und gelben Blüten noch immer: »Es tut sich was!« Im Mai werden sie mit dem Rest des Gartens grün, eine kurze Ruhephase, bevor die Pfingstrosen und Hortensien ihren großen Auftritt haben.

Dass ich hier unbedingt leben wollte, wusste ich, sobald ich das Teehaus sah. Der Arzt ließ das kleine, aus einem Raum bestehende Bauwerk eigens errichten, um das Ritual des Teetrinkens zu würdigen. Während das Hauptgebäude dünne weiße Schindeln und schwarze Fensterläden mit abblätternder Farbe aufweist, besteht das Teehaus aus grauem Stein mit einem Schieferdach. Es hat auch einen kleinen funktionierenden Kamin und eichenholzgetäfelte Wände. Man könnte meinen, Dr. Faircloth habe sich über den Großen Teich gestreckt und es direkt aus einer englischen Idylle hergeholt. Ich weiß noch genau, dass Ben beim ersten Betreten das Wort »Schuppen« in den Mund nahm. Damals habe ich ihn ignoriert, wie man es eben tut, wenn man verheiratet bleiben will.

Nach unserer ersten Übernachtung im Haus weckte mich das frühe Tageslicht, weil wir noch keine Vorhänge hatten. Ich ging mit meinem Kaffee auf die Veranda, und der Sonnenaufgang bescherte mir die Überraschung meines Lebens. Davor hatte ich das Haus noch nie um sechs Uhr morgens ges