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Jakobsen war einer der netten Wachleute. Ein Mann aus Trøndelag, etwa in Blix’ Alter, der seine Freizeit mit Trabern verbrachte. Er wollte nicht sagen, worum es ging, als er Blix in die Krankenabteilung in einen sparsam möblierten Warteraum brachte. Das Licht fiel durch ein vergittertes Fenster, das man nicht öffnen konnte. Die Luft war stickig und warm. Ein Mann mit kariertem Hemd und langen, in einem Pferdeschwanz zusammengefassten Locken stand von seinem Stuhl auf und rückte die Brille zurecht. Er reichte Blix die Hand.
»Otto Myran«, stellte er sich vor.
Blix schätzte Myran auf Mitte dreißig. Der Mann forderte Blix auf, auf einem der insgesamt drei Stühle Platz zu nehmen, die etwas entfernt voneinander standen. Der Stuhl, auf dem Myran gesessen hatte, bildete die Spitze des Dreiecks.
Myran setzte sich wieder und schlug die Beine übereinander. Er faltete die Hände, sagte aber nichts, sondern starrte Blix nur schweigend, aber freundlich an.
»Warten wir auf jemanden?«, fragte Blix.
»Er kommt sicher jeden Moment«, antwortete Myran.
Es pochte in den Schläfen. Er spürte, dass die Wunden zu heilen begannen, auch wenn sein Gesicht noch immer geschwollen war und sich taub anfühlte.
Die Tür ging auf.
Jakobsen war zurück. Er blieb draußen auf dem Flur stehen und wies jemanden an, in den Raum zu gehen.
Jarl Inge Ree trat über die Türschwelle. Es dauerte ein oder zwei Sekunden, dann blieb er wie angewurzelt stehen.
»Was … soll die Scheiße?«
Blix begegnete dem ebenso überraschten wie verächtlichen Blick. Die Wunde unter seinem Pflaster meldete sich stechend zurück.
Jakobsen führte Ree zu dem freien Stuhl und blieb zwischen ihm und Blix stehen.
»Was soll der Mist hier?«, schimpfte Ree.
Myran sagte nichts, sondern deutete schweigend auf den Stuhl neben Blix.
Jakobsen trat einen Schritt zurück und lehnte sich an die Wand, jederzeit bereit, dazwischen zu gehen, sollte es notwendig sein.
»Ich bin Sozialarbeiter«, begann Myran. »Sie haben mich hier vielleicht schon mal auf einem der Flure gesehen.«
Weder Blix noch Ree antworteten.
»Wie Sie wissen, ist es die Aufgabe der Kriminalfürsorge, die Verurteilten zu rehabilitieren und auf ihr zukünftiges Leben in Freiheit vorzubereiten. Wir Sozialarbeiter bilden dabei eine Art Brücke zwischen der Kriminalfürsorge und der Umwelt. Unser Ziel ist es, Ihnen das Gefühl zu vermitteln, ein Teil der Gesellschaft zu sein, und dass Sie den Wunsch entwickeln, selbst einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten zu wollen.«
Ree schnaubte.
Blix sagte nichts.
»Und das«, fuhr Myran fort, »ist immer schwierig, wenn …«, er wog seine Worte ab, »… wenn es im Gefängnisalltag etwas gibt, das diesem Wunsch entgegensteht. Das s