: Rainer Kempe
: Die Oase der Feen Eine wundervolle Liebe zu einer Fee
: Spica Verlag
: 9783946732976
: 1
: CHF 13.00
:
: Fantasy
: German
: 196
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die tiefsinnige Geschichte erzählt von einer Liebe, die es nicht geben darf, voller Leidenschaft, Emotionen, Schmerz und Dramatik. Die Fee Mandy und der Journalist Paul erleben eine tiefe und leidenschaftliche Liebe, für die es keine Zukunft zu geben scheint. Der Leser wird hineingezogen in die Gefühlswelt zweier Liebenden, er erlebt tiefsinnige, aber auch zum Schmunzeln anregende Dialoge. Feinfühlig geschilderte erotische Momente verleihen der Liebe zwischen Mandy und Paul einen besonderen Glanz. Die Schauplätze führen von Berlin aus in die griechische Hafenstadt Lavrio, auf die Insel Gyaros in der Ägäis und in das Altaigebirge. Der Autor dringt mit seiner Geschichte ins Mystische ein, ohne dabei den Bezug zur realen Welt zu verlieren.

Rainer Kempe, Jahrgang 1948, wurde in Berlin geboren. Nach seinem Studium an der Technischen Universität in Dresden arbeitete er zunächst als Konstrukteur in der Industrie. Es schlossen sich leitende Funktionen an einem Forschungsinstitut an. 1988 promovierte er an der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden zum Dr.-Ing. der Automatisierungstechnik. Seit 1990 ist Rainer Kempe als freiberuflicher Ingenieur tätig. Bereits als Jugendlicher ging er seinen musischen Ambitionen im Jugendclub des alten Friedrichstadtpalastes nach. Dort stand er auch als Kleindarsteller auf den Brettern, die die Welt bedeuten. In seiner Freizeit schreibt er aus Leidenschaft und lässt Fantasien freien Lauf.

Das Tor

Die warme Junisonne lockt ins Freie. Im Nachmittag gehe ich in die Stadt. Ich möchte alleine sein und meine Gedanken ordnen. Der Weg führt mich zunächst in die historische Auguststraße im Zentrum Berlins mit der so wundervollen Architektur aus der Gründerzeit bis hin zum Jugendstil. Benannt wurde diese Straße einst nach dem preußischen GeneralPrinz Friedrich Wilhelm Heinrich August von Preußen. Hier findet man viele einladende Kunstgalerien, lernt interessante Menschen kennen oder verweilt in einem der schönen Cafés oder Restaurants. Clärchens Ballhaus mit dem historischen Spiegelsaal zieht Jung und Alt an. Dem Gründerzeitbau ist ein großer Gartenbereich vorgelagert. In der warmen Jahreszeit tummeln sich dort nicht nur die Berliner und man findet kaum noch einen freien Platz.

Am liebsten verweile ich beimSimon, meinem Lieblingsitaliener. Gegenüber auf dem Bürgersteig sind Tische eingedeckt. Ich finde einen schattigen Platz unter einem gewaltigen Ahorn. Der Kaffee mundet heute besonders gut. Vielleicht empfinde ich das deshalb so, weil mich eine Ruhe und Ausgeglichenheit umgibt. Ab und zu bekomme ich Besuch von Berliner Spatzen, die meinen Tisch inspizieren. Damit sind natürlich Sperlinge gemeint und nicht etwa Berliner Kinder, denen man gern den Kosenamen Spatz gibt. Gedankenversunken drehe ich mit den Fingern meinen kleinen Talisman, ein hölzernes Pferdchen, hin und her. Ich genieße die nachmittägliche Ruhe, bevor es dann im frühen Abend turbulenter werden wird. Bevor das passiert, schlendere ich durch interessante Seitenstraßen und bewundere die alte Architektur, wie sie nach der Rekonstruktion in den letzten Jahren neu erstrahlt.

Auf einem Hof bleibe ich vor einer durch Efeuwuchs berankten Fassade stehen. Ein märchenhafter Anblick wie aus einer vergangenen Zeit. Mein Blick ruht auf dieser schönen Fassade. Etwas versteckt durch den Efeu erkenne ich ein schwungvoll gestaltetes Rundbogentor aus schwerem Holz, welches durch altes Mauerwerk eingefasst ist. Was wird sich wohl dahinter verbergen?, frage ich mich. Es gibt kein Namensschild, keine Klingel. Meine Neugier steigert sich, denn so ein kunstvoll gestaltetes Eingangstor bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

Meine Gedanken werden offenbar erhört, denn das große schwere Tor öffnet sich unmittelbar vor mir. Es quietscht gewaltig. Was ist das? Ich traue meinen Sinnen nicht, als ich in die wunderschönen Augen einer märchenhaft anmutenden Frau schaue. Nur mit einem hellblauen, leicht durchsichtigen Tüll ist sie bekleidet. Süße Knospen zeichnen sich unter dem Tuch ab. Geblendet von ihrem Anblick bin ich zu keiner Regung imstande. Sie schaut mich lächelnd an, nimmt mich an die Hand, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Wie hypnotisiert folge ich. Wir gehen einen langen, dunklen Gang entlang, der mich an ein mittelalterliches Gemäuer erinnert. Ich lasse es geschehen, ohne zu erahnen, dass diese Stunde mein Leben tief verändern wird. Am Ende des Ganges öffnet sie ein weiteres Tor.

Was ich hier sehe, liegt jenseits meiner Vorstellungskraft. Meereswellen, ein weißer Sandstrand und dahinter die Dünen. Ein strahlend blauer Himmel rundet das Bild ab. Neben mir das Mädchen, so schön, so zart und so anmutig. Sie schaut mich an und spricht:

„Ich binMandy. Schön, dass du den Weg zu mir gefunden