: Sabine Gabriele Thomas
: Just love oder Scheinliebe?
: Spica Verlag
: 9783985030439
: 1
: CHF 12.90
:
: Spannung
: German
: 5040
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Kamel und ein Glücksschwein? Passt das zusammen? Wo ist da eine Verbindung? Ist eine gelungene Verbindung möglich? Und welche Rolle spielen die jungen Skiläufer, die für die Paralympics trainieren? Das Kamel gehört zum Orient und das Glücksschwein zum Okzident. Ähnlich diametral scheinen sich die Kulturen zwischen Ost und West gegenüberzustehen. Wer bereit ist, in verschiedene Lebenswelten tiefer einzudringen, dem werden sich bei der Lektüre dieses Buches 'Türen' auftun. Mit vielen Wortspielen ergibt sich ein Grundverständnis für die arabische Sprache. Die Protagonistin dieses philosophischen Kriminalromans hat arabische Sprache und Islamwissenschaften studiert. Die Geschichte ihrer Familie, deren Zentrum ein kleiner Skiort in den Dolomiten ist, spielt auf internationalem Boden. Die Handlung wechselt zwischen den Kulturen hin und her und die arabische Poesie ist ebenso wie die italienische ein Stilmittel. Welche Facetten der Liebe sind wirkliche Liebe und welche entpuppen sich als gewalttätige Scheinliebe?

Sabine Gabriele Thomas wurde in Ulm geboren, studierte an der Universität Darmstadt Bauingenieurwesen und arbeitete 30 Jahre an den unterschiedlichsten Projekten mit. Zuletzt war sie Teamleiterin für Bauphysik in einem Ingenieurbüro. Ihr Interesse gilt nicht nur dem nachhaltigen Bauen, sondern auch einer Städteplanung, die Energieeinsparung verbunden mit den Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben der Menschen im Blick hat. Angestoßen durch die Flüchtlingskrise kam zu ihrem Hobby 'Sprachen' das Interesse für die arabische Sprache und den Orient dazu. Aus den Wörtern wurde vieles wie 'von selbst' geboren. Inspiriert durch reale Gespräche, Bauwerke, Landschaften und vor allem durch die Poesie, ist das vorliegende Buch entstanden. Die Personen und die Handlung sind frei erfunden. Sabine Gabriele Thomas ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkel.

Il Frecciargento


Papa Federico hatte beruflich in Bozen zu tun. Um Chiara auf andere Gedanken zu bringen, setzte er sich mit Nachdruck dafür ein, dass sie ihn begleitete. Es war viel Überzeugungsarbeit notwendig, bis sie schließlich einwilligte.

Er konnte sie letztendlich überreden, indem er ihr etwas Besonderes anbot: eine Zugfahrt in einem der neuen Hochgeschwindigkeitszüge, dem Frecciargento, dem Silberpfeil. Das war eine Abwechslung für Chiara, dem leicht verwöhnten Einzelkind aus einer wohlhabenden italienischen, zweisprachigen Familie, die ihre Wege immer nur in komfortablen Karossen zurücklegte. Sie war daran gewöhnt, von einem Chauffeur in die Schule gebracht zu werden. Aber vor kurzem war alles anders geworden. Vor vierzehn Monaten war ihre Mama sehr schnell an Krebs gestorben. Und vor zwölf Monaten hatte sie diesen schrecklichen Unfall. Seitdem gab es außer Krankenhausaufenthalten und Trauerarbeit keine Abwechslung mehr.

Nun standen sie am Bahnhof von Verona und warteten auf den Frecciargento. Papa Federico war ein sportlicher, schlanker, für einen Italiener hochgewachsener Mann von 1,93 m. Er hatte kurze, lockige Haare, die begannen grau zu werden. Und eine hohe Stirn, unter der sich blaue Augen, umrandet von Lachfältchen, befanden. Den halbergrauten Bart trug er sehr kurz geschnitten, etwas länger als einen Dreitagebart. Das Gesicht war leicht länglich mit einer perfekten Nase und schmalen Lippen. Gekleidet war er in Businesslook, in Anzug mit weißem Hemd und mit Krawatte.

An seiner rechten Seite stand Chiara im Sommerkleid, passend zur Hitze. Chiara war dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie hatte die gleichen blauen Augen, die durch das blaue, mit weißen Tupfen aufgelockerte Sommerkleid noch hervorgehoben wurden. Das Kleid war in der Taille gefasst und hatte Spaghettiträger. Dazu trug Chiara weiße Zehensandalen. Über die Schulter hatte die junge Dame locker ein weißes Jäckchen gehängt. Und mit den langen, leicht gelockten, blonden Haaren, die sie offen trug, erinnerte sie an einen Engel.

Plötzlich stand der Frecciargento neben ihr. Er war so leise, dass sie ihn nicht kommen gehört hatte. In Gedanken versunken befand sie sich in einer anderen Welt. Aufgewacht konnte sie nur staunen. Dieser Frecciargento war ein hochmoderner, silbergrauer Hochgeschwindigkeitszug. Unterstrichen wurde die Wirkung von Hypermodernität und Geschwindigkeit durch die roten Streifen unten und oben entlang des Zuges sowie durch die lange „Schnauze“. Fenster, Lichter sowie die roten Streifen liefen spitz nach unten aus und betonten so das futuristische Aussehen des Zuges. Das Design machte dem Namen alle Ehre. Da stand ein Pfeil auf dem Bahnsteig, der mit einer Geschwindigkeit von 250 km von Verona nach Bozen fahren würde.

Am Arm ihres Vaters stieg Chiara in den Zug ein. Sie durchquerten mehrere Zweite-Klasseabteile, die an sich schon komfortabel genug waren, bis sie schließlich im noch geräumigeren Abteil der ersten Klasse an einem Tisch Platz nahmen. Chiara ließ sich in einen Sessel gegenüber von Federico fallen. Santa Maria, dachte dieser, wie blass seine große Kleine immer noch war. Traurig schauten die blauen Augen in die Welt.

Der Zug begann wieder anzurollen, als sich eine dunkelhäutige junge Frau neben ihn setzte. Sie zitterte am ganzen Körper. Er warf ihr freundliche Blicke zu, um ihr zu signalisieren: „Ich tue dir doch nichts.“

Das Herz schlug ihr bis zum Halse, merkte Bayan. Gerade noch geschafft. Sie war hinter dem Rücken des Schaffners, der nach links verschwand, eingestiegen. Deshalb bog sie ins rechte Abteil ab.

Aber wo sollte sie sich hinsetzen? Dem Schaffner durfte sie nicht begegnen. Also musste sie sich so setzen, dass sie die Türe zum Abteil und das Abteil davor beobachten konnte.Heilige Maria, Mutter Gottes, hilf mir, fing sie an zu beten. Und ließ sich vor Erschöpfung neben Federico nieder, der ihr beruhigend wirkende, freundliche Blicke zuwarf. Nach und nach hörte das Zittern auf und sie warf einen Blick auf das junge Mädchen, das ihr gegenübersaß.

Heilige Maria, Mutter Gottes, es gibt ja w