: Rainer Grebe
: Die Toten vom Tiergarten Ein Fall für Kramer
: Spica Verlag
: 9783985030507
: 1
: CHF 13.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 228
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Tiergarten wird nahe der Kongresshalle die Leiche einer jungen Frau gefunden. War es Mord oder das Ergebnis einer aus dem Ruder gelaufenen Strangulation beim Liebesakt? Schnell gerät ein bekannter Berliner Schauspieler ins Visier der Ermittlungen. Als nur wenig später ein Stadtstreicher und wichtiger Zeuge im Tiergarten ermordet wird, steht Oberkommissar Kramer in seinem letzten Fall vor einem Rätsel. Der Pressewirbel um den in Verdacht geratenen Schauspieler lässt eine konzentrierte Ermittlungsarbeit kaum zu. Als Kramer, der seit zwei Jahren mit Maggi verheiratet ist und mit ihr eine kleine Tochter hat, in Frohnau ein Haus kauft und dort mit seiner Familie einzieht, gerät er völlig unerwartet in eine schwere Identitätskrise. Seine Ehe scheint in dieser Phase zu zerbrechen. Nach dem Mord an einer weiteren Zeugin muss er zudem erkennen, dass der Mörder ihm und seinem Ermittlerteam immer einen Schritt voraus ist. Jetzt sucht er nicht nur nach dem Täter, sondern auch noch den 'Maulwurf ' in der Westberliner Kriminalpolizei. Die Serie der Morde kann trotz fieberhafter Ermittlungen nicht gestoppt werden. Wird Kramer, als er endlich den Mörder stellt und ihm gegenübersteht, zu dessen sechstem Opfer?

Rainer Grebe wurde 1941 in Berlin geboren. Nach dem Abitur und einem anschließenden Fachhochstudium arbeitete er unter anderem im Personal- und Gesundheitsmanagement. Nebenberuflich war er über 30 Jahre Volleyballtrainer für Frauenmannschaften im Bereich des Volleyballverbandes Berlin.

Der erste Mord


Es war kurz nach Mitternacht, als die rote Limousine denGroßen Stern an der Siegessäule erreichte. AmSpreeweg verließ der Wagen den Kreisverkehr und bog rechts ab. Soeben hatte er das SchlossBellevue auf der linken Seite passiert, als er kurz vor dem Abzweig zur John-Forster-Dulles-Allee plötzlich langsamer wurde und rechts auf die – parallel zur Spree verlaufenden – Straße einbog. Die John-Forster-Dulles-Allee führt zur Kongresshalle, die von den Berlinern liebevollSchwangere Auster genannt wird. Der Fahrer des roten Citroen DS 19 hatte jetzt auf Standlicht umgeschaltet und fuhr nur noch im Schritttempo über die schwach beleuchtete Fahrbahn. Er hatte eine kurze Strecke zurückgelegt, als er unvermittelt stoppte und auf ein links der Straße brachliegendes Gelände am Rande der Spree rollte. Obwohl der Fluss an dieser Stelle nur einen Steinwurf entfernt dahinfließt, versperrten vereinzelte Bäume und dichtes Gestrüpp den Blick auf das Wasser. Der Fahrer schaltete in jenem Moment, als er die Straße verließ, die Scheinwerfer aus und der Wagen rollte nun durch Dunkelheit langsam bis kurz vor das Buschwerk am Uferrand. Der Motor wurde ausgeschaltet und die Limousine war in der Finsternis jetzt nur noch schemenhaft zu erkennen. Die vielen Wolken am Berliner Nachthimmel ließen den Mond und seinen Schein nur erahnen. Auch im Inneren des Wagens blieb es dunkel, nichts rührte sich, nichts war zu sehen.

Es war fast eine halbe Stunde vergangen, als sich plötzlich die Fahrertür öffnete und eine männliche Gestalt aus dem Auto stieg. Der Mann blieb vor der offenen Tür stehen, schien erschöpft, stützte sich mit beiden Händen auf dem Autodach ab. Dann richtete er sich auf, ordnete seine Kleidung, schloss den Gürtel seiner Hose. Nach einem kurzen Zögern lief er um das Heck des Citroens auf die andere Seite und öffnete dort die Beifahrertür. Der Mann beugte sich in den Wagen hinein, war für einen kurzen Moment nicht mehr zu sehen. Als er wieder zu erkennen war, zog er einen Körper – es war der einer Frau – nach draußen. Er hatte seine beiden Arme offensichtlich um ihren Oberkörper geschlungen und bewegte sich vorsichtig in kleinen Schritten rückwärts auf das Gebüsch zu. Dort ließ er den offensichtlich leblosen Körper zu Boden gleiten. Er richtete sich schnell wieder auf, verharrte so, als lauschte er, ob nicht vielleicht doch irgendjemand in seiner Nähe sei. Als alles ruhig blieb, schlich der Mann zum Auto zurück, schloss leise die Beifahrertür und huschte um das Heck zurück zur Fahrerseite. Er stieg ein und schloss auch diese Tür ganz leise. Sofort startet er den Wagen, wendete und fuhr langsam ohne Licht zurück auf die Straße. Kurz bevor das Fahrzeug denSpreeweg erreichte, schaltete der Fahrer die Beleuchtung wieder an. Er schlug denselben Weg ein, der ihn kurz nach Mitternacht hierher geführt hatte.

Maggi lehnte sich entspannt in den Sessel zurück. Bis vor wenigen Minuten hatte sie Paula gestillt, jetzt schlief ihre kleine Tochter gesättigt und zufrieden wieder in ihrem Arm. Zärtlich strich sie ihr über die kleinen, pechschwarzen Löckchen.

Noch vor einem Jahr hatten sie oft Unsicherheit und Zweifel beschlichen, ob sie – und wenn ja, wie – mit ihrer neuen Aufgabe als Mutter und Hausfrau klarkommen, diese annehmen und ohne Traurigkeit an ihre Arbeit in der Mordkommission zurückdenken würde. Und dann? – Dann war alles ganz einfach gewesen. Es war genauso gekommen, wie es ihre Kollegin – inzwischen beste Freundin – Rosi damals beschrieben hatte:

„Es gibt sicher sehr wichtige Dinge im Leben, aber es gibt auch Dinge, die sind wichtiger als alles andere auf der Welt.“ 

Wer oder was konnte schon