: Lukas Fries-Schmid
: Hör auf zu helfen Ohnmacht als Tor zum göttlichen Geheimnis
: Echter Verlag
: 9783429065706
: 1
: CHF 12.60
:
: Praktische Theologie
: German
: 192
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ohnmacht ist kein gutes Gefühl. Aber sie gehört zu unserem Leben. Und sie kann ein Tor sein zur Gegenwart Gottes. Trotzdem antworten wir auf Ohnmacht oft mit Macht - und lassen so Gott außen vor. Auch Helfen kann eine Form von Machtausübung sein. Zumindest aus spiritueller Sicht ist dies jedoch keine gute Antwort. Wie aber sollen wir dann mit der Erfahrung von Ohnmacht umgehen, wenn wir anderen helfen? Aus seiner jahrelangen Erfahrung in der Begleitung von Menschen in Krisensituationen macht Lukas Fries-Schmid in Theorie und Praxis deutlich: Notwendig ist eine andere Art zu helfen und ein neuer Blick auf Ohnmacht. Ohnmacht in unser Leben einzubeziehen, sie auszuhalten und nicht vorschnell eine Lösung herbeiführen zu wollen ist ein höchst aktives Tun. Etwas, das uns öffnen kann für Überraschungen, für neue, ungeahnte Lösungen, für die Gegenwart Gottes. ? Vom Umgang mit der Ohnmacht

Lukas Fries-Schmid, geboren 1973, verheiratet, Vater von Zwillingen. Studierte Theologie (in Luzern und Berlin) sowie Pastoralpsychologie (in San Francisco und Bern). Seit 2009 lebt er auf dem Sonnenhügel in Schüpfheim bei Luzern. Im Rhythmus von Aktion und Kontemplation begleitet er dort Menschen in Auszeiten und Krisensituationen.

2 – Helfen bis zur Verzweiflung


Und wenn plötzlich das Dunkel zu mir spricht?
Wenn Krankheit, Schmerz und Alter mir Grenzen setzen?
Was, wenn du mir plötzlich unerreichbar weit weg bist?
Wenn das Suchen scheinbar kein Ende findet?
Ist es erlaubt,
im Angesicht des Todes überall
dich in der Schönheit überhaupt noch zu erkennen?

Ich könnte umkehren, Gott,
und mich dem Schein des selbstgemachten Glücks hingeben.
Ich könnte so tun,
als ob ich Macht hätte.
Dann hätte ich die Ohnmacht nicht hinzunehmen
und bräuchte deine Gnade nicht.

Aber ich will ausharren, Gott,
bis dass der Vorhang zerreißt
und du mir in neuem Licht erscheinst.

LFS

Als Erstes haben wir gesehen, dass es beim Helfen nichtum mich geht. Helfen wollen birgt noch eine zweite Gefahr. Dann nämlich, wenn ich meine, es gehe nichtohne mich. Natürlich gibt es Situationen, in denen es in der Tat nicht ohne mich geht. Immer, wenn es darum geht, Leben zu retten oder eine Not zu lindern, muss ich selbstverständlich unverzüglich handeln. Eine solche Situation ist hier aber nicht gemeint.

In den allermeisten Hilfssituationen geht es nämlich sehr wohl ohne mich, auch wenn wir das nicht gerne hören. Denn es schmeichelt mir, wenn ein Gegenüber mich um Hilfe fragt. Nur soll ich mich deswegen nicht zu wichtig nehmen. Es ist paradox: Wenn ich um Hilfe gebeten werde, braucht es mich, aber gleichzeitig soll ich mir bewusst sein, dass es auch ohne mich ginge.

Was geschieht, wenn ich mich zu wichtig nehme und meine, es gehe nicht ohne mich? Dann mache ich das Wohlergehen meines Gegenübers von meinem Tun und Lassen abhängig. Das ist für beide Seiten gefährlich. Der Hilfesuchenden nehme ich damit einen Teil ihrer Selbständigkeit; das wird im nächsten Kapitel noch Thema sein. Und ich selber setze mich dadurch einem Druck aus, der nicht sachgerecht ist. Denn das Wohlergehen meiner Mitmenschen kann nie und nimmer al