2 – Helfen bis zur Verzweiflung
Und wenn plötzlich das Dunkel zu mir spricht?
Wenn Krankheit, Schmerz und Alter mir Grenzen setzen?
Was, wenn du mir plötzlich unerreichbar weit weg bist?
Wenn das Suchen scheinbar kein Ende findet?
Ist es erlaubt,
im Angesicht des Todes überall
dich in der Schönheit überhaupt noch zu erkennen?
Ich könnte umkehren, Gott,
und mich dem Schein des selbstgemachten Glücks hingeben.
Ich könnte so tun,
als ob ich Macht hätte.
Dann hätte ich die Ohnmacht nicht hinzunehmen
und bräuchte deine Gnade nicht.
Aber ich will ausharren, Gott,
bis dass der Vorhang zerreißt
und du mir in neuem Licht erscheinst.
LFS
Als Erstes haben wir gesehen, dass es beim Helfen nichtum mich geht. Helfen wollen birgt noch eine zweite Gefahr. Dann nämlich, wenn ich meine, es gehe nichtohne mich. Natürlich gibt es Situationen, in denen es in der Tat nicht ohne mich geht. Immer, wenn es darum geht, Leben zu retten oder eine Not zu lindern, muss ich selbstverständlich unverzüglich handeln. Eine solche Situation ist hier aber nicht gemeint.
In den allermeisten Hilfssituationen geht es nämlich sehr wohl ohne mich, auch wenn wir das nicht gerne hören. Denn es schmeichelt mir, wenn ein Gegenüber mich um Hilfe fragt. Nur soll ich mich deswegen nicht zu wichtig nehmen. Es ist paradox: Wenn ich um Hilfe gebeten werde, braucht es mich, aber gleichzeitig soll ich mir bewusst sein, dass es auch ohne mich ginge.
Was geschieht, wenn ich mich zu wichtig nehme und meine, es gehe nicht ohne mich? Dann mache ich das Wohlergehen meines Gegenübers von meinem Tun und Lassen abhängig. Das ist für beide Seiten gefährlich. Der Hilfesuchenden nehme ich damit einen Teil ihrer Selbständigkeit; das wird im nächsten Kapitel noch Thema sein. Und ich selber setze mich dadurch einem Druck aus, der nicht sachgerecht ist. Denn das Wohlergehen meiner Mitmenschen kann nie und nimmer al