: Joan Aiken
: Die Party-Köchin
: Diogenes
: 9783257612455
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Nach dreizehn Jahren quält die Chefin eines Party-Catering-Service, Clytie Churchill, immer noch die Frage, ob ihr Stiefsohn Finn bei einem Unglücksfall auf See wirklich mit ihrem Mann Daniel ums Leben kam oder ob die Briefe, die sie seit einiger Zeit bekommt, von ihm sein könnten. Nach einem Ärztekongress erzählt sie dem Arzt Dr. Rabuse in einer durchzechten Nacht ihre bewegte Lebensgeschichte.

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

Wo wart ihr, Nymphen, als sich überm Haupt

des Lycidas die Flut schloß mitleidslos?

Als ich Daniel Suter kennenlernte, war ich in einem Schockzustand. Ich saß in einem Zug aus Cornwall, wo mir viel zu plötzlich zu viele schreckliche Dinge zugestoßen waren, und war unterwegs nach London, das sich, soweit es mich betraf, vor mir auftat wie das besagte Schwarze Loch im Kosmos. In Cornwall hatte ich meine liebste Freundin verloren. Sie war von einem armen, verrückten Kerl an Stelle einer anderen irrtümlich erschossen worden; er selbst war später durch einen Sturz von einem Viadukt ebenfalls ums Leben gekommen. Und so war keiner mehr da, den man beschuldigen oder trösten konnte. Außerdem hatte ich meine Chance zu lieben verloren; hatte mich mit größtem Widerstreben und unter schlimmsten Qualen aus der Nähe eines Mannes abgesetzt, für den ich auf den Scheiterhaufen gegangen wäre. Unglücklicherweise brauchte er niemanden, der für ihn auf den Scheiterhaufen ging; er brauchte nichts dergleichen. Ich hätte ihm nicht gutgetan, und obwohl ich noch so jung war, begriff ich das – zum Glück für ihn. Er war einfach, ich bin schwierig; mit der Zeit hätte ich ihm sehr geschadet. Wir wollen, wenn’s recht ist, nicht einmal seinen Namen nennen.

Ich war neunzehn.

Da fand ich mich also in diesem gottverdammten Zug wieder, der erst in sechs Stunden am Ziel sein würde. Sechs Stunden schleichender, schmerzlicher Leere. Ich war wie eine Schnecke, der man das Haus weggerissen hatte, war wund und blutete vom Nacken bis zur Ferse. Meine ganze Vergangenheit war mir gewaltsam entrissen worden; ich hatte nichts mehr, vor mir lag nur Leere. Auch – achten Sie nicht auf die Redewendungen – hatte ich ein gebrochenes Bein in einem unförmigen Gipsverband und war gezwungen, mich mühsam und nicht gerade schmerzfrei an zwei die Arme verrenkenden Krücken herumzuschleppen. Nur der liebe Gott wußte, wie ich im Zug mit den lebensnotwendigen Dingen zurechtkommen sollte; zum Beispiel durch den schmalen Gang zur Toilette zu gelangen war ein Ding der Unmöglichkeit, das war mir klar.

Wir krochen durch das feuchte, hügelige Cornwall und immer weiter bis nach Devon.

Inzwischen entdeckte ich inThe Times (die freundliche Frau, die mich zum Bahnhof gefahren hatte, hatte sie mir gekauft), daß noch einer meiner Freunde gestorben war; ein Mann, den ich seit mehreren Jahren kannte und mit dem ich eine Zeitlang auch ins Bett gegangen war; er war bei einer transatlantischen Segelregatta ertrunken – würde also n