April1859
Als Matthew Bilbo nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis kam, war seine erste Regung, die Spitze des nächstgelegenen Hügels zu erklettern.
Es fehlten noch einige Stunden bis zur Dämmerung, als das große Tor hinter ihm zuschlug und er, ein freier Mann mit schwerem Herzen, mitten hinein in die Stadt Winchester ging. Die im Schatten liegenden Straßen waren noch leer und still, feucht glitzernd von einem leichten Regen, der über Nacht gefallen war; er sah keinen Wegweiser oder Menschen, die ihm über seinen Heimweg Auskunft hätten geben können. Doch bald behauptete sich ein lange brachgelegener Hirtensinn, und er begann langsam, doch mit Gewißheit, sich nach Osten aufzumachen, den langgestreckten Hügel hinauf, der nach Petersfield, Midhurst und Petworth führte. Seine Beine fühlten sich seltsam schwach an. Seine Augen schmerzten von unterdrückten Tränen. Werd wohl langsam ein alter Mann, dachte er, so um die fünfzig herum. Das Leben im Gefängnis war so ereignislos gewesen, daß das Rad seiner Erinnerung in letzter Zeit ein, zwei Zähne verloren zu haben schien und sich etwas verschwommen im Kreise drehte, manches ganz deutlich zeigte, doch an anderem nebelhaft vorbeitrieb. Ursprünglich hatte sein Urteil wegen Wilderei auf fünfzehn Jahre gelautet; doch dann hatte er ein paarmal zu fliehen versucht, das erste Mal, als die Nachricht kam, Martha heirate jemand anderen, dann, als man seine Eltern aus der Hütte vertrieb. Er war gefaßt worden, und das hatte natürlich seine Strafe erhöht, und man hatte ihn nach Winchester verlegt. Doch nach Marthas Heirat und dem Tod seiner Eltern hatte er sich dreingeschickt; mit der Zeit hatte er gelernt, ruhig zu sein und zu ertragen, daß die schleppenden Jahre nach ihrem eigenen Schrittmaß kamen und gingen. Die Einsamkeit war schon immer sein Gefährte gewesen, denn die Stille bleibt sich ziemlich gleich, ob man sie nun in einer Zelle oder auf einem verregneten Hang erlebt, wenn sich die Southdown-Herde an den Erdboden schmiegt. Die langen Stunden mit sich selbst als Gesellschaft bedrückten ihn weniger als die meisten Häftlinge. Gewiß, das Mäh der Schafe und der Gesang der Lerchen hatten ihm gefehlt; nun, während er recht langsam und steif die Straße nach Petersfield entlangging, entdeckte er, wie sehr ihm die Luft der Hügel gefehlt hatte; sie schmeckte rein und kalt wie Quellwasser.
Nach fünf oder sechs Meilen begann seine Gefängnissteifheit nachzulassen, und er bewegte sich besser; überdies hatte er den Kamm erreicht und war auf einen ebenen, steinigen Pfad gekommen; vor ihm zeichneten sich die ge