: Joan Aiken
: Der Schmuck der Lady Catherine
: Diogenes
: 9783257612479
: 1
: CHF 10.00
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Auf Rosings Park lief immer alles so, wie es sich gehörte, und vor allem so, wie Lady Catherine es wollte. Doch plötzlich bringen ein Kutschenunfall und unerwarteter Besuch den gewohnten Lauf der Dinge durcheinander und die Gefühle aller Beteiligten in Aufruhr...

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

Die Grafschaft Kent ist berühmt für ihren Reichtum an Obst und Blumen, aber auch für ihre sibirisch kalten Winter und jähen Witterungsumschwünge mit arktischen Temperaturen zu einer Jahreszeit, da man ganz anderes zu erwarten gewöhnt ist.

Von einem dieser unerwarteten Schneestürme wurden ein Herr und eine Dame überrascht, die an einem zunächst milden Apriltag in einer Kutsche über die Mautstraße zwischen Canterbury und Ashford rollten. Die vom peitschenden Schneeregen geblendeten Pferde waren von der Fahrbahn abgekommen und hatten das Fahrzeug in einen Graben gerissen, so daß es kippte und erheblich beschädigt wurde. Zudem hatte die Dame, als ihr Gefährte ausgestiegen war, um ihr aus der Kutsche zu helfen, noch das Pech, beim Herunterspringen in dem vereisten Schlamm auszurutschen.

Sie stieß einen spitzen Schmerzensschrei aus.

»O Himmel! Mein Knöchel!«

Der fluchende und mit seinem Gespann kämpfende Kutscher schien nicht gewillt, ihr Beistand zu leisten, aber als ihr Begleiter sich hilfesuchend umsah, gewahrte er zu seiner Erleichterung durch das Schneegestöber am Ende des sanft ansteigenden Geländes ein offenbar recht stattliches Herrenhaus.

»Am Ende des Weges, der hier auf die Landstraße einmündet, scheint das Pförtnerhaus zu sein«, sagte er. »Glaubst du, daß du dich bis dahin schleppen könntest? Von dort wäre man gewiß bereit, ins Herrenhaus um Hilfe zu schicken.«

Doch während die Dame noch heftig beteuerte, sie könne keinen Schritt, keinen einzigen Schritt tun und würde lieber sterben, als sich auf dieser abscheulichen schneebedeckten Böschung niederzulassen, eilten schon zwei vertrauenerweckend aussehende Männer – Gärtner oder Wildhüter – herbei, um ihre Dienste anzubieten. Ein Tragstuhl war schnell beschafft, und die Verletzte wurde zunächst zum Pförtnerhaus transportiert.

Der Aufenthalt in dieser bescheidenen, durch schreiende Kleine und ihre geplagte Mutter sowie zahlreiche Wäscheleinen mit nassem Kinderzeug recht beengten Behausung erwies sich als nicht viel genußreicher als der Verbleib unter freiem Himmel. Doch sehr bald kehrte ein ins Herrenhaus entsandter dienstbarer Geist mit der Nachricht zurück, man sei bereit, ihnen dort Gastfreundschaft zu gewähren und ärztlichen Rat zukommen zu lassen. Während man die Dame ins Herrenhaus trug, bemühte sich ihr Begleiter, die Überführung seiner