2. KAPITEL
Als Aisha wieder in ihrem Büro war, ging sie zu einem der Fenster und sah auf die ausgedehnten Weinberge hinaus. Sie wusste, dass Muzis UnternehmenClos du Cadieux die Weinberge von Ro gepachtet hatte.
Wenn ihr Job erledigt war, würde das Hotel mit luxuriösen Möbeln, fantastischen Kunstwerken und klassischer Musik in den Gemeinschaftsbereichen zum Leben erwachen und das diskrete Personal umgehend jeden Wunsch der Gäste erfüllen.
Die tolle Aussicht auf die Weinberge und das Gebirge würde die Gäste verlocken, abzuschalten und sich zu entspannen. Sie konnte aus diesem Ort eine Oase der Ruhe für die Reichen, Berühmten und Gestressten machen – dabei musste sie nur Pasco Kildare ignorieren.
Sie konnte einfach nicht aufhören, an ihn zu denken. Er war reifer geworden und sah toll aus. Sexy und stark. Sie erinnerte sich daran, wie gut er geküsst hatte. Wie sich seine Lippen auf ihrem Mund und seine geschickten Hände auf ihrer Haut angefühlt hatten. Mit nur einem heißen Blick hatte er sie zum Erschauern bringen können. Es war so lange her. Dennoch kam es ihr wie gestern vor.
Erinnerungen an die kurze Ehe stiegen in ihr auf: an das kleine Apartment und das Doppelbett, das sie geteilt hatten. An das zusammengewürfelte Geschirr und die kleine, ramponierte Ledercouch, die er auf einem Garagenflohmarkt erstanden hatte. An den Duft seiner Haut.
Er hatte sie immer fest in den Armen gehalten, wenn sie miteinander geschlafen hatten, und geseufzt, wenn er in sie eingedrungen war. Egal, ob sie zehn Minuten oder zehn Stunden getrennt gewesen waren, hatte er ihr zur Begrüßung immer die Hand auf den Rücken gelegt, sie an sich gezogen und so leidenschaftlich geküsst, als würde er sie niemals wiedersehen.
Hatte er geahnt, dass ihre Beziehung nicht lange halten würde? Er war besessen von seiner Karriere gewesen und sie von der Vorstellung, verheiratet und seine Ehefrau zu sein. Als einsame, unsichere Neunzehnjährige hatte sie sich verzweifelt danach gesehnt, der Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Familie zu sein und mit ihm als Partner durchs Leben zu gehen. Danach, dass er hinter ihr stand und sie zum Dreh- und Angelpunkt seiner Welt machte.
Sie war ihm in einer Kneipe begegnet und sofort hingerissen von seinem Selbstvertrauen gewesen. Er war ein Mann, mit dem alle Frauen zusammen sein wollten und den alle anderen Männer beneideten. Dass er sie überhaupt bemerkte und sich dann den ganzen Abend über mit ihr unterhielt, hatte sie überrascht.
Er hatte ihr erzählt, dass er als Koch arbeitete, aber sein eigenes Restaurant und später mehrere Lokale haben wollte. Ihr hatte gefallen, dass er sich Ziele gesetzt hatte und sie verfolgte. Einen Monat hatte es gedauert, bis ihr klar geworden war, dass er dafür vierzehn bis sechzehn Stunden am Tag arbeiten musste. Nach sechs Monaten hatte sie gewusst, dass er ein Workaholic war und nicht die Absicht hatte, sein Arbeitspensum zu verringern – nicht einmal für sie.
Wenn der Zeitmangel das einzige Problem gewesen wäre, hätten sie sich vielleicht zusammengerauft. Aber sie war ihm nie eine Partnerin auf Augenhöhe gewesen. Von den Finanzen bis zu ihrer Zukunft hatte Pasco alles allein geplant und unter Kontrolle gehabt.
Ihre Meinung dazu hatte er ignoriert oder abgetan. Und wenn sie Einwände erheben wollte, hatte er sie mit Sex abgelenkt oder gesagt, dass er müde wäre und nicht streiten wolle. Seine Versprechen, sich später Zeit zu nehmen, um mit ihr darüber zu reden, hatte er höchst selten gehalten.
Unterbrochen von atemberaubendem Sex vergingen einige trostlose Monate der Isolation und des Alleinseins. Schließlich war ihr klar geworden, dass sie einen goldenen Käfig durch einen anderen ersetzt hatte. Sie war von einem bedürftigen und vernachlässigten Teenager zu einer bedürftigen und vernachlässigten Ehefrau geworden.
Doch sie konnte es sich nicht leisten, sich in der Vergangenheit und ihren Wünschen zu verlieren. Sie musste die Realität akzeptieren und mit Pasco zusammenarbeiten. Ro war ihre Kundin – und ihre Kundin glücklich zu machen war der einzige Weg, ihren Chef zu beeindrucken und befördert zu werden.
Empört dachte sie an Pascos Forderung, dass sie St. Urban verlassen solle. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, was er wollte. Seine Bedürfnisse und Wünsche waren für ihn vorrangig. Aber sie würde sich seinen Wünschen nicht länger beugen, nur weil er es verlangte.
In ihrer Familie waren Konflikte nie offen ausgetragen, sondern nur durch abfällige und spitze Bemerkungen offenbar