Nora hatte den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt. So hatte sie die Hände frei und konnte durch die Listen und Tabellen auf ihrem Computer scrollen, während sie telefonierte.
Als Eventplanerin war es ihre Aufgabe, Veranstaltungen und Feierlichkeiten vorzubereiten. Zu ihren Kunden gehörten vor allem Firmen und Unternehmen, aber auch Privatpersonen, die sie mit der Planung von Hochzeiten und anderen großen Feiern beauftragten.
Auf dem großen Schreibtisch in ihrem Büro stapelten sich allerlei Unterlagen und Ordner. An eine Inspirationstafel hatte sie Bilder von Dekorationen, Blumengestecken und Tischordnungen gepinnt, ebenso wie Informationen zu Musikern und Catering-Anbietern. Auf diese Weise konnte sie das Konzept einer Feier festhalten, die sie für einen großen Kunden plante.
Die Veranstaltung stand kurz bevor, doch nun war die Violinistin, die Nora organisiert hatte, abgesprungen. Eilig und hochkonzentriert suchte Nora nach einem passenden Ersatz, telefonierte mit Geigern und Musiker-Agenturen und machte sich allerlei Notizen.
Gleichzeitig sah sie aus den Augenwinkeln, dass auf dem Bildschirm ihres Computers eine E-Mail aufgegangen war: Der Kunde wünschte sich ein Feuerwerk und wollte wissen, ob Nora ein solches organisieren konnte.
Sobald sie also das Telefonat mit der Geigerin beendet und den Termin festgemacht hatte, zog sie ihr dickes, prallgefülltes Adressbuch heran. Darin suchte sie nach professionellen Feuerwerks-Anbietern, mit denen sie in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hatte, und griff dann erneut nach dem Telefonhörer.
Es war bereits spät, als sie sich im Bürostuhl zurücklehnte und durchatmete. Alles war geklärt, sie hatte ein Violinistinnen-Duo und ein Feuerwerk organisiert und nebenbei mit der Planung einer anderen Großveranstaltung begonnen. Für heute gab es nichts mehr zu tun, alles war erledigt.
Ihre Kollegen und ihr Chef waren bereits gegangen, nur Nora war noch hier. Auch sie hätte längst Feierabend machen können, aber ihr Ehrgeiz ließ sie erst dann ruhigen Gewissens nach Hause gehen, wenn auch wirklich alles unter Dach und Fach war. Überstunden waren bei ihr an der Tagesordnung.
Wenn sie ein Event plante, musste jedes noch so kleine Detail perfekt sein. Darauf legte sie großen Wert. Ihre Sorgfalt, ihr Perfektionismus und ihre Einsatzbereitschaft führten dazu, dass sie sich in der Firma schnell einen Namen gemacht hatte. Sie machte ihren Job sehr gut, das wussten nicht nur die Kunden, sondern auch ihr Chef. Oft kam es vor, dass Auftraggeber explizit nach ihr verlangten und sich nicht mit ihren Kollegen zufriedengeben wollten.
Unwillkürlich seufzte sie, als sie ihre Unterlagen zu einem ordentlichen Stapel zusammenschob und den Computer ausschaltete. Es fiel ihr schwer, sich von ihrem Schreibtisch loszureißen. Als das leise Summen des Rechners verstummte, war es plötzlich unheimlich still in Noras kleinem Büro.
Jetzt erst fiel ihr auf, bei was für schlechtem Licht sie die ganze Zeit über gearbeitet hatte. Obwohl es draußen bereits dunkel war, hatte sie nicht daran gedacht, das Licht im Zimmer anzuschalten. Nur der schwache gelbliche Schein der Schreibtischlampe erhellte den Tisch und die Unterlagen. Sie war so in ihre Tätigkeiten vertieft gewesen, dass sie es gar nicht bemerkt hatte.
Müde rieb sie sich über die schmerzenden Augen, streckte sich und trat ans Fenster. Von ihrem Büro aus konnte sie einen großen Teil des Wiener Business