Finjas Tagebuch, 27. Juni
Der Artikel stand heute in der Zeitung:
Verlischt der Stern des Bernadotte?
Für das zu Jahresbeginn mit einem Stern ausgezeichnete Team des Stockholmer Gourmet-Restaurants Bernadotte rund um Küchenchef Marten Jansson endete der gestrige Arbeitstag frühzeitig mit einer Razzia der Finanzpolizei. Gegenstand der Ermittlungen gegen Inhaber Olaf Lindquist und seinen Geschäftsführer sollen laut ersten Informationen der Verdacht der Schwarzarbeit sowie Steuerhinterziehung sein. Eine offizielle Stellungnahme gibt es bisher weder vonseiten der Behörden noch von den Beschuldigten. Dass es nicht gut für das Bernadotte aussieht, legt allerdings der Zettel nahe, der seit gestern Abend an der Tür des Restaurants hängt: »Vorübergehend geschlossen«.
Zehn Jahre harte Arbeit, das ganze Leben ausgerichtet auf den einen Traum. Und dann, als er scheinbar am Ziel ist, verpufft alles in einem Augenblick, weil er auf die falschen Partner gesetzt hat?
Ich möchte jetzt nicht ins Martens Haut stecken …
Katerstimmung
Mit einem verächtlichen Schnauben klappte Marten dieDagens Nyheter wieder zu. Die auflagenstärkste Morgenzeitung des Landes wusste also schon darüber Bescheid, dass seine beruflichen Pläne am Vorabend wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen waren. Nur wenige Monate nachdem er das erste Etappenziel erreicht hatte, drohte Marten wieder ganz an den Anfang katapultiert zu werden. Endlich hatte er den ersten Michelin-Stern erkocht, und der White Guide, der wichtigste schwedische Gastroführer, rechnete dasBernadotte mit fünfundsiebzig Punkten, von denen sechsunddreißig auf Martens Küche entfielen, der Kategorie »Meisterklasse« zu. Der Höhenflug hatte nicht lange angedauert.
In die Finanzen desBernadotte hatte Marten wenig Einblick, die lagen in der Hand des Restaurantmanagers. Bis gestern Abend hatte er Jakob Sandberg für einen fähigen Mann gehalten. Im täglichen Geschäft hatte nichts darauf hingedeutet, dass im Hintergrund nicht alles mit rechten Dingen zuging. Nun sah es ganz danach aus, als wäre der Name Programm gewesen: Das Restaurant war auf einem Berg aus Sand errichtet worden.
Unruhig ließ Marten den Rest des Kaffees in der Tasse kreisen. Er war kalt – so lange saß Marten schon an seinem Frühstücksplatz und brütete über den unangenehmen Neuigkeiten. Während er sich streckte, um die Kanne der Filterkaffeemaschine zu erreichen und Kaffee nachzuschenken, fiel sein Blick auf die Küchenuhr. Zehn nach neun. Vermutlich würde es jetzt nicht mehr allzu lange dauern, bis ihn seine Eltern besorgt anriefen.
Er hatte keine Ahnung, was er ihnen erzählen sollte. Dass sein Arbeitgeber dem Anschein nach einige Mitarbeiter mit gefälschten Verträgen ausgestattet und ihre Gehälter bar ausgezahlt hatte?
Allein der Gedanke, dass er monatelang – wenn nicht sogar seit Beginn seiner Tätigkeit imBernadotte – mit illegalen Angestellten gearbeitet hatte, verursachte bei Marten Unbehagen. Machte er sich mitschuldig, weil er die Spüler ausgewählt hatte?
Natürlich waren nur die untersten Ränge der Küchenhierarchie betroffen, diejenigen, die die einfachen Tätigkeiten verrichteten und schlecht schwedisch sprachen. Das machte Marten erst recht wütend.
Als er seinem Ärger Luft machte, indem er mit der flachen Hand auf die Tischplatte schlug, schwappte der Kaffee über und ergoss sich auf die Morgenzeitung. Zuerst wollte er sie retten, doch dann ließ er zu, dass die Seiten die Flüssigkeit aufgesaugten. Diese Ausgabe würde er wohl kaum aufheben und eingerahmt neben die Ausschnitte aus den Fachzeitschriften an die Wand hängen.
Er wischte die Tasse notdürftig mit einer Serviette ab, nahm