Harry Lupac wartete auf das Mädchen, das er ermorden wollte. Er war unruhig vor Erwartung, wie eine Braut vor dem ersten Besuch ihrer Schwiegermutter, betrachtete sich nervös im Spiegel, leerte einen leeren Aschenbecher, rieb unnötigerweise an einem Fleck auf dem Tisch. Er hatte noch nie einen Mord geplant, und das Planen machte ihn gereizt, denn es war nicht seine Art, Probleme im voraus zu lösen: Er tat es jetzt nur aus schierer Notwendigkeit. Er starrte aus dem Fenster auf den Pfad, den sie heraufkommen würde.
Noch niemand.
Ob sie hübsch war? Er wußte es nicht. Es wäre eigenartig, wenn sie es wäre. Bei diesem Gedanken, der ihm, so eifrig wie er sich mit den nüchternen Details der Operation beschäftigt hatte, noch nicht gekommen war, packte ihn so etwas wie Erregung, und er ging durchs Zimmer, besah sich erneut im Spiegel und zupfte dabei etwas selbstgefällig an der mit dem blaßgrünen Hemd harmonierenden dunkelgrünen Krawatte. Er hatte ein längliches, lebhaftes, vergeistigt hageres Gesicht, rote, aufgeworfene Lippen, haselnußbraune Augen; eine Haarlocke fiel ihm fortwährend in die Stirn und wurde fortwährend zurückgeworfen.
»Meine liebe junge Frau«, sprach er zum Spiegel gewandt. »Guten Tag. Es tut mir so leid, daß unsere erste Begegnung auch unsere letzte sein muß. Ich bedaure das besonders, jetzt wo ich sehe, daß Sie eine so schöne und bezaubernde Dame sind.« Er begann zu kichern, verstummte dann, über das Geräusch seiner Stimme in der leeren Hütte die Stirn runzelnd, ging zum Fenster hinüber und schaute erneut auf den Weg. Natürlich würde er nichts dergleichen sagen.
Es war nichts von ihr zu sehen. Beruhigt fläzte er sich auf einen Stuhl, legte die Beine schräg auf den Tisch und fuhr zur Decke starrend fort:
»Aber da Sie nun einmal sterben müssen – und das, fürchte ich, ist unumgänglich –, kann ich Ihnen eine Kleinigkeit anbieten, etwas spendieren, das Ihnen die letzten Momente versüßen würde, hmm? Es wäre das mindeste, was ich für Sie tun kann. Einen Martini? Und darf ich Ihnen diesen Veilchenstrauß an den Aufschlag stecken?«
Es waren keine Veilchen da, aber er zog eine Skabiose aus einem recht hübsch zusammengestellten Strauß Wiesenblumen in einer Vase und hielt sie seiner unsichtbaren Gesprächspartnerin schwungvoll hin. »Wie meinen Sie? Sie sehen keine Notwendigkeit zum Sterben? Sie verstehen nicht? Nun ja, in diesem Fall darf ich es Ihnen erklären. Sehen Sie, es war dieses wirklich unglückliche Ereignis letzten