: Joan Aiken
: Der eingerahmte Sonnenuntergang
: Diogenes
: 9783257612608
: 1
: CHF 10.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine junge Frau reist nach England, um das Verschwinden der beiden alten Damen aufzuklären, die im High Beck Cottage am Rande des Moores lebten. Was als gewöhnliche Reise beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Alptraum aus Betrug, Rache, Mordversuch und Tod.

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

Morgens aufwachen. Kalt und dunkel. Bett ist klumpig; muß Dill bitten, mit mir die Matratze umzudrehen, mit neuem Seegras zu stopfen. Neuen Beutel mit Bohnenkraut unter das Kopfkissen. Nein, falsche Jahreszeit für Bohnenkraut, muß Winter sein, so kalt und dunkel. Popo fühlt sich kalt an im Bett. Wache ein bißchen mehr auf, würde lieber nicht aufwachen, würde lieber weiterschlafen. Schöner Traum, fällt mir jetzt wieder ein. Vor unserem Cottage, High Beck, pflücke Baldrian von der Mauer vor dem Haus. Dill jätet Unkraut aus den Steintrögen; alles ist blau vor Glockenblumen. Bienen summen, der alte Taffypuss sonnt sich auf der Türschwelle. Taffy! Er schnurrt. Dill pflückt einen Strauß Zaunrosen, kann es riechen. Jetzt ist sie die Böschung hinuntergeklettert, um Brunnenkresse zu holen. Vorsichtig, Dill! Die Vögel singen zu laut, muß aufwachen. Sind gar keine Vögel. Traum pellt sich ab, zerfällt zu Fetzen wie verbranntes Papier, oh, komm zurück, komm zurück! Nein, verschwunden. Oh, Dill, oh, Taffypuss, ihr fehlt mir so. Wann werde ich mich je dran gewöhnen?

Wache auf. Popo ist kalt. Muß Dieda fragen nach meinem guten angerauhten Nylonschlüpfer. Sie hat gesagt, ist in der Wäscherei, ist aber schon seit Wochen verschwunden. Komische Wäscherei. Keinem kann man trauen hier. Jetzt auch schon kalt im Bett. Darf aber nicht aufstehen. Die wird wütend, wenn jemand vor dem Frühstück aufsteht. Ist morgens nicht in der besten Verfassung. Kann kein Frühstück machen, sagt sie, wenn ihr die Leute unten unter die Füße laufen. Na ja, ich hab nichts gegen Frühstück im Bett. Würde aber lieber auf sein, meinen eigenen Kessel aufsetzen, in den Hühnerstall gehen und Eier einsammeln, die Hand unter warmes, federiges, murrendes Huhn schieben, Ei für mich, Ei für Dill … Hat keinen Sinn, so zu denken. Frühstück hier jedenfalls nicht schlecht. Porridge, Toast, Tee manchmal wirklich heiß. Wärmt einen auf im kalten Bett. Frühstück das Beste vom Leben hier. Sagt aber nicht viel.

Jetzt kommt Dieda rauf. Kann sie mit dem Tablett klappern hören. Wie sie es schafft, nicht zu stolpern und sich das Genick zu brechen!Treppenhaus ist so vollgestopft mit dieser Venusstatue hier oben, Koffern und Schachteln, und dann auch noch die Hooverschnur von oben bis unten; ausgesprochen gefährlich, wenn man mich fragt, mit all diesen alten Menschen, die meisten halb blind. Mußt dich vorantasten wie in einem Stollen; ich laß’ nie das Geländer los. Wirklich komisch, wenn man darüber nachdenkt. Sie haben gesagt, High Beck wäre gefährlich für mich und Dill, mit der Böschung unten, sagten, man müßte mit einem Sturz rechnen. Aber wenn sie dieses Haus gesehen hätten!