: Sabine Lippert
: Die Leuteschreck-Saga Eine Wikinger-Satire
: Books on Demand
: 9783754368640
: 1
: CHF 7.00
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 356
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die etwas andere Wikinger-Saga, welche enthüllt: wie gefährlich Nebel auf hoher See schon damals war dass schicksalhafte Begegnungen auch auf Öko-Märkten stattfinden können dass Stubenhocker nicht immer langweilig sind dass die britische Brexitkrise den Wikingern Tür und Tor öffnete dass das Große Heidenheer eine Frauenquote hatte dass es dunkle Zeiten für die UNESCO waren und Regenschirme nicht unmartialisch sein müssen...

Sabine Lippert, Jahrgang 1966, Freie Autorin, hat zum Thema Wikinger bereits einen Historischen Roman (Gwen und Runolf, 2019) sowie eine Sachbuchbiografie (Ivar der Knochenlose, 2020) herausgebracht.

Wie das so ist bei großem Erfolg – er machte unsere frisch gebackenen Wikinger nicht nur übermütig und süchtig nach größeren Taten, sondern stieg ihnen auch mächtig zu Kopfe! Als sie die europäischen Küsten von Friesland bis hinunter zur Straße von Gibraltar leergeräumt hatten, da ließen sie sich – oh Wunder – nach vielen Jahren Abwesenheit mal wieder in ihrer alten Heimat, auf Seeland, sehen. Aslaug musste nun ihre zahllosen Abenteuer anhören – und wurde mit Juwelen überhäuft, die angeblich aus der Schatzkammer des Kalifen vonCordoba stammten!

Hakon, Benno und Kjöld wurden auch besucht. „Dass ihr uns noch kennt, so aufgeblasen wie ihr seid!“, staunte Hakon.

Herablassend blinzelte Siggi auf ihn nieder. „Und was habt ihr in der Zwischenzeit so hingekriegt, Freunde?“

„Was wir so hingekriegt haben,“ fletschte Benno seine Zähne, „war zum Beispiel, König Horiks Schatzkammer auszuräumen!“

„Und vor allem,“ brüstete sich Kjöld der Fette, „haben wir euren Erzfeind Olaf nachhaltig weggeekelt! Dafür seid ihr uns auf ewig zu Dank verpflichtet!“

Siggi grinste schief. „Was ihr nicht sagt: Olaf vonVestfold weggeekelt! Verratet mir doch mal, wie ihr das angestellt habt...“

„Nö – verraten wir nicht!“, zeigte sich Hakon stur. „Berufsgeheimnis!“

„Die VW's heulen jetzt woanders.“, frohlockte Benno. „Im fernen Schottland, wenn ich richtig liege. Was sagt ihr dazu?“

Jetzt schwoll Siggi der Kamm. „Olaf und seine Wölfe sind garantiert nicht euretwegen ausgewandert!“

„Sind sie doch!“, parierte Hakon patzig.

„Sind sie nicht, bei Thor!“, knurrte Siggi.

„Sind sie doch, bei Loki, hehehe!“

Bevor die Fäuste flogen, trennte man sich lieber. „Diese Heimskis spinnen doch!“, tippte sich Siggi an die Schläfe. „Einen Olaf vonVestfold jagen die nicht weg...“

Ubba hatte eine Idee. „Los – wir fragen den schlauen Ingwer, was es damit auf sich hat! Der ist ohnehin bestimmt wahnsinnig gespannt auf unsere tollen Abenteuer...“

Es traf sich praktisch, dass Bruder Ingwer gerade bei seiner Mutter zu Besuch war. Zur Feier ihrer Rückkehr wurde ein opulentes Bankett ausgerichtet. Siggi, Björn und Ubba tankten literweise Met, während sie ihre Mägen verwöhnten mit Fleisch von glücklichen Schweinen, Eiern von glücklichen Hühnern, Käse von glücklichen Rindviechern sowie Gemüse aus biodynamischem Anbau...

„Mutter!“, strahlte Siggi. „Deiner gesunden Ernährung verdanken wir es, dass wir so stark geworden und unbesiegbar sind!“

Aslaug seufzte für sich. 'Da habe ich nun den Schrecken Europas herangezüchtet. Und nun sitzt die freche Rasselbande um mich, wie die kleinen Buben von einst...'

Zum Soundsovielten Male tischte Björn die Story auf, wie er zu seinem Spitznamen 'Eisenschulter' gekommen war. Ingwer, dem das allmählich aus den Ohren quoll, unterbrach die Selbstbeweihräucherung schließlich:

„Seid ihr eigentlich auf euren Zügen auch mal Vater begegnet?“

Seine Brüder hielten im Prahlen inne. „Dem wollten wir doch nicht ins Gehege kommen! Aber der ist uns ohnehin ausgewichen, nach Britia oder Irland.“

„Dem haben wir kaum mehr was zum Ausrauben übriggelassen! Hahaha!“

„Unser Ruhm strahlt schon heller als der von Papa! Wir sind die Leuteschreck-Erben!“

„Trotzdem trinken wir jetzt auf Vater!“ Damit hoben alle ihr Trinkhorn – und schwupp, war der Inhalt in ihren Kehlen versickert!

Übermütig boxte Ubba Ingwer gegen die Schulter. „Sag der Langeweile daheim Adieu und schließ dich uns Helden an! Sonst wirst du noch ein vertrottelter Heimskixvi – so, wie Hakon, Benno und Kjöld!“

Siggi schlug seine Zähne in eine Hammelkeule. „Behaupten die doch glatt, sie hätten Olaf vonVestfold weggeekelt! Der glatte Größenwahn! Die wollen nur auch mit etwas Tollem angeben! Weil sie mit uns nicht mithalten können!“

„Es stimmt, dass Olaf vor Monaten westwärts gesegelt ist.“, sprach Ingwer ernst. „Sein Vater hat ihn außer Landes verwiesen – nachdem Olaf sich ihm gegenüber eine ziemliche Respektlosigkeit geleistet hat...“

Siggi verhielt im Kauen. „Respektlosigkeit? Geht das etwas genauer?“

„So viel ich weiß,“ räusperte sich Ingwer, „hat Olaf dem König zu dessen Geburtstag ein prächtiges Sitzkissen für seinen Hochsitz geschenkt. Da dieses Kissen aber, sobald man sich drauf setzt, gewisse vulgäre Geräusche von sich gibt...“

Ubba gluckste. „Da hat Olaf wohl aus Versehen einen Scherzartikel gekauft! Olaf – gigantisch bombastisch blöd eben!“

Sofort handelte er sich einen scharfen Blick von Ingwer ein. „Diesmal waren wir's nicht!“, hob er beteuernd die Hände. „Wir waren ja weit weg!...“

Siggi und Björn guckten sich vielsagend an. „Hatten Hakon, Benno und Kjöld ihrer Mutter nicht mal so ein... Kissen untergeschoben?“

„Aber... du glaubst doch nicht, dass die so ein Pupsding an den Königshof vonVestfold geschmuggelt haben!“

„Harald der Knaller handelt doch öfter in diesen Gegenden. Undenkbar wär's also nicht...“

„Dann haben wir unseren Freunden Unrecht getan! Die verdienen dickes Lob!“

Ingwer jedoch schien sich von der allgemeinen Heiterkeit nicht anstecken zu lassen. „Du solltest dich darüber ganz besonders freuen, wo Mistkerl Olaf dir doch deinen Stuhl zertrümmert hat!“, stieß Ubba den Bruder an.

„Ich möchte nur wissen,“ entgegnete Ingwer mit großem Ernst, „was ihr davon habt, dass Olaf bei seinem Vater dauerhaft in Ungnade gefallen ist?“

Seine Mahnung ging unter im tosenden Gelächter seiner Brüder, die sich den König vonVestfold in seiner peinlichen Situation nur zu lebhaft vorstellten. Als ihre gute Laune etwas abgeebbt war, eröffneten sie:

„Wir haben dir eine Handvoll prächtiger Sklaven mitgebracht, Mutter, für Haus und Hof! Du brauchst doch tüchtige Hände...“

Zu ihrer Verwunderung hielt sich Aslaugs Begeisterung in Grenzen. „Menschen, die aus ihrer Heimat in die Ferne verschleppt wurden. Habt ihr euch schon einmal Gedanken gemacht, wie ihr euch in solcher Lage fühlen würdet?“

Ubba zuckte die Achseln. „Wir würden natürlich fliehen.“

„Eben.“, nickte Aslaug. „Was nützen mir Arbeitskräfte, die immer angekettet sein müssen, damit sie nicht ausreißen? Und die erstmal einen Sprachkurs machen müssen, bevor sie das Wort Streichbrettpflug beherrschen. Da halte ich mich lieber an meine Mägde und Knechte.“

„Die meisten reißen sich um unsere Sklaven.“, brummte Björn beleidigt. „Vor allem um die Sklavinnen! Und erst recht um solche aus Mauretanien!“

Ubba zwinkerte Ingwer zu. „So ein Hausmädchen wär gar nicht zu verachten. Willst du dir mal welche anschauen – solange wir noch welche haben?“

„Zu viel Enthaltsamkeit ist nämlich nicht gut.“, pflichtete Björn bei. „Das geht aufs Gemüt. Man sieht's ja bei diesen Bekehrten...“

„Wenn du mit uns mitkommst, möbelt dich das auf!“, versicherte Siggi. „Dein Stuhl hat allemal noch Platz auf dem 'König der Drachen'. Los – gib dir einen Ruck! Sonst heißt du irgendwann: Ingwer der Spießige!...“

Nun schritt die Mutter ein. „Ingwer ist zufrieden so, wie er lebt! Ja, soll denn die ganze Welt wikingern? Es reicht doch schon, dass ihr Drei in die Fußstapfen eures Vaters getreten seid!“

Björn kratzte sich am Kinn. „Gut. Themawechsel: Wie geht’s eigentlich Oma und Opa?“

„Schön, dass ihr auch an die mal denkt!“, seufzte Aslaug. „Während ihr munter die Welt geplündert habt, ist euer Großvater Aki verstorben!“

Jäh erstarb jegliche gute Laune. Betreten schauten Siggi, Björn und Ubba auf ihre Essensreste.

„Er musste hoffentlich nicht leiden.“, murmelte Ubba schließlich.

„Nein, gelitten hat er nicht.“ Aslaugs Stimme klang erstickt. „Und Grima – ich weiß es... sie wird ihm bald nachfolgen. Sie kann nicht ohne ihren Aki...“

So endete das fröhliche Bankett in einer sehr pietätvollen Stimmung.

So gefeiert die spektakulären Raubzüge der Leuteschreck-Brüder in Wikingerkreisen waren – den aktuell amtierenden Dänenkönig Horik brachten sie in eine kompromittierende Lage: Andauernd wurden nämlich fränkische Gesandte bei ihm vorstellig, um sich über die dreisten Piraterien seiner Landsleute zu beschweren. Da Horik keinen Ärger mit dem mächtigen...