Die erste offizielle Andeutung meiner bevorstehenden Verwicklung in den Fall ›Produkt x‹ erfolgte an einem trüben, garstigen Montag gleich nach Weihnachten, als George Salmon alle Mitarbeiter zusammenrief, um uns von dem neuen Auftrag zu berichten, den die Agentur einem Dutzend hungriger Konkurrenten – das wollte er uns jedenfalls weismachen – weggeschnappt hatte.
Salmon und Bucknell ist keine große Werbeagentur. Von den beiden Partnern lebt nur noch Salmon. Bucknell starb an einer Überdosis Beruhigungstabletten, die ›Schlafgut‹ hießen und später aus dem Handel gezogen wurden; glücklicherweise hatten wir nichts mit dem Produkt zu tun. Unsere Agentur versucht nicht, solchen Riesen wieB&H oderJWT Konkurrenz zu machen – im Gegenteil. Wir streben die persönliche Note an. »Eine einzige glückliche Familie« spottet bei jedem größeren Streit oder in Krisensituationen mit Sicherheit irgend jemand. Und leider scheint es auch immer irgendwie so zu laufen, daß unsere Kunden mehr und mehr zuFamilienmitgliedern werden. Ein Geschäftsessen mit George macht den Anfang, als nächstes folgen rustikale Wochenenden in seinem Cottage in Maidenhead, dann begleitet Mimi ihre Ehefrauen zum Einkaufen, ich werde dazu verdonnert, mit ihren Kindern in den Zoo zu gehen, Tom fotografiert sie, und inzwischen leben sie praktisch im Büro, und wir wissen alle Einzelheiten über ihr Asthma, ihren Hausschwamm und ihre Probleme mit der Einkommenssteuer. Und umgekehrt natürlich genauso. Ich bin nicht immer so ganz sicher, ob diese Art der Geschäftsführung sehr effizient ist, doch das ist eben Georges Art: Er kann nicht anders.
Aber im allgemeinen kommen wir alle recht gut miteinander aus, und als es mir ziemlich schlecht ging, war die Agentur ein richtiger Zufluchtsort für mich. Sie ist, wie gesagt, nicht groß, läuft aber ganz ordentlich. Damals hatten wir einige gute, zahlungskräftige Kunden, eine amerikanische Firma, die sich ›Faireweather Foods‹ nannte, den Modemacher Franz Oesmacher, die ›National Peanuts Week‹, Midinette-Waschmaschinen, Funshine-Möbel und Born, das Fleisch& Milch-Getränk, ganz zu schweigen von der Regierung von Turkinistan. Diese bereitete uns so manches Mal Kopfschmerzen, da sie lediglich aus einem Dutzend reaktionär eingestellter Scheichs bestand, die mit ihren Harems und ihren Cadillacs in der Wüste herumfuhren. Je weniger man über sie sagt, desto besser, aber sie gaben einen exotischen Farbtupfer in unserem Ja