: Joan Aiken
: Der letzte Satz
: Diogenes
: 9783257612462
: 1
: CHF 10.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als Kind hielt Priscilla die griechische Insel Dendros für das Paradies auf Erden. Nun kehrt sie mit ihrer verwitweten Mutter, die sich von einem schweren Unfall erholen muß, dorthin zurück. Auch Lady Julia Saint weilt mit ihrem Mann in der Exklusivklinik Helikon, nachdem dieser auf ihrer Hochzeitsreise einen beunruhigenden Sonnenstich erlitten hat. Was von außen wie eine himmlische Idylle wirkt, entwickelt sich bald zum Schauplatz geheimnisvoller und gefährlicher Verstrickungen, die in unerklärliche Gewalt münden.

Joan Aiken, Tochter des amerikanischen Lyrikers Conrad Aiken und seiner kanadischen Frau, wurde 1924 in Sussex geboren. Ihre ersten Gedichte und Schauergeschichten schrieb sie im Alter von fünf Jahren. Sie wurde Verfasserin zahlreicher historischer Romane, moderner Thriller und vieler Kinderbücher. Joan Aiken starb 2004 in Petworth, West Sussex.

Als ich nach Hause ging, hörte ich im Crowbridge Park von weitem das leise, dumpfe Plopp-klack-plopp von Tennisbällen, untermalt von Stimmen, die den Spielstand ausriefen. Die Abendsonne wärmte mir angenehm die Schultern. Die Vögel sangen aus voller Kehle, denn es war April; die Apfelbäume hatten Knospen angesetzt, im Freien duftete es neu, kühl, würzig, und über allem lag ein prickelndes Versprechen. Am liebsten hätte ich, wie die Vögel, selbst aus voller Kehle gesungen. Seit fünf Uhr morgens auf den Beinen, wollte ich endlich nach Hause, um zu baden und mich ein bißchen aufs Ohr zu legen. Dann mußte ich ins Crowbridge Theatre Royal zurück, weil ich noch gut zwei Stunden mit der Bühnenausstattung und den Kostümen fürDer Kirschgarten zu tun hatte, bevor der Vorhang sich zur Premiere hob. Es würde ein wunderbarer Abend werden, das fühlte ich. Endlich einmal hatten wir die Rollen mit den Ensemblemitgliedern des Crowbridge Repertoiretheaters wirklich perfekt besetzen können. Alle hatten, von Begeisterung mitgerissen, vorübergehend ihre Fehden und Eifersüchteleien vergessen und in Harmonie zusammengearbeitet, und das Ergebnis war eine wirklich runde Sache, flüssig, lebendig und herzzerreißend. Außerdem war ich zum erstenmal allein für Ausstattung und Kostüme zuständig. Von Stolz beflügelt, hatte ich mich halbtot geschuftet. Geschlafen hatte ich im letzten Monat im Durchschnitt drei Stunden pro Nacht, fühlte mich aber trotzdem phantastisch. Zum erstenmal im Leben war ich vollkommen ausgefüllt, hatte ich das Gefühl, wirklich zum Ensemble zu gehören, und war, was für mich noch mehr zählte, mit meiner Arbeit fast zufrieden. Nicht ganz zufrieden natürlich, denn die finanziellen Mittel unseres Repertoiretheaters waren beschränkt. Doch wenn man bedachte, daß die Kostüme aus den billigsten Stoffen geschneidert werden mußten, die wir auftreiben konnten, Kunstfasern und Juteleinwand, und die Kulissen auf Hartfaserplatten- und Holzresten gemalt waren, die im einheimischen Heimwerker-Möbelmarkt abfielen, schien mir das Ergebnis ein wahrer Triumph. Die anderen Ensemblemitglieder waren übrigens derselben Meinung. Sogar während meines kurzen Dreistundenschlafs war ich immer wieder aufgewacht und hatte bewundernd an den gemalten Kirschgarten mit seinen Grau- und Grüntönen und den zahlreichen Schattierungen von Weiß gedacht, von denen sich das Schwarz, Taubenblau und Mahagoni der Kostüme so vorteilhaft abhob. (Zum Glück hatten wir in Crowbridge auch eine große Färberei, und Rose Drew, die Tochter des Direktors, war unsere Varya.) Ich befürchtete, daß ich es, nachdem das Stück vom Spielplan abgesetzt worden war, nicht fertigbringen würde, diese schönen Kulissen hinauszuwerfen, und sah sie schon jetzt während der nächsten fünf Ja