: James Corey
: Das Protomolekül
: Heyne Verlag
: 9783641289065
: The Expanse-Serie
: 1
: CHF 10.80
:
: Science Fiction
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unser Sonnensystem, die nahe Zukunft: Ein linientreuer Offizier der UN-Weltraumflotte muss zusehen, wie aus einem Kampfeinsatz ein Massaker wird – und er zum Mitschuldigen. Auf dem Mars hat ein Ingenieur eine geniale Idee und testet einen völlig neuen Raumfahrtantrieb – mit ungeahnten Folgen. Und auf einem Planeten jenseits des Sonnensystems versucht ein Gouverneur, Recht und Ordnung herzustellen – und muss erkennen, dass die Zivilisation, die zu bringen er gekommen ist, auf dieser Welt bereits existiert, nur in anderer Form. In den vorliegenden acht Erzählungen kehrt James Corey in das gewaltige Universum von »The Expanse« zurück.

Hinter dem Pseudonym James Corey verbergen sich die beiden Autoren Daniel James Abraham und Ty Corey Franck. Beide schreiben auch unter ihrem eigenen Namen Romane und leben in New Mexico. Mit ihrer erfolgreichen gemeinsamen Science-Fiction-Serie »The Expanse« haben sie sich weltweit in die Herzen von Lesern und Kritikern gleichermaßen geschrieben.

Antrieb


Die Beschleunigung drückt Solomon in den Pilotensitz und legt sich wie ein Gewicht auf seine Brust. Die rechte Hand landet auf dem Bauch, die linke fällt auf die Polsterung neben seinem Ohr. Seine Fußgelenke werden gegen die Beinstütze gepresst. Der Schock trifft ihn wie ein Schlag, überfallartig. Sein Gehirn, das Produkt von Millionen Jahren der Evolution von Primaten, ist nicht darauf vorbereitet. Es betrachtet es als Angriff und dann als Sturz und dann als schrecklichen Traum. Die Jacht ist kein Produkt der Evolution. Ihre Alarmsignale sind rein informativer Natur. Übrigens, wir beschleunigen mit vier G. Fünf. Sechs. Sieben. Über sieben. Auf dem Monitor der Außenkamera schießt Phobos vorbei, und dann ist nur noch das Sternenfeld zu sehen, das so unveränderlich wirkt wie ein Standbild.

Es dauert fast eine Minute, bis er versteht, was passiert ist, dann versucht er zu grinsen. Das Hochgefühl lässt sein schwer arbeitendes Herz noch schwerer arbeiten.

Das Interieur der Jacht ist creme- und orangefarben. Das Steuerpult ist ein einfacher Touchscreen und so alt, dass es an den Rändern schon grau wird. Es ist nicht schön, aber funktional. Solide. Ein Alarm meldet, dass die Wasseraufbereitung ausgefallen ist. Solomon ist nicht überrascht – er überschreitet die zugelassenen Werte – und überlegt, wo genau die Fehlfunktion liegt. Da der gesamte Schub auf der Hauptachse des Schiffs lastet, tippt er auf das Rückflussventil des Tanks, aber er freut sich schon darauf, es zu überprüfen, sobald der Testflug vorbei ist. Das Gewicht seiner Hand verblüfft ihn, als er sie zu bewegen versucht. Eine menschliche Hand wiegt ungefähr dreihundert Gramm. Bei sieben G wären das nur knapp über zweitausend. Eigentlich sollte er sie noch bewegen können. Mit zitternden Muskeln schiebt er den Arm auf das Steuerpult zu. Er fragt sich, wie weit er die sieben G überschritten hat. Da die Sensoren festhängen, muss er es nach dem Flug herausfinden. Wie lang die Beschleunigung andauerte und welche Geschwindigkeit erreicht wurde. Einfache Mathematik. Ein Kind könnte es ausrechnen. Er macht sich keine Sorgen. Wieder greift er nach dem Steuerpult, dieses Mal mit aller Kraft, und spürt einen stechenden Schmerz und Feuchtigkeit an seinem Ellbogen.

Huch, denkt er. Er will die Zähne fletschen, aber das funktioniert auch nicht besser als das Grinsen. Das wird peinlich. Wenn er den Antrieb nicht ausschalten kann, muss er warten, bis der Treibstoff ausgeht, und dann Hilfe rufen. Es könnte problematisch werden. Je nachdem, wie schnell er beschleunigt, wird das Rettungsschiff lange Schub geben müssen. Vielleicht doppelt so lang wie er. Vielleicht brauchen sie ein Langstreckenschiff, um zu ihm zu gelangen. Die Treibstoffanzeige ist eine kleine Zahl in der unteren linken Ecke des Steuerpults, grün auf schwarz. Es ist schwierig, den Blick darauf zu fokussieren. Die Beschleunigung verformt seine Augäpfel. Hightech-Hornhautverkrümmung. Er kneift die Augen zusammen. Die Jacht ist für