: Pauline Mai
: Liebe funkelt apfelgrün Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641276607
: 1
: CHF 2.70
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: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Manchmal braucht es eine ganze Dorfgemeinschaft, um ein gebrochenes Herz zu kitten …

Liebe braucht keine Ferien? Dem kann Mila nur widersprechen. Wochenlang war sie in Theo verliebt, und er hat ihre Hoffnungen geschürt. Nun stellt sich heraus, dass er eine Verlobte hat! Für Mila bricht eine Welt zusammen. Bleibt nur die Flucht – das House-Sitting-Angebot in Schottland aus dem Internet kommt da genau richtig. Kurz entschlossen reist sie in das verschlafene Örtchen Applemore. Doch der Dorfgemeinschaft ist der Neuzugang nicht geheuer. Erst Milas Backkünste und die Idee, ihre Brote zu tauschen – gegen Musikstunden, knackige Äpfel oder Freibier im Pub – öffnen die Herzen der Bewohner. Und als plötzlich der gut aussehende Finley auftaucht, macht auch Milas Herz einen unerwarteten Hüpfer.

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Das Leben leuchtet sonnengelb

Pauline Mai, 1987 geboren, wuchs am Tegeler See in Berlin auf. Sie studierte Literaturwissenschaft und lernte auf Reisen durch Südfrankreich und Italien die herzliche Lebensart der Menschen, die malerischen Landschaften sowie das köstliche mediterrane Essen lieben. Heute lebt die Autorin zwar wieder in Berlin, das Fernweh ist ihr aber immer noch geblieben – wie auch der Wunsch, die besondere Atmosphäre dieser Sehnsuchtsorte mit ihren Lesern zu teilen.

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APPLEMORE, JUNI 2019


Winzige silbrig graue Kieselsteine rieben aneinander und knirschten unter jedem meiner Schritte. Ich folgte dem schmalen Weg an Sträuchern und Hecken in einem leuchtenden Grün vorbei, wie es wohl nur hier in Schottland zu finden war. Es musste in den letzten Tagen geregnet haben – oder vielleicht sogar erst in den vergangenen Stunden. In der Luft lag noch der tiefe, erdige Duft, und das satte Pflanzengrün erzählte von vollgesogenen Wurzeln und Blättern. Doch nun brachen Sonnenstrahlen durch die Wolkenfetzen am Himmel und wärmten mich, was bitter nötig war, denn die raue Brise hatte sich längst unter all meine Kleiderschichten geschlichen und mir eine Gänsehaut am ganzen Körper beschert. Einige blonde Locken hatten sich aus meinem Dutt gelöst, der nur noch einem Kuddelmuddel glich; sie tanzten wild um mein Gesicht und kitzelten mir Stirn und Wangen.

Als sich die Rollen des Koffers auf dem Kies verhakten, hob ich ihn an und wuchtete ihn Schritt für Schritt über den Weg, wobei ich versuchte, über die Hecke zu blinzeln und einen Blick auf das Cottage zu erhaschen. Aber meine Einssechzig reichten einfach nicht aus, zumal ich mit dem schweren Gepäck nicht gerade beweglich war. Darin befand sich Kleidung für zwei ganze Monate. Zwei Monate – was mir zu Hause wie ein Fingerschnippen erschienen wäre, erstreckte sich nun vor mir wie eine kleine Ewigkeit: zwei Monate in einer mir völlig fremden Umgebung, in einem fremden Haus, einem fremden Dorf. Bei dem Gedanken daran begann sofort wieder das Wirbelspiel in meinem Bauch, und ein nervöses Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. Doch gleichzeitig stiegen auch Zweifel auf: Würde ich mir all die Zeit überhaupt vertreiben können, so ganz ohne Freunde, die ich mal eben anrufen könnte, um sie auf einen Kaffee zu treffen, und ohne Arbeit? Nun gut, die hatte ich ja sowieso nicht mehr, seitdem das Hotel pleitegegangen war. Trotzdem schoss mir die Frage durch den Kopf, ob ich zu überhastet aus Heidelberg abgereist war. Ich hatte nur daran gedacht, dort wegzukommen. Was, wenn ich mich am Ende hier gar nicht wohlfühlen würde und ein Übel gegen das andere eingetauscht hätte?

Doch bevor ich dem Gedanken weiter nachhängen konnte, passierte ich das letzte Stück Hecke, das mir noch den Blick auf das Haus verstellt hatte – und blieb abrupt stehen. Der Koffer landete mit einem Rumsen auf meinem Fuß.

»Du blödes … du blödes Schrottding!«

Ich hob das Bein an und rieb mir den Fuß durch den dünnen Schuh. Doch der Schmerz konnte den Bann nicht lindern, den der Anblick des Hauses auf mich ausübte. Auf der Housesitting-Seite hatte ich bereits Bilder davon gesehen und mich sofort verliebt. Aber nun, da ich leibhaftig davorstand, spürte ich erst die volle Wirkung. Und sofort waren die Zweifel vergessen, die eben noch aufkommen wollten.

Es war ein waschechtes schottisches Cottage: größer, als ich erwartet hatte, zweigeschossig, mit gelbem Anstrich, der von einzelnen Natursteinen in der Fassade durchbrochen wurde. Hier und da wuchsen Efeu und gelb blühende Rankrosen an den Wänden empor. Die in weißes Gitter eingefassten Fenster waren im Erdgeschoss recht groß. Im oberen Stockwerk waren sie kleiner, dafür aber in Erker mit spitzen Dächern eingelassen. Eine Holzbank befand sich vor dem Haus. Und ich sah schon vor mir, wie ich dort saß, den Blick über die Wildwiese mit den grasenden Schafen schweifen ließ, die sich davor erstreckte, und den leicht moorigen Duft der Natur in mich aufnahm. Das Cottage stand zwar nicht ganz frei – rechts daneben ragte die Fassade des Nac