Prolog
Freistaat Bayern, Deutschland
Samstag, 8. Juni
10.40 Uhr
Danny Daniels genoss die Freiheit, die es mit sich brachte, nicht mehr der Präsident der Vereinigten Staaten zu sein. Keine Frage: Er war gerne Präsident gewesen. Acht Jahre lang hatte er das Amt nach besten Kräften ausgeübt. Dennoch wusste er das Leben sehr zu schätzen, das jetzt zu führen ihm vergönnt war. Er konnte sich frei bewegen. Konnte gehen, wohin er wollte. Wann er wollte.
Den Schutz durch den Secret Service, der ihm als ehemaligem Amtsträger zustand, hatte er ausgeschlagen und es so dargestellt, als wolle er die Steuerzahler nicht belasten. In Wahrheit hatte er keine Lust auf Babysitter. Falls ihm jemand etwas tun wollte, sollte er es versuchen. Er war alles andere als hilflos. Außerdem konnten Ex-Präsidenten für gewöhnlich niemandem mehr gefährlich werden.
Selbstverständlich wurde er erkannt.
Doch dem konnte er durch die Wahl seines Aufenthaltsorts entgehen.
Wenn es doch passierte, blieb er wohlwollend und entgegenkommend, wie seine Mutter es ihn gelehrt hatte. Aber hier, im tiefsten Süden Bayerns an einem regnerischen Samstagmorgen im Spätfrühling, war nicht unbedingt damit zu rechnen. Außerdem war er bereits vor sechs Monaten aus dem Amt geschieden, was in der Politik einer Ewigkeit gleichkam. Jetzt war er Juniorsenator des schönen Staates Tennessee. Er war gekommen, um einer Freundin zu helfen.
Weshalb?
Weil sich das unter Freunden so gehört.
Die Polizeiwache von Partenkirchen hatte er mühelos gefunden. Das Bergstädtchen war so mit Garmisch zusammengewachsen, dass man nur schwer sagen konnte, wo eine Ortschaft endete und die andere begann. Der Granitbau befand sich in Sichtweite des alten Olympia-Eisstadions, das, wie er wusste, 1936 errichtet worden war, als Deutschland zum letzten Mal als Gastgeber der Winterspiele fungierte. In der Ferne sah man grüne Alpenhänge, von Skipisten durchzogen, auf denen kaum noch Schnee lag.
Er war gekommen, um sich mit einer Frau zu unterhalten, die auf direkte Anweisung der deutschen Kanzlerin festgehalten wurde. Ihr Mädchenname lautete Hanna Cress. Gestern war von Europol bestätigt worden, dass es sich bei ihr um eine Staatsangehörige von Belarus ohne Vorstrafen handelte. Online-Recherchen in öffentlichen Registern ergaben, dass ihr eine teure Wohnung in Minsk gehörte, dass sie einen C-Klasse-Mercedes fuhr und im vergangenen Ja