QUANTENVERSTRICKUNG
Blutstropfen fallen auf den blauen Teppich, verfärben sich von rot zu schwarz, während sie in die Fasern eindringen. Zuerst kommen sie nur langsam und werden dann zu einem Rinnsal, während meine Schädelknochen mein Gehirn zusammendrücken wie eine Faust. Mein Körper sehnt sich danach, die Spannung in meinen Schultern zu lösen, den Druck von meinen Knien zu nehmen, sich hinzulegen und einzuschlafen.
Aber es wäre kein Schlaf.
Der Tod allerdings auch nicht. Eher ein Zwischending.
Eine ewige Leere.
Dieser Moment verfolgt mich seit Jahren: das dritte Stadium, in dem sich die Stränge meiner Wahrnehmung auflösen, und ich nicht mehr in der Lage bin, das Konzept der linearen Zeit zu begreifen.
Wieder dieses klopfende Geräusch. Aber das Blut aus meiner Nase hat aufgehört zu fließen.
Schwerer, vom anderen Ende des Flurs, das Geräusch kommt näher.
Schritte.
Vielleicht kann ich es noch aufhalten. Mit ein paar Retronim. Einem Kirschlolli. Oder Schreien? Ich öffne den Mund. Nichts kommt heraus außer Blut.
Die Schritte kommen noch näher.
Das ist der Moment, in dem mein Gehirn einen Kurzschluss erleidet. Die dritte Stufe des Losgelöstseins. Niemand weiß genau, warum es passiert. Die vorherrschende Theorie besagt, dass sich der menschliche Geist nun in einem Quantenzustand befindet und die Belastung nicht mehr erträgt. Andere glauben, dass man den Moment seines eigenen Todes erlebt. Das Warum ist mir scheißegal. Ich weiß nur, dass das Ergebnis nicht angenehm ist: Mein Blick wird leer, dann falle ich ins Koma und das so lange, wie mein Körper weiterlebt.
Der Druck steigt. Noch mehr rote Tropfen. Vielleicht verblute ich, bevor es so weit ist. Kleine Siege.
Gleich bin ich weg. Und die Realität wahrscheinlich auch. Der Zeitstrom ist gestört, und ich bin die Einzige, die ihn reparieren kann. Aber stattdessen sterbe ich hier auf dem Teppich. Sorry, Universum.
Dann drifte ich wieder, Erinnerungen scheppern in meinem Gehirn wie Steine in einer Blechdose. Ich sitz