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DASEVANGELIUMNACHDERGLÜCKSELIGKEIT
Dass die Nation, die man den Riesen Afrikas nennt, auch als diejenige galt, die die glücklichsten Menschen auf Erden beherbergt, war keine Neuigkeit mehr. Verwirrend blieb, wie sie sich diese Anerkennung erworben und ob sie sie, allgemeiner Übereinstimmung gemäß, verdient hatte. Aufsteigende Nachbarländer mussten aus ihrem Dauerzustand neidischen Strebens befreit werden, geheilt von jener Malaise, welche die zum Scheitern verurteilte Bemühung hervorrief, der Nation der Glückseligen die Krone vom Haupt zu rauben. Die Weisheit der Ältesten rät, dass es ehrenhafter ist, den unangefochtenen Champion anzuerkennen und sich seiner Führerschaft anzuvertrauen, als ständig herumzunörgeln und sich frustriert zu winden. Wie die Yoruba zu warnen pflegen:Ti a ba ri erin igbo k’a gba wipe a ri ajanaku, ka ye so wipe a ri nka nto lo firi – Wenn wir einem Elefanten begegnen, dann lasst uns zugeben, dass wir den Herrn des Waldes sahen, und nicht leichthin behaupten, es sei bloß irgendetwas durch unser Gesichtsfeld gehuscht.
Nicht viele Nationen konnten mit einem Ministerium für Glückseligkeit prahlen. Dennoch gab es in einem der ärmsten der Bundesstaaten der föderalen Nation diese Neuerung. Die erste Ministerin – Kommissar genannt – war die Gattin des fantasievollen Gouverneurs besagten Bundesstaates, während andere Familienmitglieder und Anverwandte die übrigen Posten besetzten, die durch diese weltweit einzigartige Kabinettsbildung entstanden waren. Doch damit nicht allein dieser ersten Familie das Bravourstück eines einstimmigen Juryentscheids zugerechnet wird, muss man erwähnen, dass die freizügige Vergabe von begehrten Titeln überall im Lande eine Rolle spielte. Dass die mit einer einzigen Titelvergabe verbundenen Feierlichkeiten Summen verschlangen, die dem gesamten Jahresbudget anderer Nationen entsprachen, war ein oft übersehenes Faktum. Es gab freilich weitere, oft übersehene, dennoch monströse Exempel. Muss man beispielsweise die ständig und exponentiell wachsende Zahl von traditionellen Würdenträgern erwähnen, die ihren Titel quer über Geschichte, Kultur und Tradition hinweg durch den Federstrich eines Gouverneurs erhielten?
Die altehrwürdige Yoruba-Stadt Ibadan, einst eine unabhängige königliche Domäne, wurde eines Tages, ohne vorherige Zeichen einer Schwangerschaft, von vierundzwanzig neuen Königtümern entbunden, und das in Zeiten wütend tobender demokratischer Umbrüche.
Diese Glanzleistung blieb nicht unangefochten. Schon bald folgte das nahezu passende Pendant. Am entgegengesetzten Pol der nationalen Achse gebar eine historische Entität namens Kano vierzehn junge Emirate. Die präsidierenden Gouverneure der Bundesstaaten stellten den frisch gekürten Königen respektive Emiren – zuvor bloße Dorfälteste oder unbedeutende Chiefs – ihre Mitarbeiterstäbe vor, und die feierliche Übergabe der schnörkelstrotzenden Urkunden ihrer königlichen Amtseinsetzung generierte bunte Massenzeremonien der jubilierenden Bevölkerung. Die individuellen Kronen hier, Turbane dort, je nach den Maßen der königlichen Schädel passgenau fabriziert oder geschneidert, wurden auf die Köpfe der neuen Monarchen gesetzt oder um dieselben gewunden. Die professionellen Neinsager dieser Welt blieben außerstande, diese einfallsreichen Bravourstücke zu goutieren, die selbstverständlich gewaltige, das ganze Land mitreißende Festivitäten auslösten, die ihrerseits Garanten eines nahezu täglich stattfindenden Karnevals waren, was wied