1
Leia schreckte aus dem Schlaf hoch. Ihr Kopf stieß gegen den rauen Stoff der Rückenlehne, und ihre Hände suchten auf dem Sessel nach Halt, damit sie nicht zu Boden plumpste. Ein erschrockenes Keuchen kam über ihre Lippen, ein leiser atemloser Laut in dem ansonsten leeren Raum, dann bekamen ihre Finger schließlich den Rand der Konsole zu fassen. Es dauerte einen Moment, ehe ihre Sinne ins Hier und Jetzt fanden und sie sich daran erinnerte, wo sie war. Das tiefe Summen der Maschinen und das ferne Klacken von Reparaturarbeiten selbst zu dieser späten Stunde verrieten ihr: Sie war an Bord desMillennium Falken. Nicht auf derRaddus, wo sie während des Angriffs der Ersten Ordnung die Präsenz ihres Sohnes gespürt hatte. Und auch nicht in der kalten Leere des Weltraums, in die sie unmittelbar danach hinausgesaugt worden war.
Sie hatte nur geträumt – denselben Traum, der sie seit jenen Ereignissen plagte: Sie war allein, sie fror, ihr Körper ließ sie im Stich, sie fühlte sich verwirrt und war umgeben vom endlosen Vakuum des Alls. Dann war sie in der Realität aufgewacht, und die Macht hatte heiß und quicklebendig in ihrem Körper gebrannt; sie hatte Leia zurückgelotst, ins Leben und in Sicherheit. Aber in ihrem Traum blieb sie in der Leere gefangen. Im Traum ließ sie ihre Freunde im Stich, ihre Familie und all die Leute, für die sie die Verantwortung übernommen hatte. Und ganz besonders ihren Sohn. Alle, die sie liebte, starben.
»Wann bin ich nur so morbide geworden?«, murmelte sie leise, während sie ihren schmerzenden Körper in dem Sessel aufrichtete. Natürlich kannte sie die Antwort. Als sie gestorben war. Na ja,beinahe gestorben war. Sie war dem Tod schon oft nur um Haaresbreite entgangen: das Bombenattentat auf Hosnian Prime, als sie noch Senatorin gewesen war; das Verhör durch Vaders Folterdroiden, das sie selbst jetzt, Jahrzehnte später, noch mit Anspannung und Adrenalin erfüllte, wann immer sie daran dachte; die Million Nahtoderfahrungen mit Han während ihrer Zeit bei der Rebellion. Aber nichts davon war mit dem Gefühl vergleichbar, aus einem Schiff geblasen zu werden und allein durchs All zu treiben.
Sie fuhr sich mit müder Hand über das Gesicht und blickte sich um. Mehrere lange Tage waren vergangen, seitdem Chewie und Rey auf Crait aufgetaucht waren, um sie vor der Ersten Ordnung zu retten – seitdem sie ihren Bruder wiedergesehen hatte, nur um ihn sofort danach wieder zu verlieren. Wie viel Leid konnte man während einer einzigen Lebenszeit erfahren, fragte sie sich. Wie viel konnte eine Person ertragen? Doch dann schob sie diesen Moment des Selbstmitleids beiseite. Arbeit wartete auf sie.
Die Kommunikationskonsole desMillennium Falken lag so still wie das All selbst vor ihr. Als sie auf Crait einen Hilferuf an ihre Verbündeten abgesetzt hatte, war sie überzeugt gewesen, dass jemand antworten würde. Aber nichts war geschehen, und diese Tatsache erschütterte sie selbst jetzt noch. Lebten sie noch? War ihr Signal blockiert worden? Oder – die Möglichkeit, die Leia mit dem größten Unbehagen erfüllte – war es ihnen einfach egal gewesen?
Nein, das wollte sie nicht glauben. Dasdurfte sie nicht glauben. Irgendetwas hatte verhindert, dass ihre Botsc