ERSTES KAPITEL
DINGDINGDING
Deine Mutter kreischt, dass du gleich den Bus verpasst. Sie sieht ihn schon kommen. Du bleibst nicht stehen, um sie zu umarmen und ihr zu sagen, dass du sie liebst. Du dankst ihr nicht dafür, dass sie so eine gute, fürsorgliche, geduldige Mutter ist. Natürlich nicht. Stattdessen schießt du die Treppe runter und sprintest zur Straßenecke.
Wenn es das letzte Mal ist, dass du deine Mutter siehst, wünschst du dir irgendwann, du wärst stehen geblieben, um all das zu tun. Sogar wenn du dadurch den Bus verpasst hättest.
Doch der Bus bretterte bereits durch unsere Straße, und so rannte ich los.
Als ich über die Einfahrt hetzte, hörte ich noch, wie Mom nach meinem Bruder Alex brüllte. Sein Bus, der direkt hinter meinem in den Park Trail Drive eingebogen war, kam pünktlich auf die Minute um 7.09 Uhr. Meiner hätte eigentlich um 6.57 Uhr eintreffen sollen, war aber so gut wie immer spät dran. Als wäre der Busfahrer ebenfalls der Meinung gewesen, dass es irgendwie unfair wäre, mich vor sieben abzuholen.
Alex stürmte hinter mir aus dem Haus. Unsere Sneaker klatschten in einem doppelten Stampfrhythmus über den Gehsteig.
»Denk dran«, rief er mir hinterher, »dass wir nach der Schule noch zur Heilsarmee wollen!«
»Ja, klar«, meinte ich.
Mein Busfahrer drückte auf die Hupe.
Nach der Schule sind Alex und ich manchmal rüber in den Secondhandladen der Heilsarmee, um uns nach altem Elektronikkram umzuschauen. Vor der Benzinknappheit hatte ich Alex immer hingefahren. Jetzt nahmen wir die Räder.
Früher hatte ich ihn auch zur Schule kutschiert, doch seit das Benzin knapp wurde, nahm die ganze Schule den Bus, alle, sogar wir Oberstufler. Wir hatten keine Wahl – es war Vorschrift.
Ich hastete die kurze Treppe hoch und war im Bus.
Hinter mir hörte ich, wie sich Mrs. Wooly sarkastisch bei Alex bedankte: »Wie schön, dass du es auch einrichten konntest, Alex.«
Mrs. Wooly fuhr den Grund- und Mittelschulbus seit Urzeiten. In unserer Stadt war sie eine Institution – eine ergraute Institution mit drahtigem Haar, die nach Aschenbecher stank und kein Blatt vor den Mund nahm. Ihr einziger Sinn im Leben war Busfahren, und dafür war sie berühmt-berüchtigt. Sie war schon ziemlich einzigartig.
Mein Busfahrer, der vom Highschoolbus, war dagegen krankhaft fettleibig und nicht der Rede wert. Mr. Reed war für gar nichts berühmt. Höchstens dafür, dass er seinen Morgenkaffee aus einem alten Marmeladenglas trank.
Obwohl der Bus erst kurze Zeit unterwegs war, hielt Jake bereits ganz hinten Hof. Jake Simonsen, der Footballheld, der Obermacker. Jake war vor einem Jahr aus Texas an unsere Schule gewechselt. Zu Hause im Süden, wo sich alles um