: Benedict Jacka
: Der Gefangene von London Roman
: Blanvalet
: 9783641274313
: Alex Verus
: 1
: CHF 8.90
:
: Fantasy
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zum Bösen gezwungen!
Im seinem achten Abenteuer wird der schlimmste Albtraum des Hellsehers Alex Verus wahr!

In der Politik sind die Dinge selten schwarz oder weiß. Es geht um Kompromisse, Lobbyismus und auch Eigeninteresse. In der magischen Welt von London ist es nicht anders. Selbst zwischen Schwarz- und Weißmagiern sind die Grenzen fließend, und nur weil jemand im Lager der Weißmagier ist, gehört er noch lange nicht zu den Guten. Der Hellseher Alex Verus befindet sich inmitten dieses Chaos, seit sein alter Mentor, der Schwarzmagier Richard Drakh, einen Weg gefunden hat, Alex in seine Dienste zu zwingen. Damit ist Alex' schlimmster Albtraum Wirklichkeit geworden. Er will sich um jeden Preis aus der Knechtschaft befreien - doch von den Weißmagiern hat er keine Hilfe zu erwarten ...


Die Alex-Verus-Bestseller von Benedict Jacka bei Blanvalet:
1. Das Labyrinth von London
2. Das Ritual von London
3. Der Magier von London
4. Der Wächter von London
5. Der Meister von London
6. Das Rätsel von London
7. Die Mörder von London
8. Der Gefangene von London
9. Der Geist von London
10. Die Verdammten von London
11. Der Jäger von London
12. Der Retter von London

Benedict Jacka (geboren 1980) ist halb Australier und halb Armenier, wuchs aber in London auf. Er war 18 Jahre alt, als er an einem regnerischen Tag im November in der Schulbibliothek saß und anstatt Hausaufgaben zu machen, Notizen für seinen ersten Roman in sein Schulheft schrieb. Wenig später studierte er in Cambridge Philosophie und arbeitete anschließend als Lehrer, Türsteher und Angestellter im öffentlichen Dienst. Das Schreiben gab er dabei nie auf, doch bis zu seiner ersten Veröffentlichung vergingen noch sieben Jahre. Er betreibt Kampfsport und ist ein guter Tänzer. In seiner Freizeit fährt er außerdem gerne Skateboard und spielt Brettspiele.

1


Januar


Durch Richards Villa zu laufen, fühlte sich an wie zersplittertes Glas unter meiner Haut.

Das Innere des Hauses war gut beleuchtet, doch die dunklen Wände und der Boden ließen es düster wirken. Das Licht aus den kerzenförmigen Glühbirnen in den Kronleuchtern fiel auf rotbraune Fliesen herab, und breite Dachsparren kreuzten sich an der Decke über mir. Die Wände waren getäfelt und mit akkuraten geometrischen Mustern versehen. Unsere Schritte auf dem Holz hallten wider, und von Zeit zu Zeit deutete ein leises Geräusch eine Bewegung tiefer im Haus an. Braun- und Gelbtöne verschmolzen miteinander zu einem dunklen Gold.

Für mich war dies hier ein Ort des Schreckens und des Wahnsinns. Es war etwas über vierzehn Jahre her, seit ich zum ersten Mal durch diese Türen getreten war; an jenem Tag hatte Richard mich meinen Mitlehrlingen vorgestellt, Rachel, Tobruk und Shireen. Er hatte uns unsere Aufgaben erklärt und uns dann uns selbst überlassen. Nach einer Weile hatte es einen Auftrag gegeben. Und dann noch einen. Innerhalb von zwei Jahren waren Shireen und Tobruk gestorben, Rachel wahnsinnig, ich halb wahnsinnig geworden, bis ich geflohen war und versucht hatte, mein zerstörtes Leben wiederaufzubauen. Es hatte Jahre gedauert, und als ich wieder völlig gesund gewesen war, hatte ich geschworen, nie mehr zurückzukehren. Und jetzt tat ich genau das.

Die Kreatur, die uns hineinführte, lief zwei Schritte vor uns. Auf einen flüchtigen Blick sah sie wie eine junge Frau aus, goldhaarig und wunderschön, ganz in Weiß gekleidet. Nur die Augen verrieten es: Als sie uns an der Tür begrüßt hatte, war ich ihrem Blick begegnet, und die Augen, die mich ansahen, waren ausdruckslos und leer. Ich hatte von dieser Art Konstrukt gehört – man nannte es »Dama«. Sie waren körperlich schwach und nahezu geistlos; ihre Intelligenz reichte gerade aus, um einfachen Kommandos zu gehorchen. Doch sie hatten einen besonderen Wesenszug, den gewisse Magier sehr schätzten. Damas hatten kein Langzeitgedächtnis: Ein Befehl, den man ihnen gab, verschwand aus ihrem Gedächtnis, sobald er ausgeführt war. Als ich noch in diesem Haus gewohnt hatte, hatte Richard Haussklaven für solche Aufgaben gehabt. Die Tatsache, dass die Sklaven ersetzt worden waren, war gewissermaßen eine Verbesserung, ließ aber bedenkliche Schlussfolgerungen zu.

Verstohlen warf ich Anne, die neben mir herging, einen Blick zu. Ihr Haar war ein wenig gewachsen während unserer Flucht, und jetzt streifte es ihre Schultern, während sie mit ihren rotbraunen Augen die Wände musterte. Ich wusste, dass sie die lebenden Wesen in der Villa spürte, sie sah sie durch die Mauern und Türen, aber ich wagte nicht, sie danach zu fragen, nicht hier. Ihr Gewicht lagerte auf den Fußballen, sie schien bereit zu kämpfen oder zu fliehen. Ich war froh, dass sie da war, und schämte mich gleichzeitig dafür. Es gibt wenige Menschen, die ich in einer Zwangslage lieber an meiner Seite hätte als Anne, aber ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass sie meinetwegen hier war.

Das Konstrukt führte uns ins Wohnzimmer, das ebenfalls mit Holz getäfelt war, mit roten Polstern und fensterlos. Es wandte sich mit leerem Lächeln zu uns um. »Bitte warten Sie hier. Sie werden bald gerufen.«

»Wie bald ist ›bald‹?«, fragte Anne mit ihrer sanften Stimme.

Das Lächeln des Konstrukts veränderte sich nicht. »Bitte warten Sie hier. Sie werden bald gerufen.«

Anne öffnete erneut den Mund. Ich fing ihren Blick auf und schüttelte leicht den Kopf, und sie machte den Mund wieder zu. Das Konstrukt, das immer noch lächelte, wandte sich um, verließ das Zimmer und schloss die Tür.

»Fühlt sich an, als würde man mit den Leuten vom Ministerium für Arbeit und Altersvorsorge reden«, sagte Anne leise, d